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Greifswald Rathaus nimmt Verkehr in der Innenstadt unter die Lupe
Vorpommern Greifswald Rathaus nimmt Verkehr in der Innenstadt unter die Lupe
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00:01 01.08.2017
Ein umfangreiches Gutachten soll die Verkehrsflüsse in der Innenstadt untersuchen. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz, Montage: Arno Zill
Greifswald

Fehlende Anwohnerparkplätze, eine stark steigende Zahl von Radfahrern auf dem Weg zum neuen Campus Loefflerstraße, ein unsicherer Schulweg für die Kollwitzgrundschüler, Lieferverkehr, der tagsüber durch die Fußgängerzone fährt, Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern in der als Fahrradstraße ausgewiesenen Domstraße: Die Liste an Verkehrsproblemen in der Innenstadt ist lang. Diese nimmt die Stadtverwaltung nun detailliert unter die Lupe. In Kürze wird der Auftrag für ein Gutachten ausgeschrieben, wie Bärbel Lenuck, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, mitteilt.

Ergebnisse sollen im Herbst 2018 vorliegen / Ab 2021 wird Uni-Campus Loefflerstraße voll genutzt / OB schließt autofreie City aus

Loeffler- als Einbahnstraße?

„Die Verwaltung erarbeitet derzeit eine Aufgabenbeschreibung für einen komplexen Prüfauftrag verkehrsplanerischer Maßnahmen im Bereich der Innenstadt insbesondere im Bereich der Friedrich-Loeffler-Straße“, so Lenuck. Wegen der umfangreichen Datenerhebungen rechnet sie mit einer Bearbeitungszeit von etwa einem Jahr. Damit könnten die Ergebnisse im Herbst 2018 der Bürgerschaft vorgestellt werden. Bereits jetzt erteilt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) Visionen einer autofreien Innenstadt eine klare Absage. Diese Idee hatten unter anderem die Grünen vor Jahren ins Spiel gebracht. „Die Tiefgarage im Domcenter muss für Autos erreichbar sein“, sagt Stefan Fassbinder. Er sieht die Verkehrsfrage in der Innenstadt als „schwierige Situation“ an. „Diese darf nicht reduziert werden, auf Auto Ja oder Nein in der Loefflerstraße“, so Fassbinder weiter. „Wir müssen ohne Tabus denken“, fordert der Oberbürgermeister. Möglich sei beispielsweise, die Loefflerstraße in eine Einbahnstraße umzuwandeln und damit deutlich mehr Platz für Radfahrer zu schaffen. Wenn die Loefflerstraße eine Einbahnstraße in Richtung Uni-Campus wird, müsste über die parallel verlaufende Domstraße der Verkehr in der Gegenrichtung fahren. Fassbinder könnte sich vorstellen, die Loefflerstraße zur Fahrradstraße zu machen und die jetzige Fahrradstraße Domstraße wieder in eine normale Straße umzuwandeln.

Auto- und Radfahrer trennen

Klare Linie von Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) ist es, Fahrradfahrer und Autofahrer räumlich voneinander zu trennen: „Eigentlich sollte man möglichst wenig Konfrontationspunkte zwischen Fahrrad- und Autofahrern haben“, sagt sie. „Meine persönliche Idee ist daher, zu gucken, wie man die Radler länger auf der Domstraße als Fahrradstraße hält und sie erst dann rüberleitet zum Campus.“

Von Busse betont, dass erst das Gutachten genaue Schlüsse zulässt, wie viel und welcher Verkehr sich von wo nach wo bewegt. Das werde genau untersucht. Aus den Ergebnissen erhofft sie sich auch eine Antwort auf die Frage, wie mehr Menschen zum Parkhaus Dompassage geleitet werden könnten. Dieses werde bislang nicht ausreichend genutzt. Die Bausenatorin vermutet, dass dies auch an der schlechten Ausschilderung liegen könne.

Ampel vor der Schule kommt

Weitere Herausforderung in der Loefflerstraße ist die Situation vor der Käthe-Kollwitz-Grundschule. Eltern fordern seit Jahren eine Ampel, damit die Schüler die viel befahrene Straße sicher überqueren können. Nach langem Hin und Her hat die Verwaltung nun signalisiert, einer solchen Ampel zuzustimmen. Diese soll unabhängig vom Verkehrsgutachten zeitnah realisiert werden.

Kritik am Land

Fassbinder kritisiert, dass die Pläne für den Bau eines geistes- und sozialwissenschaftlichen Campuses Loefflerstraße vor Jahren ohne Verkehrskonzept angeschoben wurden. „Es hat Versäumnisse in der Planung gegeben. Das hätte schon mitgedacht werden müssen, als der Campus geplant worden ist“, sagt Fassbinder. Er hätte die Erschließung für Radfahrer von hinten präferiert. „Das geht jetzt nicht mehr“, so Fassbinder weiter. Das Land habe die Stadt in seine Planungen nicht mit einbezogen, obwohl diese bereits 2007 losgingen.

Verkehrsgutachten

Die Verwaltung gibt ein Verkehrsgutachten Innenstadt in Auftrag. Fokus liegt auf dem Bereich Friedrich-Loeffler-Straße.

Berücksichtigt werden folgende Aspekte:

die Verkehrsführung unterschiedlicher Verkehrsträger;

die prognostische Entwicklung der Verkehrsträger unter besonderer Würdigung des noch ausstehenden Volllastbetriebes des neuen Uni-Campus Loefflerstraße mit allen sich hieraus neu ergebenden Wegebeziehungen in der Innenstadt und darüber hinaus;

die Liefer- und Kundenverkehre innerhalb der Innenstadt;

der Schülerverkehr von und zur Käthe-Kollwitz-Schule;

der ruhende Verkehr und dessen prognostische Entwicklung;

die Berücksichtigung wichtiger Knotenpunkte und deren perspektivischer Ausbaustatus;

die Entwicklung weiterer innenstadtnaher Wohngebiete und deren Auswirkung auf die innerstädtischen Mobilitätsbedarfe.

Geplant sind umfangreiche Datenerhebungen und Bestandsanalysen in repräsentativen Zeiträumen (nicht während der Semesterferien).

Katharina Degrassi und Sybille Marx

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