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Greifswald Sanierung der Greifswalder Gewächshäuser
Vorpommern Greifswald Sanierung der Greifswalder Gewächshäuser
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12:31 12.06.2019
Die historischen Gewächshäuser sind Denkmale von nationaler Bedeutung Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

 Mitte 2014 mussten die historischen Gewächshäuser der Uni Greifswald wegen Einsturzgefahr für Besucher gesperrt werden. Jetzt hat die Sanierung begonnen. „Ende 2020 müssen wir fertig sein“, sagt Uwe Sander. Er ist der Leiter des Geschäftsbereiches Hochschul- und Klinikbauten des Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL). Denn bis Ende des Jahrzehnts müssen die 1,4 Millionen Euro Bundesmittel abgerechnet sein.

Alles in allem sollen die Arbeiten zur Sanierung des Denkmals von nationaler Bedeutung etwa 3,9 Millionen Euro kosten. Die in der DDR vereinfachten Gebäude bekommen ihre historische Schönheit zurück. Der Schmuckgiebel an der Südseite Richtung Wohngebiet wird rekonstruiert, die Ziegelsichtigkeit der Fassade wird wiederhergestellt, Schornsteine werden wieder aufgebaut und Anbauten entfernt. Auch die historische Heizungsanlage wird aufgearbeitet und bleibt erhalten.

So sah das Greifswalder Palmenhaus ursprünglich aus und so wird es sich wieder präsentieren Quelle: Botanischer Garten

„Um die Sanierung der historischen Stahlkonstruktion hatten sich zwei Unternehmen beworben“, informiert Sander. „Den Auftrag haben wir an die österreichische Firma Reisinger vergeben.“ Die Sanierung ist keine leichte Aufgabe: Ein Palmenhaus sowie ein Warm- und ein Kalthaus wurden 1884 bis 1886 durch die Greifswalder Maschinenbaufabrik Julius Kessler aus genietetem Stahl errichtet. Auch der Pariser Eiffelturm wurde so gebaut, ist aber zwei Jahre jünger. Vergleichbare Gewächshäuser gibt es nur noch in Frankfurt/Main. Für so eine Sanierung ist Spezialwissen gefragt.

Glas wird vollständig ersetzt

Schon der Augenschein zeigt erhebliche Rostschäden. Nur Kitt und Farbschichten hielten zum Teil noch die Fenster in der Fassung. Zum Korrosionsschutz bei der Neuverglasung 1986 bis 1990 in Regie des Botanischen Gartens wurde in der DDR Bleimennige eingesetzt und so den Gewächshäusern Zeit bis zu der jetzt begonnenen Sanierung verschafft. Weil es giftig ist, dürfte dieses Korrosionsschutzmittel heute nicht mehr verwendet werden, so Sander. Wie groß der Umfang der nötigen Sanierung sei, lasse sich jetzt noch nicht sagen. „Ich hoffe, dass das Geld reicht“, sagt Sander. Im Augenblick sehe es danach aus.

Der Rost hat der Konstruktion zugesetzt Quelle: eob

„Zuerst werden alle Scheiben herausgenommen und dann die Konstruktion sowie die Mauern begutachtet“, erläutert Bauleiterin Marina Krautschick den Ablauf. Dann werde entschieden, was genau nötig sei. Das jetzt 30 Jahre alte Glas werde komplett ersetzt. Für die anderen Arbeiten an den Gebäuden wie die Wiederherstellung der Fassade wurde kein Angebot abgegeben, informiert Sander. Das Paket werde aufgeschnürt, einzelne Teile neu ausgeschrieben.

Einige Pflanzen konnten nicht umziehen

In den drei Häusern stehen derzeit noch einige Pflanzen, die nicht zwischenzeitlich in andere Häuser des Komplexes umziehen können, zum Beispiel, weil sie zu groß sind. „Dazu gehören zwei Gummibaumarten und Bambus“, erläutert Ingrid Handt, die Technische Leiterin des Botanischen Gartens. Auch ein großer Baumfarn gehört dazu, der aus Vietnam stammt und bald seinen 90. Geburtstag feiern kann.

Großes Bürgerengagement für Gewächshäuser

Die wertvollen Exemplare werden eingehaust und besonders geschützt, damit sie die Zeit bis zum Wiedereinzug der anderen Pflanzen inklusive Neupflanzungen im Frühjahr 2021 überstehen. „Die großen Palmen waren nicht mehr zu retten“, bedauert Handt. „Sie reichten bereits bis an die Decke.“ Von ihnen sind nur noch Stümpfe zu sehen. Abgetragen wird auch ein „Berg“, an dem Farne wuchsen. Hier entsteht eine Fläche für Seminare für den praktischen Unterricht.

Das leere Palmenhaus Quelle: eob

Noch steht kein Baustellenschild. Es wird ziemlich groß sein. „Dort werden zehn Spender stehen“, erzählt Marina Krautschick. Denn dass eines der wertvollsten Greifswalder Denkmale erhalten bleibt, ist nicht zuletzt dem Engagement viele Bürger zu verdanken. Die Uni plante nach der Sperrung zunächst keine Sanierung, wollte nur einen Neubau in der Nachbarschaft errichten. Unterschriften wurden dagegen gesammelt, eine sechsstellige Summe gespendet. Die Landesdenkmalpflege erhob Einspruch. Eigentümer sind laut Gesetz verpflichtet, Denkmale zu erhalten. Jetzt beteiligt sich die Hochschule mit 500.000 Euro an der Sanierung, das Land gibt 2,1 Millionen Euro.

Roland Wuttig reißt einen "Berg" ab, an dem Farne wuchsen Quelle: eob

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Eckhard Oberdörfer

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