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Greifswald Schiff kollidiert mit Wiecker Klappbrücke: Segler sitzen fest
Vorpommern Greifswald Schiff kollidiert mit Wiecker Klappbrücke: Segler sitzen fest
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18:19 20.08.2019
Klappbrücke in Greifswald-Wieck nach Unfall gesperrt Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Rums! Die Wiecker Klappbrücke wurde am Montag erneut zum Unfallort. Der Traditionssegler „Freddy“ aus Hamburg rammte bei der Einfahrt das denkmalgeschützte Bauwerk mit seinem Mast, Menschen wurden nicht verletzt. Danach allerdings ging nichts mehr: Die Brücke wurde gesperrt, weder Schiffe noch Autos konnten passieren, auch Fußgänger und Radfahrer mussten immer wieder warten. In der Vergangenheit waren bereits mehrfach Schiffe mit dem hölzernen Bau aus dem Jahr 1887 kollidiert.

Auch am Mittwoch gibt es nach Auskunft der Stadt kein Durchkommen für Segler, die Schäden an der Brücke müssen untersucht werden. „Die Gäste, die vielleicht nur einen Tag zu uns nach Greifswald kommen wollten, sitzen fest“, sagt der Vorsitzende des Museumshafenvereins in Greifswald, Ulrich Laukamm-Josten. „Für die Schiffe im Museumshafen ist die Situation katastrophal. Sie sind auf das eingenommene Geld aus den Ausfahrten angewiesen.“ Auch das Fährschiff „Stubnitz“ muss gezwungenermaßen am Anleger bleiben.

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Nach Ansicht vieler Segler trägt die Stadt eine gehörige Mitschuld: Die Art und Weise, wie die Brücke geöffnet werde, mache die Brückendurchfahrt gefährlicher als nötig. „Zwei Unfälle seit Juli können kein Zufall sein“, ist sich zum Beispiel Jörg Andrasch, Kapitän der „Robbe“, sicher. Im derzeitig üblichen Betriebsmodus wird die Brücke nicht um 90 Grad angehoben, bei geöffneter Brücke steht die untere Ebene leicht schräg in die Durchfahrt und bildet eine potenzielle Gefahr für passierende Segelschiffe.

Die Stadtverwaltung weist die Einschätzung zurück: Die Brücke habe bei der normalen schrägen Öffnung eine Durchfahrtsbreite von 8,70 Meter, bei einer senkrechten Öffnung 9,13 Meter. „Die normale Durchfahrtsbreite ist für den hiesigen Schiffsverkehr vollkommen ausreichend“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann.“ Ob eine vollständige Brückenöffnung die gestrige Kollision verhindert hätte, wäre Spekulation.“ Jährlich passieren laut Stadt rund 14 000 Schiffe ohne Zwischenfälle die Brücke. In diesem Jahr kam es laut Stadt zu zwei Unfällen, 2018 zu keinem.

Zeugen hatten am Montag die Kollision des Schiffes mit der Brücke beobachtet. Bei der Einfahrt sei zunächst die Quermast des Hauptmastes und dann der Quermast des Besan auf der Backbordseite mit dem Brückenteil kollidiert.„Das hat ordentlich gekracht“, sagte einer der beiden Männer. Schon Anfang Juli hatte sich ein Schiff so den Mast beschädigt. „Das hängt damit zusammen, dass die Leute nicht ordentlich in der Mitte fahren“, vermutet er.

Ralph Winnicker, der mit dem Segler „Freddy“ die Brücke rammte, widerspricht dieser Aussage. „Wir haben grünes Signal bekommen, also durften wir durchfahren“, sagt der 63-Jährige. „Die Brücke war aber nicht richtig geöffnet, deswegen sind wir mit dem Mast hängengeblieben.“ Jetzt ermittelt die Wasserschutzpolizei. Die Höhe des Schadens kann Winnicker noch nicht benennen. Er hofft, am Wochenende den Hafen wieder verlassen zu können. „Dann müssen wir wieder durch die Brücke. Wir hoffen, dass sie dann vollständig geöffnet wird“, sagt er.

Greifswalder Segler diskutieren seit Längerem die Möglichkeit, die Klappbrücke ganz zu öffnen. „Seit bestimmt zehn Jahren bemängele ich, dass die Brücke nicht richtig geöffnet wird“, sagt Heino Eckhard Zuschlag, Vorsitzender des Vereins Traditionssegler Greifswald und Kapitän der „Königin Wilhelmina“. „Im Wasser befinden sich vor der Brücke zwar Pfeiler, die das Schiff zurück in die Spur drängen, wenn es zu weit rechts oder links fährt. Aber das nützt ja auch nichts, solange oben weniger Platz ist.“ „Es ist theoretisch möglich, die Brücke komplett zu öffnen“, bestätigt auch Ulrich Laukamm-Josten, „Dafür ist allerdings ein höherer Personalaufwand nötig. Bisher wird die Brücke von zwei Personen bedient, für eine komplette Öffnung braucht man vermutlich vier.“

Das ein höherer Personalaufwand von vier Leuten für eine komplette Öffnung nötig ist, bestätigt die Stadt. Dies werde bislang lediglich bei der „Weißen Düne“ auf deren Wunsch hin praktiziert. „Dafür helfen bei der Durchfahrt zwei Männer der Mannschaft, die Klappen wieder zu schließen, indem sie sich dagegenstemmen.“

Jörg Andrasch an seinem Segelboot "Robbe". Er sieht die Stadt in der Pflicht zu handeln. Quelle: Stefanie Ploch

Der Kapitän der „Robbe“, Jörg Andrasch, sieht die Stadt in der Pflicht zu handeln. „Wenn man wirklich vier Leute dafür benötigt, dann ist die Stadt in der Verantwortung, diese auch einzustellen“, sagt er. Der Verkehr an der Brücke nehme schließlich immer weiter zu. Er sei auch bereit, pro Durchfahrt etwas Geld beizusteuern. Jedoch hat der Ingenieur noch einen anderen Vorschlag: „Ein Hebezug mit Kurbel und Seilwinde an der richtigen Stelle sollte es auch möglich machen, dass zwei Personen ausreichen.“ Die Durchfahrt sei für ihn und seine Seglerkollegen zwingend notwendig. „Mit Ausfahrten, vor allem in den Sommermonaten, verdienen wir uns das Geld für nötige Schiffsreparaturen.“ Er musste einer Gruppe absagen, die am Dienstagvormittag gerne mit der „Robbe“ in See gestochen wäre.

Klappbrücke in Greifswald-Wieck wird wieder gerichtet. Quelle: Martina Rathke

Von Stefanie Ploch

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