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Greifswald Wird Wolgast Deutschlands erste Romantikstadt?
Vorpommern Greifswald Wird Wolgast Deutschlands erste Romantikstadt?
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17:51 29.07.2019
18 Studenten aus Kassel haben eine Woche in Wolgast zugebracht, um Ideen für die Entwicklung der Stadt zu „fischen“: Herausgekommen sind sehr interessante Vorschläge. Quelle: Cornelia Meerkatz
Wolgast

Romantikstadt, Bahnhof auf dem Wasser, Museum zum Dreißigjährigen Krieg, Flaniermeile auf dem Oberwall, die Badstubenstraße als Hotelgasse und ein Park auf der Schlossinsel – was sich wie unerfüllbare Träume anhört, ist das Ergebnis einer intensiven Arbeitswoche von angehenden Stadt- und Landschaftsplanern aus Kassel in Wolgast.

18 Studierende weilten zusammen mit Prof. Harald Kegler, einem Diplom-Ingenieur für Stadtplanung der Uni Kassel eine Woche in Runges Geburtsstadt. Keiner der Studierenden war vorher schon jemals in Wolgast oder in der Region gewesen. „Wir sind mit der Bahn angereist und dann völlig unvoreingenommen durch die Stadt spaziert. Wir haben eine romantische Stadt erlebt und viele Punkte entdeckt, wo man in Wolgasts Stadtkern ansetzen kann, um ihn zu beleben“, berichtet Kegler. Die Stadt kann in seinen und den Augen der Studierenden mit Pfründen punkten, die bisher ziemlich unbeachtet geblieben sind.

Anerkennung als immaterielles Weltkulturerbe

„Als erstes sollte sich Wolgast umgehend um den Titel ’Romantikstadt’ bewerben, denn der Titel ist bislang in Deutschland noch nicht vergeben“, sagt Prof. Harald Kegler. Der Titel ist für ihn ein Muss, stammt doch der Begründer der Romantik, Philipp Otto Runge, aus Wolgast.

Zugleich rät er der Stadt, bei der Unesco die Anerkennung als immateriellen Weltkulturerbe der Romantik zu beantragen. Und er empfiehlt den Bürgern der kleinen Stadt noch etwas: „Die Wolgaster müssen aufhören, vom Tor zur Insel Usedom zu sprechen. Durch ein Tor fährt man durch und ist weg. In Wolgast sollen Besucher aber verweilen, hier gibt es viel zu sehen“, so Kegler.

Angehende Stadtplaner aus Kassel haben tolle Ideen für Wolgast vorgestellt: Die Stadt soll Deutschlands erste Romantikstadt werden. Quelle: Cornelia Meerkatz

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Gläserner Bahnsteig auf dem Wasser

Auch die weiteren Ideen der Studierenden aus Kassel haben es in sich: Der Kracher ist ein Bahnhof auf dem Wasser. Wie bitte? Der Vorschlag ist ernst gemeint. „Der Hafenbahnhof muss sich direkt auf dem Wasser befinden, also jener schmalen Brücke im Museumshafen, über die die Züge jetzt rollen. Der Bahnsteig wird gläsern gemacht, sodass man das Wasser unter den Füßen sehen kann. Das gibt es ganz Deutschland nicht“, erläutert der Professor. Er rät den Stadtvätern, sich mit der UBB zu beraten. Wegen eines Haltepunktes auf dem Wasser würden hier unzählige Menschen mit der Bahn ankommen, ist er sich sicher.

Wolgast könnte die erste Stadt Deutschlands sein, wo der Zug auf dem Wasser hält. Quelle: Cornelia Meerkatz

Museum für Dreißigjährigen Krieg

Was können sich die angehenden Stadtplaner noch vorstellen? Die farbliche Gestaltung des Rungeplatzes – immerhin hat Runge die Farbenlehre erfunden – als Hingucker für Ankommende. Die noch nicht gestaltete Hafenseite sollte Promenade werden, mit einem Leuchtturm am Ende. Und auf dem Gelände des abgebrannten Speichers rät Kegler zu einem Museum über den Dreißigjährigen Krieg. „Auch das wäre ein Alleinstellungsmerkmal für Wolgast. Der Schwedenkönig Gustav Adolf ist hier in der Spitzenhörnbucht angelandet und noch kein Museum in Deutschland setzt sich intensiv mit dem Dreißigjährigen Krieg auseinander.“

Oberwall als Flaniermeile

Pläne wurden auch für den Oberwall offeriert: Wenn die neue Ortsumgehung Wirklichkeit geworden ist, könnte der Oberwall trotz einheimischen Verkehrs als Flaniermeile gestaltet werden. Praktiziert wird so etwas in Schönebeck. Für die Belebung der Altstadt empfiehlt Kegler zudem, ähnlich wie in Saarbrücken mit Ministerien geschehen, Teile der Verwaltung aus dem Rathaus in leerstehende Gebäude und Läden rund um den Rathausplatz und in der Langen Straße umzusiedeln. So würde kein neues Rathaus gebraucht und Leerstand verschwinde. Dafür könnten sich die Studierenden vorstellen, dass auf dem Platz der Jugend ein Gebäude errichtet wird, in dem sich ein Institut für Romantikforschung ansiedelt.

Badstubenstraße wird Hotelgasse

Außergewöhnlich auch die Idee zum Hotel: „Bloß kein Hotel auf der Schlossinsel bauen. Statt dessen die Lücken in der Badstubenstraße und drumherum mit kleinen Pensionen bebauen, denn die zahlen ihre Steuern in Wolgast. Auf der Schlossinsel könnte stattdessen ein schöner Park entstehen, wo kulturelle Events stattfinden“, erläutert der Stadtplaner. Viele werden zwar sicher sagen, dass das alles nichts wird. „Aber warum den zweiten Schritt beklagen, wenn der erste gar nicht versucht wurde“, meint Kegler.

Stadtplaner kommen wieder

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), mit dem sich die angehenden Stadtplaner aus Kassel mehrfach berieten, aber auch Stadtvertreter und Bürger, mit denen sie im Rahmen ihrer Aktion „Ideen vor dem Rathaus fischen“ sprachen, waren von vielen Dingen angetan. Weigler findet vor allem den Bahnhof auf dem Wasser eine der innovativsten Ideen, die je an ihn herangetragen wurden. Die Kasseler wollen in einem Jahr wiederkommen. „Dann könnte der erste Schritt gemacht sein“, sagt Prof. Harald Kegler. Aus diesem Grund haben die Studierenden und ihr Professor den Antrag für das immaterielle Weltkulturerbe der Romantik gleich vor Ort im Wolgaster Rathaus gelassen.

Hier stimmen Sie ab, ob Wolgast Romantikstadt werden soll oder nicht: www.ostsee-zeitung.de/Romantikstadt

Cornelia Meerkatz

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