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Greifswald Schausteller: Ein (nicht) ganz normaler Beruf
Vorpommern Greifswald Schausteller: Ein (nicht) ganz normaler Beruf
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17:45 22.12.2018
Marina Simmrow kommt aus einer Schaustellerfamilie. Heute verkauft sie zusammen mit ihren Geschwistern und Neffen neben Süßigkeiten auch Glühwein. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Der neunjährige Jason Groß weiß schon jetzt, was er einmal werden will. Ganz wie seine Eltern will Jason später als Schausteller sein Geld verdienen. Es scheint in seinen Genen zu legen. Schließlich kommen auch Jasons Eltern aus Schausteller-Familien. Schon die Großeltern von Ivonne Groß und Michael Jacob zauberten Kindern und Erwachsenen auf Volksfesten ein Lächeln ins Gesicht. Seit elf Jahren sind die beiden ein Paar. Vor vier Jahren heirateten sie. Mit Sohnemann Jason zieht die Familie von Ort zu Ort, um die ungarische Spezialität Langosch und die französische Variante vom Eierkuchen, auch Crêpe genannt, an den Mann zu bringen.

„Es ist ein anstrengender, aber auch sehr schöner Beruf“, sagt Ivonne Groß. Eigentlich, erzählt die 36-Jährige, wollten ihre Eltern, die auch heute noch als Schausteller arbeiten, dass sie eine Ausbildung macht: „Aber pünktlich zu meinem 18. Geburtstag bin ich zum Gewerbeamt und habe einen Gewerbeschein beantragt.“

Die Herausforderungen als Schaustellerkind

Ob ihr Sohn später einmal Schausteller wird, darüber soll der Neunjährige selbst entscheiden. Erst einmal muss Jason allerdings die Schulbank drücken. Die wechselt er regelmäßig. Der Vorteil: „Manchmal hatte ich den Stoff schon an einer anderen Schule.“ Allerdings birgt der ständige Schulwechsel mit immer neuen Lehrern und Mitschülern auch Herausforderungen. „Einige Schüler ärgern mich dann und sagen gemeine Sachen über das Leben als Schausteller“, sagt Jason, der schon mit einem selbstgebauten Verkaufswagen von Papa eigens gebastelte Ketten und Armbänder auf Festen verkaufte.

Jason Groß (9) weiß schon jetzt, was er später werden will. Wie seine Eltern Ivonne Groß und Michael Jacob will er Schausteller werden. Quelle: Christin Lachmann

Auch die Kinder von Marina Simmrow kennen die Schulwechsel nur zu gut. „Heute haben die beiden Abitur“, erzählt die 58-Jährige stolz. In der Schaustellerbranche sind weder ihr Sohn noch ihre Tochter tätig. Auch Simmrow absolvierte anfangs eine Ausbildung und arbeitete als Sekretärin. „Mit 22 Jahren habe ich dann, wie meine Eltern auch, als Schaustellerin angefangen.“ Heute bewirtschaftet sie zusammen mit ihren Geschwistern und Neffen einen Glühwein- und Süßigkeitenstand sowie einen Stand zum Ballwerfen.

Viel Arbeit, wenig Pausen

Besonders in den Wintermonaten sei der Job sehr hart. „Thermounterwäsche ist schon mal Pflicht. Ansonsten muss man sich einfach viel anziehen und bewegen. Krank sein und zu Hause im Bett liegen geht nicht.“ Bis spät abends arbeiten Schausteller, fangen schon frühs an. In den vergangenen Jahren quartierten sich die Schaustellerfamilien in Pensionen und Gästehäusern für die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt ein. „In Wohnwagen schlafen wir im Winter aber schon länger nicht mehr. Ein Jahr sind uns die Leitungen und Kabel eingefroren. Wir mussten sehr lange warten, bis wir weggekommen sind.“ Wie lange sie den Job als Schaustellerin noch machen wird, weiß sie nicht. Eines steht aber schon jetzt fest: „Bis 80 will ich das nicht machen.“

Frank Rathsack und seine Frau Petra unterhalten zusammen mit ihrer Familie ein Autoscooter, ein Kinderkarussell, eine Losbude und einen Imbissstand. Quelle: Christin Lachmann

Zwar legen viele Schausteller wie Simmrow sowie Michael Jacob und Ivonne Groß in den Wintermonaten eine Pause ein, doch zu tun gibt es immer etwas, sagt Frank Rathsack. Zusammen mit seiner Familie betreibt der 57-Jährige ein Autoscooter, ein Karussell, eine Losbude und einen Imbiss: „Auch wenn wir frei haben, gibt es viel zu tun, beispielsweise für Reparaturen.“

Auch Rathsack kommt aus einer Schausteller-Dynastie. Einzig seine Frau, Petra Rathsack, hatte nichts mit dem Schaustellerleben zu tun, bis sie ihn vor 19 Jahren kennenlernte. „Ich habe dann zu ihm gesagt, dass ich mitkomme, sobald er mich heiratet.“ Zwei Jahre später gab sich das Paar das Ja-Wort. Seitdem unterstützt auch die 48-Jährigen die Familie und arbeitet am Imbissstand. Der Job, sagt die Torgelowerin, ist kein Beruf, sondern eine Berufung. „Man braucht viel Lust am Reisen. Schließlich ist man wirklich sehr viel unterwegs.“ In den Sommermonaten geht es für die Schaustellerfamilie Rathsack auf die Insel Usedom. Dort heißt es dann: Arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Christin Lachmann

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