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Greifswald Gemütlichkeit im Rauchernebel
Vorpommern Greifswald Gemütlichkeit im Rauchernebel
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19:05 08.02.2019
Für Karolin Peters (32) und Arne Uplegger (34) gehört das Rauchen zum Kneipenabend im „Steinbeck“ einfach dazu. Quelle: Dana Frohbös
Greifswald

Es ist dunkel, die Sicht ist vernebelt und die Luft verqualmt. Und doch ist das Deja Vue in der Domstraße voll. „Für mich als Nichtraucher ist das manchmal bedrückend“, sagt Barkeeper Daniel Ovtchinnikov. „Aber weil geraucht werden darf, ist die Stimmung auch besser“. In Greifswalds Kneipenszene habe sich das Rauchen einfach etabliert, sagt er. Es schaffe Gemütlichkeit.

Vor zwölf Jahren wurde das Nichtraucherschutzgesetz eingeführt – zunächst befristet. „Das hat man gemacht, um es im Zweifel ohne große juristische Anstrengung wieder fallenzulassen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Dehoga MV, Matthias Dettmann. Doch das war gar nicht nötig. Seit 2014 gilt das Gesetz unbefristet, denn negative Auswirkungen habe es trotz großer Bedenken nicht gegeben.

Das bestätigt auch Matthias Frank, der seit 34 Jahren als Barkeeper arbeitet. Weggeblieben seien die Kunden deswegen nicht. Für einen Kundenrückgang hätten stattdessen andere Veränderungen gesorgt: Umstellung auf Bachelor und Master, Netflix und die sozialen Netzwerke. „Die soziale Kompetenz der Leute ist einfach weniger geworden.“ Dennoch hat er abends im „Steinbeck“ gut zu tun – vor allem dank der Raucher. „Die gehen einfach öfter in Kneipen als Nichtraucher“, sagt er. „Denn Zuhause müssen sie auf den Balkon.“

Doch auch in Kneipen ist das Rauchen nicht immer möglich. Ein Weg, es doch zu gestatten, ist ein separater Raucherbereich. Für diese Variante hat sich das „CoMix“ in der Steinbeckerstraße entschieden. Im Erdgeschoss darf geraucht werden, der Keller ist für die Nichtraucher. „Da ist dann auch der Durchgang zu den Toiletten“, sagt Barkeeper Andreas Kühl, der vor kurzem noch selbst Raucher war. „Ich dachte immer, es wird viel schwieriger als Nichtraucher, unter Rauchern zu arbeiten“, sagt er. „Aber wir haben eine gute Lüftung und ich versuche so oft wie möglich, unten zu arbeiten.“ Auch in der „Domburg“ gibt es eine solche Aufteilung. „Für die Raucher ist es einfach angenehmer, wenn sie nicht immer aufstehen und rausgehen müssen“, sagt Barkeeperin Katharina Bobe.

Beim Großteil der Greifswalder Innenstadtkneipen handelt es sich allerdings um ausgewiesene Raucherkneipen. Hier sieht das Gesetz vor, den Zutritt für Gäste unter 18 Jahren zu verbieten. „Wir haben draußen ein Schild“, sagt Anne Koch aus der „Falle“. „Die Leute wissen also, worauf sie sich einlassen.“ Erst vor kurzem sei eine Truppe aus Rostock zu Besuch gewesen. „Die haben sich barbarisch gefreut, dass sie im Warmen rauchen konnten“. Nichtraucherkneipen seien ihrer Meinung nach einfach viel weniger kommunikativ. „Da sitzt dann eigentlich ständig nur die Hälfte am Tisch“, sagt Anne Koch.

Grafik für Online-Nutzung als jpg-Bilddatei. Raucherkneipen in Greifswald Quelle: Arno Zill

Und selbst Nichtraucher gehen ganz bewusst in Raucherkneipen. „Am nächsten Tag stinken zwar die Klamotten, aber irgendwie ist das auch cool“, sagt Johanna Menzel, Gast in der „Falle“. Denn man werde daran erinnert, dass man richtig weg war, sagt sie. „Das macht einfach das Flair einer Kneipe aus“, bestätigt auch Luka Luig, nichtrauchender Barkeeper im „Ravic“. Richtig blau ist die Luft aber in den wenigsten Kneipen. „Wir haben echt das Glückslos gezogen“, sagt Maria Schlegel, Inhaberin des „Gleich Acht“. „Hier war vorher eine Shisha-Bar drin und die hatten einen unfassbar guten Abzug.“ Und um es den Gästen noch enspannter zu machen, bietet das „Gleich Acht“ auf Nachfrage einen Extra-Service. „Wir verkaufen auch Tabak und Zigaretten“, sagt ihr Geschäftspartner Abdul Akher.

Unter den Kneipen in der Innenstadt gibt es mit dem „Mitt’n Drin“ nur eine einzige reine Nichtraucherkneipe. Christian Fitz hat die Räumlichkeiten erst im letzten Jahr gekauft. „Das war schon vorher eine Nichtraucherkneipe und ich habe das dann beibehalten, weil wir auch Kuchen und Baguettes anbieten.“ Dennoch kommen auch Raucher in die Cocktailbar am Dom. „Die gehen dann nach draußen, um eine zu paffen.“ Um es ihnen auch bei Winterwetter etwas angenehmer zu machen, will er einen Heizstrahler anschaffen, den die Raucher bei Bedarf selbst einschalten können. „Ich habe schon mit einem Elektriker gesprochen“, sagt Christian Fitz.

Durch ein Schild ist die "Falle" als Raucherkneipe gekennzeichnet. Quelle: Dana Frohbös

Dana Frohbös

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