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Greifswald Schülerticket: Kreiselternrat enttäuscht
Vorpommern Greifswald Schülerticket: Kreiselternrat enttäuscht
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15:10 25.01.2019
Mit dem Schülerticket und dem Schülerfreizeitticket will der Landkreis die Mobilität von Kindern und Jugendlichen künftig erhöhen sowie Eltern finanziell entlasten. Dem Kreiselternrat gehen die Angebote nicht weit genug. Quelle: Christopher Gottschalk
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Vorpommern-Greifswald

Freie Fahrt mit Bus und Bahn für alle Kinder und Azubis – egal ob Schul- oder Ferienzeit. Von diesem Wunschtraum können sich Eltern in Vorpommern-Greifswald vorerst verabschieden. Zu teuer für den Landkreis, nicht kalkulierbar für die Verkehrsgesellschaften als Partnerunternehmen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die jetzt in zwei verschiedenen von der Verwaltung erarbeiteten Beschlussvorlagen zu diesem Thema mündet. Im Klartext: Das von Eltern geforderte Rund-um-sorglos-Paket ist vom Tisch. Stattdessen gibt es zwei andere Angebote, denen der Bildungs- und der Wirtschaftsausschuss des Kreistages jetzt zustimmten.

Mario Riedel, Vorsitzender des Kreiselternrates, standen unmittelbar nach der Beschlussfassung die Tränen in den Augen. „Die Enttäuschung ist sehr groß. So viel Arbeit, Mühe, Elan und Kraft unserer Eltern für ein Ergebnis, das nichts mit unserem Antrag auf ein kostenfreies Schülerticket zu tun hat“, erklärt er frustriert. Dieser Forderung hatten Eltern per Volksinitiative mit 17000 Unterschriften Nachdruck verliehen. Doch was beinhalten nun die beiden Verwaltungsvorschläge konkret?

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Stillstand bei Verhandlungen

 Angebot Nummer 1: das Schülerfreizeitticket für acht Euro pro Monat, das täglich ab 14 Uhr sowie ganztäglich an schulfreien Tagen gelten soll. Schüler und Azubis sollen damit die Chance erhalten, ihre Freizeitmobilität zu verbessern. Genau das war Ziel eines Prüfauftrages an die Verwaltung, den der Kreistag bereits im Oktober 2017 verabschiedete. „Leider hat sich das Ganze aufgrund verwaltungstechnischer Probleme verzögert“, räumt Dezernent Jörg Hasselmann (CDU). Doch auch jetzt bleibt vieles offen: Unklar sei, wann genau das Ticket an den Start gehe. „Ich hoffe, dass uns das noch bis zum Sommerferienbeginn gelingt, nicht erst zum neuen Schuljahr“, so Hasselmann. Zudem sei fraglich, ob das Ticket wie angestrebt auf alle Regionalzüge ausgeweitet werden könne. Verhandlungen mit der Bahn seien nur über den Aufgabenträger des Schienenpersonenverkehrs möglich. Das ist die Verkehrsgesellschaft MV. „Gespräche blieben bislang ergebnislos. Wir brauchen dafür die Zustimmung des Landes“, erklärt der Dezernent. Ein weiterer wunder Punkt: Inwiefern das Schülerfreizeitticket ins Ilse-Rufbus-System integriert werden kann, müsse erst geprüft werden.

Angesichts dieser offenen Fragen konnten einige Abgeordnete ihre Unzufriedenheit auch nicht verbergen. „Ich freue mich, dass es jetzt bei diesem Thema vorangeht, sehe aber noch einige Schwachstellen“, sagt SPD-Mann Erik von Malottki. Für ihn sei beispielsweise nicht ersichtlich, ob das Angebot für die Schüler mit der Nutzung des Tickets am Nachmittag überhaupt wachse.

Axel Hochschild (CDU) moniert zudem, dass im Dokument mit keinem Wort erwähnt werde, dass das Ticket für Schüler acht Euro kosten soll. Und für Waldemar Okon (Grüne) bleibt unverständlich, warum der Kreis für diese Offerte laut Vorlage 95000 Euro pro Jahr zuschießen müsse. Zumal die Zahl der Nutzer mit 16685 eine reine Schätzung sei. Aufgrund des Tickets fahren keine zusätzlichen Busse. „Sie fahren so oder so – ob fünf Schüler mehr oder weniger einsteigen“, sagt er. Dem widerspricht Hasselmann: Für private Anbieter sei es durchaus relevant, wie viele Fahrgäste mitreisen. Sie stellten dem Kreis die Kosten in Rechnung.

Kostenfreie Beförderung mit Fragezeichen

Noch mehr Fragen warf die zweite Beschlussvorlage bei den Mitgliedern der beiden Fachgremien zu dem Thema auf: das Angebot eines „kreisweiten und kostenfreien Tickets für Schüler und Auszubildende“. Klingt nach viel, bedeutet wenig. Hier geht es ganz allein um die Beförderung zur Schule, die der Kreis in einer Satzung geregelt hat. Um das Ergebnis der Diskussion vorwegzunehmen: Künftig soll die in § 3 geregelte Kilometerbegrenzung wegfallen. Sie beinhaltet zurzeit noch, dass der Kreis für die Beförderung erst ab einem Fußweg von zwei Kilometern für Schüler bis zur Jahrgangsstufe 6 und vier Kilometern für Schüler ab Jahrgangsstufe 7 verantwortlich ist.

Mit dieser Änderung können laut Verwaltung etwa 1500 Schüler mehr kostenfrei den ÖPNV auf der Grundlage des bestehenden Liniennetzes nutzen. „Wobei hauptsächlich Schüler in Städten und in den Seebädern davon einen Vorteil haben“, erklärt Jörg Hasselmann. Der Kreis rechne mit Kosten von rund 670000 Euro. Allerdings: „Diese Vorlage ist gar nicht beschlussreif“, kritisiert Joachim Hauswald (CDU), da es sich um eine freiwillige Leistung des Kreises handele, die der geltenden Konsolidierungsvereinbarung zwischen Kreis und Land widerspreche. Hasselmann räumte deshalb auch ein: „Solange ich keine Genehmigung vom Innenministerium habe, ist dies auch nicht umsetzbar.“ Die Ausschüsse plädierten trotzdem dafür.

Petra Hase

25.01.2019
25.01.2019