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Greifswald Quartiersbüro in Schönwalde bedroht
Vorpommern Greifswald Quartiersbüro in Schönwalde bedroht
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00:00 17.12.2015
Anette Riesinger arbeitet seit Jahren im Quartiersbüro. Zum Jahresende musste sie sich arbeitslos melden. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Es ist kurz vor Weihnachten, aber besonders weihnachtlich ist Annette Riesinger derzeit nicht zumute: Das Quartiersbüro in Schönwalde II, in dem sie seit Jahren als Sozialarbeiterin tätig ist, muss im Januar dichtmachen. Zumindest für drei Monate, vielleicht aber sogar für immer.

„Mir tut das in der Seele weh“, sagt Riesinger. Als Quartiersmanagerin hat sie die Aufgabe, Schönwalde II lebens- und liebenswerter zu machen, „und das ist so wichtig“. Das Plattenbauviertel mit seinen rund 8500 Einwohnern gilt als sozialer Brennpunkt in Greifswald.

In den 1990er Jahren hatten der Bund und die Länder für eben solche Viertel das Programm „Soziale Stadt“ (SOS) aufgelegt und Städtebaufördermittel bereitgestellt. Damit entstand 2004 das Quartiersbüro in Schönwalde II, getragen von der Caritas. Doch seit Januar 2014 fließen nicht mehr so viele SOS-Mittel. Folge: Eine Mitarbeiterin aus dem Quartiersbüro in der Makarenkostraße musste gehen, übrig blieb eine Dreiviertelstelle.

„Das ist zu wenig, es gibt hier so viel mehr zu tun als einer allein schaffen kann“, sagt Riesinger. Auch ihr Chef Burghardt Siperko meint: „Man braucht zwei Leute: für die Vertretung, den Austausch, die Kreativität.“ Das sei schließlich das Prinzip eines Quartiersbüros: Ideen zu entwickeln und Impulse zu setzen. Mit Aktionen wie Stadtteilfesten, Flohmärkten, internationalen Kochkursen, Stadtteilzeitungen und anderen Angeboten habe die Caritas das geschafft. Die Menschen im Viertel zusammen zu bringen, ihr Gemeinschaftsgefühl und ihre Identifikation mit dem Bezirk zu stärken — darum gehe es.

„Wir würden das gern weiter machen“, sagt Siperko. Trotzdem: Als die Stadt im Herbst die Trägerschaft für ein Quartiersbüro neu ausschrieb, weil der alte Vertrag auslief, bewarb sich niemand, auch nicht die Caritas. Der Grund: Die ausgeschriebene Vereinbarung ist auf zwei Jahre angelegt, 50000 Euro sollen pro Jahr bereitstehen, so viel oder so wenig wie seit 2014. „Wir bewerben uns wieder, wenn die Stadt bessere Konditionen bietet“, sagt Siperko.

Tatsächlich ist das geplant. Ende Januar soll eine erneute Ausschreibung herauskommen. Man werde versuchen, die SOS-Mittel so zu verteilen, dass fürs Quartiersbüro mehr herauskomme, sagt Michael Heinz aus der Abteilung Stadtentwicklung. „Wieviel mehr, kann ich im Moment aber nicht sagen.“ Und in keinem Fall werde der Vertrag vor dem 1. April in Kraft treten. Bausenator Jörg Hochheim (CDU) betont: „Die Stadt ist sehr an einer qualitativ hochwertigen und engagierten Fortsetzung des Quartiersmanagements interessiert.“ Die Caritas habe eine viel beachtete Moderations- und Vernetzungsarbeit geleistet. „Aber Quartiersmanagement ist nie auf Dauer angelegt, nach und nach muss die Förderung durch Bürgerengagement ersetzt werden.“ Sollte sich auch auf die Neuausschreibung kein Träger bewerben, könne das Thema in der Bürgerschaft auf den Tisch kommen. „Denkbar wäre, dass die Stadt aus ihrem Kernhaushalt Gelder zuschießt.“ Auch die Wohnungsgesellschaften im Viertel könne man aber ansprechen.

Unter Lokalpolitikern war das Problem bis gestern völlig unbekannt. Jörn Kasbohm, Vorsitzender der Linksfraktion in der Bürgerschaft, und Axel Hochschildt, Chef der CDU sagen, man müsse sich erstmal mit der Caritas zusammen setzen und beraten, was sie vorhabe und wieviel Geld sie dafür brauche. 50000 Euro pro Jahr seien jedenfalls nicht wenig, meint Hochschild, „für so einen Auftrag müsste sich ein Handwerker strecken!“

Andreas Kerath von der SPD schätzt die Lage anders ein: „Gerade auch in Hinsicht darauf, dass Flüchtlinge in dem Stadtteil untergebracht sind, wachsen die Anforderungen“, sagt er. „Da ist es zwingend notwendig, dass mehr Geld in die Hand genommen wird.“

Geld für Projekte
20 000 Euro konnte das Quartiersbüro bisher pro Jahr für Vorhaben in Schönwalde II vergeben — Gelder aus dem „Verfügungsfonds“. Dieser Topf bleibt nun erstmal zu. Vereine und Initiativen, die Anträge auf Zuschüsse daraus stellen wollen, können dies frühestens im April 2016 wieder tun.
22 Projekte wurden allein in diesem Jahr gefördert. Die Entscheidung über die Vergabe trifft die „Lenkungsgruppe Soziale Stadt“, in der auch Mitarbeiter des Kulturamts und der Ortsteilvertretung sitzen.



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