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Greifswald Schülerfreizeitticket kommt nicht
Vorpommern Greifswald Schülerfreizeitticket kommt nicht
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14:06 19.02.2019
Schüler warten nach der Schule an einer Haltestelle in Wolgast auf ihren Bus, der sie nach hause fährt. Quelle: Tilo Wallrodt
Greifswald

Das war’s dann erst einmal: Nach monatelangem Streit um ein (kostenfreies) Busticket für Schüler und Azubis ist auch die letzte Variante vom Tisch. Der Kreistag von Vorpommern-Greifswald verwies am Montagabend eine Beschlussvorlage der Verwaltung wegen zu vieler offener Fragen zurück in die Fachausschüsse und watschte damit insbesondere den zuständigen Dezernenten Jörg Hasselmann (CDU) kräftig ab.

Dabei hatte der Vizelandrat noch zu Beginn der Debatte ganz optimistisch verkündet: „Heute ist ein guter Tag für den Landkreis!“ Seine Zuversicht war nicht unbegründet. Hatten doch die Fachgremien der Kreistages allesamt für die von der Verwaltung vorgeschlagene „Einführung eines Schülerfreizeittickets“ gestimmt – wenngleich nach heftigen Kontroversen (die OZ berichtete). Ziel des Schülerfreizeittickets war die „Verbesserung der außerschulischen Mobilität“ der Kinder. Es sollte acht Euro pro Monat kosten und täglich ab 12 Uhr (eine erste Variante ging von 14 Uhr aus) sowie ganztags an schulfreien Tagen gelten. Im Klartext: Kinder sollten mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sorglos und kostengünstig per Bus zu ihren Freizeitaktivitäten gelangen.

Aber: Gut gedacht ist nicht gleich gut gemacht. „Wir haben doch gar keinen ÖPNV mehr auf dem Lande. Es könnten nur jene Schüler von dem Ticket partizipieren, die an bestehenden Verbindungen wohnen. Kinder in Ferdinandshof, Ducherow und vielen anderen Orten haben gar nichts davon. Denn es fährt nicht ein Bus zusätzlich“, kritisierte Matthias Krins (CDU). Der Finanzausschussvorsitzende räumte ein, im Vorfeld auch für die Vorlage gestimmt zu haben. Allerdings mit ungutem Gefühl. Denn das Ticket führe zur Ungleichbehandlung von Stadt und Land. „Über eine Angebotserweiterung, die notwendig wäre, wurde bislang gar nicht geredet. Das finde ich schlimm“, wetterte er.

Die SPD-Fraktion denkt ähnlich und beantragte daher, Möglichkeiten zu prüfen, „die ÖPNV-Angebote dort zu erweitern, wo das Schülerfreizeitticket andernfalls ins Leere läuft“, so Carsten Seeger. Dezernent Hasselmann erklärte jedoch prompt, dass sich an den Buslinien „nichts ändern wird“. Auch sein Ziel, das Ticket auf die Regionalzüge auszuweiten, habe er bislang nicht erreicht: „Dafür brauche ich die Genehmigung vom Land.“ Verhandlungen mit den Verantwortlichen seien ergebnislos verlaufen.

Dabei sei eigentlich nur ein Ticket sinnvoll, das Bus und Bahn einbeziehe, so Grünen-Fraktionschef Waldemar Okon. Mehr noch: „Wir halten am 365-Tage-Ticket fest“, erklärte er. Soll heißen: Ein Rund-um-sorglos-Paket für die Beförderung von Kindern und Azubis zur Schule oder Ausbildung und zu Freizeitaktivitäten. Man nehme das Wahlversprechen des Landrats ernst. Denn Michael Sack (CDU), seit Oktober im Amt, hatte genau dies im Vorfeld der Wahl versprochen. „Um so enttäuschter sind wir jetzt über das Stückwerk“, monierte Kristin Wegner. Die Fraktion wolle daher einen Sonderausschuss zum Thema beantragen.

Das Fass zum Überlaufen brachte für die Abgeordneten aber wohl der Redebeitrag von Henrik Umnus, Geschäftsführer der Verkehrsbetrieb Greifswald GmbH. Hatten die Kreistagsmitglieder bereits mehrfach kritisiert, die von der Verwaltung genannten Kosten für das Freizeitticket über 95000 Euro nicht nachvollziehen zu können, goß er mit seinen Berechnungen noch Öl ins Feuer. Laut Umnus würde die Einführung eines Freizeittickets für acht Euro in Greifswald zur Folge haben, dass erheblich weniger Monatskarten in Höhe von 30 Euro erworben werden. „Sie kannibalisieren damit die Einnahmen des Verkehrsbetriebes. Ihr Handeln führt zu weiteren Verlusten des Unternehmens“, übte er an der Verwaltungsspitze Kritik.

Zugleich ließ Umnus keinen Zweifel daran, dass alle Verkehrsbetriebe der Region jegliche Initiativen zu Schülertickets begrüßen: „Schüler, die wir heute befördern, sind die Zukunft des ÖPNV.“ Allerdings habe die Kommunikation der Verwaltung mit den Betrieben sehr zu wünschen übrig gelassen. Nach der Vorstellung des Konzepts im April 2018 und der übereinstimmenden Erklärung aller Unternehmen, dass es nachgebessert werden müsse, habe es lediglich einen E-Mail-Kontakt, aber keinen weiteren Gesprächstermin gegeben.

Nachdem der Kreistag am Ende mehrheitlich den Verwaltungsvorschlag zum Ticket beerdigte, zeigte sich Dezernent Jörg Hasselmann bitter enttäuscht: „Da steckte sehr viel Arbeit drin. Und die Leidtragenden sind die Kinder.“ Für ihn habe die Diskussion gezeigt, „dass ähnlich wie in der Abfallwirtschaft alles auf eine Rekommunalisierung des ÖPNV hinausläuft“. Dafür werde er sich einsetzen.

Mario Riedel, Vorsitzender des Kreiselternrates, begrüßte indes die Entscheidung: „Für uns ist es gut gelaufen, denn ein Beschluss hätte zum Stillstand in der Sache geführt“, sagte er. Nun bestehe weiter Hoffnung auf eine gute Lösung.

Petra Hase

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