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Greifswald Rückblick: Grundschullehrer-Ausbildung in Greifswald
Vorpommern Greifswald Rückblick: Grundschullehrer-Ausbildung in Greifswald
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14:10 27.10.2019
Vorlesung für Lehrerstudenten 1973 im Hörsaal 5 im Audimax Quelle: Universitätsarchiv Greifswald
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Greifswald

Dass in Deutschland an Universitäten Lehrer speziell für Abc-Schützen ausgebildet werden, ist eine recht junge Praxis. Die vom Schweriner Bildungsministerium angekündigte Wiedergeburt des Grundschullehrerstudiums kann aber tatsächlich an zwei kurze Perioden nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wende anknüpfen. Doch der Reihe nach.

Ausbildung der Volksschullehrer erfolgt im Kaiserreich in Lehrerseminaren

Im Zuge des langen Prozesses der Professionalisierung des Pädagogenberufs sind Volksschullehrer, die auch die Abc-Schützen betreuten, schon in Preußen beziehungsweise dem Kaiserreich am Ryck ausgebildet worden, allerdings nicht an der Hochschule. Nur Gymnasiallehrer studierten vor 1918 an Universitäten. Volksschullehrer wurden an Lehrerseminaren wie Anklam und Franzburg ausgebildet, auf deren Besuch man sich in Präparandenanstalten, zum Beispiel in Franzburg oder Tribsees, vorbereiten konnte. Auch in Greifswald gab es bis zur Verlegung nach Franzburg ein Lehrerseminar und auch später am Lyzeum ein Lehrerinnenseminar.

Erst die Weimarer Republik führte den verbindlichen Besuch einer Grundschule, vorher Elementar- oder Volksschule, für alle ein. Die vierjährige Grundschule war Teil der achtklassigen Volksschule. Es entstanden Pädagogische Hochschulen, zum Beispiel 1930 in Stettin, die wie nunmehr auch die Universitäten Volksschullehrer ausbildeten. In der NS-Zeit führten auch Lehrerbildungsanstalten ohne Abitur zum Pädagogenberuf. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sehr viele Lehrer wegen ihrer Verstrickung in das NS-Regime die Schulen verlassen.

DDR brauchte dringend Neulehrer – Pädagogische Fakultät gegründet

Nicht zuletzt, um unbelastete Neulehrer heranzubilden, erwarben nach dem Krieg auch in Greifswald junge Leute in der Vorstudienanstalt und dann ab 1949 an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) die Hochschulreife. An der 1946 gegründeten Pädagogischen Fakultät der Uni erfolgte die Ausbildung von Lehrern für die Mittelstufe (Klasse 5 bis 8) in sechs und die Oberstufe (9. bis 12. Klasse) in acht Semestern. Bis 1951 wurden zudem Lehrer für die Klassen 1 bis 4 (Unterstufe) ausgebildet. Ein Absolvent der Pädagogischen Fakultät war der spätere Greifswalder Professor Helmut Breuer (1927 bis 2018), der als ein Vater des heute hochgelobten finnischen Bildungssystems gilt.

Helmut Breuer (vorn) mit einem Studentenzirkel Quelle: privat

Die Pädagogischen Fakultäten der DDR wurden 1955 geschlossen, die Greifswalder Institute für Körpererziehung und Kunsterziehung ebenso wie das Institut für Pädagogik in die Philosophische Fakultät eingegliedert.

Wie angedeutet hießen in der DDR die Pädagogen, die in den Klassen 1 bis 4 an Polytechnischen Oberschulen (POS) unterrichteten, Unterstufenlehrer. Sie erhielten ihre eigene Ausbildung und wurden nach dem Ende der Übergangsphase nur noch an Instituten für Lehrerbildung, zum Beispiel in Rostock, ausgebildet. Sie wurden zugleich Erzieher. Ein Abitur, also die Hochschulreife, war für die Immatrikulation nicht vonnöten. In Putbus wurde bereits im Februar 1946 ein Institut für Lehrerbildung gegründet, an dem bis zur Verlegung nach Rostock 1975 Neulehrer ausgebildet wurden. Die POS als Schule für alle wurden 1959 anstelle der achtjährigen Grundschulen und der zehnjährigen Mittelschulen gebildet. Das Abitur erwarb man an der Erweiterten Oberschule (EOS) zunächst ab der neunten, später nach der zehnten Klasse.

Lehrerstudium prägte Uni Greifswald

Lehrer an den Polytechnischen Oberschulen inklusive erweiterter Oberschule für Kinder ab Klasse 5 besuchten Universitäten wie Greifswald oder pädagogische Hochschulen wie zum Beispiel in Güstrow. Das Lehrerstudium war für die Greifswalder Universität in der DDR in hohem Maße prägend. In vielen Fächern wie Geschichte, Deutsch, Englisch, Sport oder Geografie wurden ausschließlich Pädagogen ausgebildet. Die Methodiken der Fächer waren im Vergleich zu heute super ausgestattet. Es gab anders als heute überall mehrere unbefristete Mitarbeiter, darunter viele Lehrer im Hochschuldienst, die sich vor allem der Ausbildung widmeten.

Die Episode Neubrandenburg

Nach der Wende gab es kurzzeitig erneut Grundschullehrerstudenten an der Universität. Allerdings fanden die Lehrveranstaltungen nicht in Greifswald, sondern an der Außenstelle Neubrandenburg der Universität Greifswald, dann Standort Neubrandenburg genannt, statt. Vom Wintersemester 1991/92 bis zum Wintersemester 1992/93 wurden Grundschullehrer ausgebildet. Das erfolgte zunächst in der Fachrichtung Grundschuldidaktik, dann im Lehramt für Grund- und Hauptschulen. Dann war wieder Schluss. Die Pädagogische Hochschule Neubrandenburg war erst am 1. Oktober 1989 von Margot Honecker als Ministerin für Volksbildung eröffnet worden. Die Hochschule in der damaligen Bezirkshauptstadt ist auch ein Sonderfall. Denn sie war nach Zusammenlegung mehrerer Einrichtungen der Lehrerbildung entstanden. Dazu gehörte das 1955 in Templin gegründete Institut für Lehrerbildung und damit eine Einrichtung für die Grundschullehrerausbildung. Die Neubrandenburger Pädagogische Hochschule wurde nach der Wende in die Universität Greifswald eingegliedert.

Drastischer Abbau in der Bundesrepublik

Mitte der 2000er-Jahre erfolgte der letzte große Einschnitt. Im Zuge der großen Einsparungen an den Universitäten Mecklenburg-Vorpommerns wurden bis auf Geografie alle naturwissenschaftlichen Lehrerstudiengänge für Regionalschulen und Gymnasien gestrichen. Auch Sport- und Französischlehrer gibt es nicht mehr. Mathematik auf Lehramt an Gymnasien gibt es inzwischen wieder, Physik soll folgen.

Die Pädagogische Fakultät erhielt Räume im früheren Luftwaffenlazarett, heute Medigreif Quelle: Peter Binder

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