Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Schulleiterin geht nach 27 Jahren
Vorpommern Greifswald Schulleiterin geht nach 27 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 16.01.2018
Angela Leddin studierte in Greifswald und hat die Stadt danach nicht verlassen.
Angela Leddin studierte in Greifswald und hat die Stadt danach nicht verlassen. Quelle: Foto: Peter Binder
Anzeige
Greifswald

Sie war eine bildungspolitische Institution in Greifswald: 27 Jahre lang leitete Angela Leddin die Regionalschule „Ernst Moritz Arndt“. Vor wenigen Tagen, zum Jahreswechsel, ging sie in den Ruhestand.

Die gebürtige Usedomerin studierte ab 1972 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Geschichte und Sport. „Greifswald wollte und habe ich nie verlassen“, bekennt sie. Ihre erste Arbeitsstelle war 1976 die Greifswalder Ernst-Thälmann-Oberschule, „die nach der Wende abgerissen wurde“, erzählt sie. In der Wendezeit gab es noch um die 25 Schulen in der Hansestadt, schätzt sie. „Es war eine Zeit der Offenheit, wir waren alle voller Enthusiasmus und wollten Greifswald voranbringen“, erinnert sich Angela Leddin. Damals war noch die Stadt und nicht das Staatliche Schulamt für ihre Schulen verantwortlich. „Bruno Maron und Martin Reinhold waren sehr engagierte Schulräte“, erzählt sie.

Angela Leddin bewarb sich damals um die Leitung der Arndtschule. Aus der Polytechnischen Oberschule der DDR wurde zunächst eine Verbundene Haupt- und Realschule. Leddin wurde zunächst für ein Jahr Chefin. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde die Schulleiterin auf Dauer bestellt. Sport unterrichtete sie seitdem nicht mehr. Zweites Fach der Schulleiterin neben Geschichte war nach der Wende Sozialkunde.

Die ersten Jahre seien eine Zeit der ständigen Veränderungen der Strukturen gewesen, so die 63-Jährige. Mit jedem Ministerwechsel nach jeder Wahl – von Oswald Wutzke zu Steffi Schnoor, von Regine Marquardt zu Hans-Robert Metelmann und so weiter – gab es neue Festlegungen. Der Zeitpunkt des Übergangs zum Gymnasium änderte sich von der fünften zu siebten Klasse und erfolgte mal mit, mal ohne Laufbahnempfehlung, zählt die Schulleiterin Beispiele auf. „Das brachte viel Unruhe zu Lasten des Unterrichts und damit der Schüler mit sich“, schätzt Angela Leddin ein. Heute verlaufe alles ruhiger.

Sie lobt die Stadtoberen. Denn nicht nur die Bildungsdezernenten wie Jürgen Drenckhahn und Ulf Dembski hätten sich immer für die Greifswalder Schulen engagiert und ein offenes Ohr für Probleme gehabt. Wünsche seien nur dann nicht erfüllt worden, wenn es Geld gekostet habe, meint sie mit einem Lächeln.

Lobende Worte gibt es auch für die Eltern. „Die wurden gleich nach der Wende selbstbewusster und beobachteten genau, was an der Schule passiert“, sagt die Schulleiterin im Ruhestand anerkennend. „Wir hatten in meiner Zeit immer einen sehr aktiven und aufgeschlossenen Elternrat.“

Ob etwas in der DDR-Schule besser war? Angela Leddin denkt lange nach und verneint. „Ich finde zum Beispiel das heutige Konzept mit den offenen und gebundenen Angeboten, den Möglichkeiten, sich auszuprobieren, vernünftiger. In die Arbeitsgemeinschaften der DDR sollten dagegen die Schüler eintreten und dort auch bleiben.“ Stringente Vorgaben zur politischen Arbeit wie in der DDR haben aber nach ihren Worten an Schulen nichts zu suchen. Genauso wenig wie die Organisation von Jugendweihen.

Viel Zeit hat Angela Leddin dafür eingesetzt, dass ihre Schüler ihren Weg ins Leben fanden. „Jeder bekam einen Beruf“, freut sie sich. Und Schüler mit leichteren Beeinträchtigungen würden bereits an der Arndtschule lernen, kommt Angela Leddin auf das Zukunftsthema Inklusion zu sprechen. Jede Woche besuche beispielsweise eine Sonderpädagogin aus Güstrow die Arndtschule, um Kinder mit Hörbeeinträchtigungen zu begleiten.

„Inzwischen hat fast jeder begriffen, dass man andere Voraussetzungen braucht, um Schüler mit unterschiedlichen Kompetenzen zu unterrichten. Ein Klassenraum reicht nicht.“ Die Waldorf-, Martin- und Montessorischule hätten vorgemacht, wie es geht. „Bildungsministerin Hesse hat es auf den Punkt gebracht“, sagt Leddin. „Die Inklusion muss langsam angegangen werden.“ Das bringe die Chance, sich Erfahrungen anderer zunutze machen, mit sich.

Mit Blick auf die Debatten an der Universität zum Namenspatron Ernst Moritz Arndt sagt sie von ihrer Schule: „Niemand hat in all in den Jahren, in denen ich Schulleiterin war, die Ablegung des Namens beantragt“, so die Geschichtslehrerin. „Arndtstraße, Arndtschule und Arndtsporthalle gehören zu diesem Viertel.“ Außerdem: Mit einer umstrittenen Persönlichkeit wie Ernst Moritz Arndt könnten sich die Schüler auseinandersetzen, ist Angela Leddin überzeugt.

Eckhard Oberdörfer

16.01.2018
16.01.2018