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Greifswald Radeln gegen den Krebs – Mutmacher trösten kleine Patienten
Vorpommern Greifswald Radeln gegen den Krebs – Mutmacher trösten kleine Patienten
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11:36 25.08.2019
Patrycja Maindok (li) erkrankte mit vier Jahren an Leukämie. Auf der Greifswalder Kinderkrebsstation spricht sie mit Sabine Schultz, deren Sohn Marvin an Blutkrebs erkrankt ist. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Die letzten 35 Kilometer auf dem Kopfsteinpflaster der alten Bundesstraße von Stralsund nach Greifswald haben die 52 Radfahrer der 27. Regenbogenfahrt nochmals viel Kraft gekostet. „Dieser Weg war sehr holprig, aber auch unser Weg zurück ins Leben war nicht einfach“, berichtet Stefanie Weperling noch erschöpft von der Fahrt. Der 33-Jährigen stehen die Tränen in den Augen, als sie am Samstag zusammen mit ihren Mitstreitern nach der einwöchigen, 500 Kilometer langen Tour das Universitätsklinikum Greifswald erreicht. Umarmungen, Jubelschreie, Tränen, ein spontaner Tanz – alle Emotionen brechen in diesem Moment aus den Regenbogenfahrern heraus, die in ihrer Kindheit an Krebs erkrankt waren und nun mit der Tour von Kiel nach Greifswald Kindern Mut machten, die derzeit ein ähnliches Schicksal durchleiden.

Es gibt ein Leben nach dem Krebs

Angekommen am Ziel Quelle: Martina Rathke

Im Jahr 1993 initiierte die Deutsche Kinderkrebsstiftung (DKS) die erste Regenbogenfahrt. Ehemals Erkrankte zeigten den kleinen Patienten und ihren Eltern, dass man den Krebs nicht nur überleben kann, sondern auch, dass nach dieser schweren Erkrankung sportliche Höchstleistungen möglich sind. Als der Greifswalder Verein zur Unterstützung krebskranker Kinder im vergangenen Jahr auf dem Eltern-Kind-Haus-Treffen in München gefragt wurde, ob er nicht Ziel der 27. Tour sein will, musste Vorsitzende Dagmar Riske nicht lange überlegen. „Es ist eine ganz tolle Sache, was ehemalige Patienten auf sich nehmen, um anderen zu helfen“, schwärmt die engagierte Vereinschefin.

Emotionale Treffen mit kleinen Patienten

Man muss den Weg durch die Krankheit nicht allein gehen. Man kann eine lebensbedrohliche Leukämie oder einen aggressiven Neuroblastom überleben und wieder Freude am Leben haben: Diese Botschaft gaben die Regenbogenfahrer in den vergangenen sieben Tagen den kleinen Patienten in den Krankenhäusern in Kiel, Hamburg, Lübeck, Schwerin, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald auf den Weg. „Die Treffen waren alle sehr emotional“, berichtet Patrycja Maindok (25), die mit vier Jahren an Leukämie erkrankte. In der Greifswalder Kinderkrebsstation sitzt die Frau mit den rosa Haaren nun zusammen mit Astrid Zehbe am Bett des achtjährigen Marvin, bei dem die Greifswalder Ärzte vor knapp zwei Wochen Leukämie diagnostizierten.

Familie durchleidet Schicksal bereits zweimal

Patrycja Maindok (li) erkrankte mit vier Jahren an Leukämie. Auf der Greifswalder Kinderkrebsstation spricht sie mit Sabine Schultz, deren Sohn Marvin an Blutkrebs erkrankt ist. Quelle: Martina Rathke

Marvin ist geschwächt, müde, kaputt von der kräftezehrenden Chemotherapie, versteckt sein Gesicht hinter seinem Teddy. Mutter Sabine streichelt über den Rücken ihres Sohnes, während Patrycja erzählt, wie sie die Chemotherapie vor mehr als 20 Jahren erlebte und dass sie gerade mehrere hundert Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt hat. „Starke Leistung“, findet Sabine Schultz, der in diesem Moment ein kleines Lächeln über das Gesicht huscht. Die Familie mit vier Kindern hat bereits einen schweren Schicksalsschlag überwinden müssen, Marvins kleine Schwester war an einem Gehirntumor erkrankt. „Sie ist aber inzwischen geheilt“, berichtet Sabine Schultz. Gemeinsam mit ihrem Mann hofft sie nun, dass auch Marvin wieder gesund wird. „Wichtig ist, dass die Familie zusammenhält“, gibt Patrycja der jungen Frau auf den Weg. Dann legt sie dem Teddy das Regenbogenarmband für Marvin in die Arme. Es trägt die Aufschrift „Eins werde ich nie tun: Aufgeben!“.

Die kleine Kaja mit Mutter Kasja Czerwinska und Professor Holger Lode Quelle: Martina Rathke

Auch die kleine Kaja Czerwinska blüht auf, als die Regenbogenfahrer ihr Mutmachlied auf der Kinderkrebsstation anstimmen. Die Sechsjährige leidet an einem Neuroblastom, muss einen Mundschutz tragen, ist mit einer Infusion verbunden. „Die Behandlung in der Greifswalder Uni-Medizin ist unsere letzte Chance“, berichtet Mutter Kasia. Ihr stehen die Tränen, als sich Kaja aus ihren Armen löst, um sich im Takt des Liedes zu bewegen.

Heilungschancen liegen bei 80 Prozent

Professor Holger Lode: Die Heilungschancen sind deutlich gestiegen. Quelle: Martina Rathke

„Die Heilungschancen für Kinder sind dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Sie liegen über alle Krebsarten hinweg inzwischen bei 80 Prozent“, berichtet der Greifswalder Professor Holger Lode, Chef der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie an der Greifswalder Universitätsmedizin. Lode hat es sich nicht nehmen lassen, für die letzte Etappe von Stralsund nach Greifswald selbst in die Pedale zu treten und schwärmt von der tollen Stimmung unter den Radfahrern. „Ich war überrascht, dass unter den Teilnehmern auch einige waren, bei denen die Intensivtherapie erst wenige Monate zurückliegt.“ Sportliche Aktivitäten helfen, Spätfolgen vorzubeugen, so Lode. So sei bei Patienten, die nach der Erkrankung sportlich aktiv sind, die Wahrscheinlichkeit geringer, dass der Krebs ein zweites Mal ausbricht und dass sie im Erwachsenenalter an einer anderen Krebsart erkranken.

Radfahrer wachsen zu einer Familie zusammen

Sören Thormeyer aus Soltau: Ich habe die Leukämie immer im Hinterkopf Quelle: Martina Rathke

Für die Radler ist die Fahrradtour auch ein Weg, das eigene Schicksal zu verarbeiten und sich mit den Mitstreitern über Folgeschäden der Krankheit auszutauschen. „Ich habe die Leukämie immer im Hinterkopf“, erzählt Sören Thormeyer aus Soltau, der ebenfalls mit vier Jahren an Leukämie erkrankte und nun in Kürze sein 20-jähriges Jubiläum der Krebsfreiheit feiert. Wenn die Blutwerte mal schlechter sind, dann denke er sofort wieder an den Krebs. Auf der Regenbogentour tauschen sich die ehemaligen Krebspatienten über ihre Probleme aus. „Wir wachsen zu einer Familie zusammen und stehen auch nach der Tour weiter in Kontakt“, sagt er.

Klaus-Dieter Heidecke, Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin, lud die Regenbogenfahrer ein, auch im kommenden Jahr wieder Station in Greifswald zu machen. „Ich bin überwältigt, dass man nach so einer schweren Krankheit wieder so ins Leben zurückkommen kann“ staunte der Chirurg über die Teilnehmer. Vor der diesjährigen Tour war die Regenbogenfahrt zuletzt 2011 zu Gast in Greifswald. „Wir kommen wieder, wenn die Strecke zwischen Stralsund und Greifswald nicht mehr so holprig ist“, versprach ein Teilnehmer.

Sie haben den Krebs besiegt, nun machen sie kranken Kindern Mut. Nach 500 km haben die Regenbogenfahrer Greifswald erreicht.

Gepostet von Ostsee-Zeitung Greifswald am Samstag, 24. August 2019

Die kleine Kaja (6 Jahre) und Mutti Kasia freuen sich zusammen mit Prof. Lode über den Besuch der Regenbogen-Mutmacher auf der Kinderkrebsstation in Greifswald.

Gepostet von Ostsee-Zeitung Greifswald am Samstag, 24. August 2019

Von Martina Rathke

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