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Greifswald Schrecklicher Fund: 25 Chinchillas ausgesetzt
Vorpommern Greifswald Schrecklicher Fund: 25 Chinchillas ausgesetzt
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08:03 18.12.2018
Silvia Grünberg, Tierheimleiterin Greifswald, hat seit vergangenem Samstag 23 muntere Chinchillas zu versorgen. Quelle: Dana Frohbös
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Greifswald

Eigentlich wollte Silvia Grünberg sich am vergangenen Samstag gegen 11 Uhr ins Wochenende verabschieden. Doch ein Karton, den die Tierheimleiterin am frühen Morgen vor dem Haupteingang entdeckt hatte, machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Also verschob sie ihren Feierabend und kümmert sich seither um 23 ausgesetzte Chinchillas.

„Es war ein Riesenschock für uns“ sagt die Tierheimleiterin über den Fund. Der viel zu kleine Käfig war mit Pappkarton umhüllt und mit Klebeband zugeklebt. Einen Lüftungsschlitz gab es nicht. „Die Tiere lagen übereinander, untereinander, zwei von ihnen waren schon tot“, sagt Silvia Grünberg. Aber gemeinsam mit ihrem Team packte sie es an und klapperte auf der Suche nach geeigneten Käfigen die Zoohandlungen der Umgebung ab. „Ein paar Käfige hatten wir auch noch“, sagt sie. Zusätzlich hat sie gemeinsam mit ihrem Team einfache Holzbretter in alte Vogelkäfige geschraubt und sie so in provisorische Nagetierkäfige verwandelt.

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Die südamerikanischen Nagetiere sind provisorisch in einem Hundezwinger untergekommen.

„Auf so etwas sind wir hier absolut nicht vorbereitet“, sagt Silvia Grünberg. Doch nun ist der erste Trubel vorbei und der Tierarzt kommt vorbei, um sich die ausgesetzten Tiere anzusehen. Er hört sie ab, überprüft den Zustand der Zähne und – ganz wichtig – stellt fest, wie viele Weibchen und wie viele Männchen in der Kiste waren. „Schwanger, fünf Nachkommen“, sagt er, als er sich eines der Tiere genauer anschaut. „Quatsch“, klärt er sein kleines Späßchen gleich im Anschluss auf, „ist ’n Junge und hat ganz dicke Eier.“ Silvia Grünberg atmet auf, denn noch mehr der kleinen Nager kann sie wirklich nicht unterbringen.

Tiere in einem guten Zustand

Gerechnet hatte sie mit der Ladung nicht, als sie den Karton entdeckte. „Manchmal geben die Leute hier ja auch Futterproben oder so ab“, sagt sie. Vorsichtig hat sie die Kiste dann ins Gebäude gebracht und langsam geöffnet. „Es hätte ja zum Beispiel auch eine Schlange drin sein können.“ . Der Zustand der Tiere sei aber besser, als zunächst befürchtet. Der Tierarzt ist nach seiner umfangreichen Untersuchungsaktion jedenfalls zufrieden. „Vier Männchen haben Hautprobleme“, sagt er. Sie bekommen in den nächsten Tagen täglich Tröpfchen verabreicht und müssen auch noch ein bisschen an Gewicht zulegen. Die anderen 19 Tiere sind quietsch­fi­del und können weitervermittelt werden.

Chinchillas sind anspruchsvolle Haustiere

Wer sich für die kleinen Nagetiere interessiert, solle sich aber der Verantwortung für die anspruchsvollen Wesen bewusst sein, sagt Silvia Grünberg. „Das ist nix fürs Kinderzimmer und es sind auch keine Schmusetiere“. Chinchillas sind dämmerungsaktiv, brauchen unbedingt die Gesellschaft mindestens eines Artgenossen und haben spezielle Anforderungen. Sie brauchen einen sehr großen Käfig mit mehreren Etagen zum Klettern. Zudem eine große Schale mit feinem Sand, in dem sie baden und so ihre Körperhygiene erledigen können.

Mischlingshund „Bungee“ musste umziehen

Vor allem aber ist zu bedenken, dass Chinchillas über 20 Jahre alt werden können. Wer einen treuen Begleiter für eine lange Zeit sucht und Tiere lieber beobachtet als mit ihnen zu schmusen, der sollte unbedingt während der Öffnungszeiten im Tierheim in Greifswald vorbeischauen. Das lohnt sich in diesen Tagen übrigens gleich doppelt. Denn im Eingangsbereich werden die Besucher ganz herzlich von dem kleinen Mischlingshund Bungee begrüßt. Seinen eigentlichen Zwinger musste er räumen – Platz machen für die 23 Chinchillas. Aber ein Dauerzustand ist das nicht. Gerne hätte der kleine Racker sein Reich wieder zurück.

Dana Frohbös

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