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Greifswald Kommt bald das Rauchverbot auf Greifswalds Spielplätzen?
Vorpommern Greifswald Kommt bald das Rauchverbot auf Greifswalds Spielplätzen?
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13:49 22.11.2018
Noch gibt es nur wenige Rauch-Verbotsschilder auf Spielplätzen. Doch das könnte sich bald ändern. Dann herrscht auch auf dem Spielplatz in der Erich-Böhmke-Straße Rauchverbot. Quelle: Kai Lachmann
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Greifswald

Die Greifswalder SPD-Fraktion fordert ein generelles Rauchverbot auf kommunalen Spielplätzen. Zusätzlich soll auch der Konsum von Alkohol auf diesen Plätzen verboten werden. Im Dezember wird die Bürgerschaft über den Antrag entscheiden. Wenn sich die Mitglieder für ein Verbot aussprechen, wäre die Hansestadt Greifswald damit ein Vorreiter in MV.

„Viele von uns haben Kinder und Enkelkinder. Der Spielplatz ist eine ,Kinder-Zone’ und diese muss beschützt werden“, sagt Ibrahim Al Najjar, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter. Mit dem Antrag wollen die Genossen ein Signal senden: Vor den Augen der Kleinen sollen weder Zigaretten noch Alkohol konsumiert werden.

Im Jahr 2007 wurde das Nichtraucherschutzgesetz bundesweit verschärft. Auch in der Hansestadt herrscht seitdem in Behörden, Restaurants und anderen öffentlichen Einrichtungen Rauchverbot. Die SPD will nun einen Schritt weitergehen, um auch die kleinsten Bürger der Stadt vor dem giftigen Qualm zu schützen.

Diskussion über Umsetzung des Rauchverbots

Es scheint, als seien sich alle Fraktionen einig, dass das Rauchverbot auf Spielplätzen längst überfällig ist. Wie das allerdings durchgesetzt werden soll, darüber diskutierten die Mitglieder des Sozialausschusses vergangene Woche. „Zum einen ist es gut, das Rauchverbot generell zu regeln. Es bleibt aber die Frage, wer das kontrolliert“, sagt Christian Weller (CDU). Das Ausschuss-Mitglied schätzt, dass eine Beschilderung nicht ausreichen würde, um das Verbot zu unterstreichen.

Bereits einen Schritt weiter ist die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG). Sie verwaltet die meisten Spielplätze in der Hansestadt (107) und weist mit neuen Beschilderungen auf das Rauchverbot hin. „Auf diesen steht, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt und dass Rauchen, Alkohol trinken oder offene Feuer untersagt sind“, erklärt Jana Pohl, Pressesprecherin der WVG. Hauswarte würden zusätzlich bei regelmäßigen Rundgängen auf die Einhaltung der Verbote achten, so Pohl weiter. Bislang wurden 13 der über 100 Spielplätze mit den neuen Verbotsschildern ausgestattet. Weitere sollen folgen.

„Wenn der Qualm zu dicht kommt, hole ich mein Kind weg“

Auf den kommunalen Spielplätzen sind bereits ein Drittel der Plätze mit Verbotsschildern ausgestattet, wie Andrea Reimann, Pressesprecherin der Stadt, sagt: „Das betrifft vor allem auch die neu gebauten Spielplätze. Hier gibt es so gut wie keine Probleme mit Zigarettenstummeln oder Flaschen.“ Einige wenige Plätze seien immer wieder stark verschmutzt. So zum Beispiel die Spielplätze im Wallgrund, in der Franz-Mehring-Straße oder in der Victor-Klemperer-Straße. Dort wären es vor allem Jugendgruppen, die sich treffen und für die Verunreinigungen mit Kippenstummeln und Flaschen sorgen, berichtet Reimann weiter.

Patricia Müller würde das Rauchverbot begrüßen. Die Mutter ärgert sich jedes Mal, wenn auf einem Spielplatz geraucht wird und sorgt sich um die Gesundheit ihrer zweijährigen Tochter. „Wenn der Qualm zu dicht kommt, hole ich mein Kind davon weg“, sagt die 29-Jährige. Mutter Sandra R. beunruhigt ein weiterer Punkt: „Wenn die ganz Kleinen im Sand spielen, finden sie Zigarettenstummeln, die sie dann in den Mund nehmen.“ Schon wenige Milligramm würden ausreichen, um ein Kind gesundheitlich zu schädigen.

Verbot auch ohne Kontrollen durchsetzbar?

Doch sollten zusätzlich zu den Beschilderungen regelmäßige Kontrollen durch das Ordnungsamt erfolgen? Ausschussvorsitzende Mignon Schwenke (Die Linke) zieht einen Vergleich: „Auf Bahnsteigen kontrolliert auch niemand. Dort gibt es ein Verbotsschild und extra markierte Bereiche für Raucher. Dort halten sich die meisten Leute daran.“ Sie gehe nicht davon aus, dass Verbotsschilder ganz zwecklos wären: „Auch wenn man es nicht garantieren kann, sollten wir die Wirkung einer solchen Ordnung nicht unterschätzen.“

In vielen anderen Städten gilt seit längerem das Rauchverbot auf Spielplätzen, wie Ines Gömer, Familien- und Präventionsbeauftragte der Stadt, weiß: „In einigen wurden Schilder aufgestellt, auf denen die Kinder schreiben konnten, was sie sich wünschen. Vielleicht ist das der richtige Weg.“

Rauchfreie Spielplätze – MV hängt hinterher

In Bayern, Brandenburg, Saarland, Bremen und in Nord-Rhein-Westfalen herrscht seit einiger Zeit Rauchverbot auf Spielplätzen. Im kommenden Jahr solle auch in Berlin das Rauchen auf Spielplätzen verboten werden. MV steht dem hinterher. Im Mai dieses Jahres ist die Fraktion „Bürger für MV“ (BMV) im Landtag mit einem Antrag gescheitert, ein generelles Rauchverbot auf Spielplätzen im Land durchzusetzen. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte, dass ein Rauchverbot auf Spielplätzen Sache der Kommunen sein sollte. In MV greifen 33 Prozent der Erwachsenen laut einer Studie der Unimedizin Düsseldorf zu Zigaretten.

Christin Lachmann