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Greifswald Schwalbe, Spatz und Star beim Simson-Treffen in Dersekow
Vorpommern Greifswald Schwalbe, Spatz und Star beim Simson-Treffen in Dersekow
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16:11 16.08.2019
Torsten Lewandowski auf seinem „Star“ aus dem Jahr 1970 Quelle: Anne Ziebarth
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Dersekow

Ihre Maschinen heißen „Sperber“, „Spatz“ oder „Star“ – und ihr Ziel ist Dersekow. Am Sonnabend kommen bis zu 500 Simsonfans mit ihren Mopeds auf dem Sportplatz zusammen, um die Suhler Kultmarke zu feiern. Rund sechs Millionen Zweiräder verschiedener Bauweise soll das Unternehmen Simson bis zur Wende produziert haben, wohl jeder Mensch, der in der DDR aufgewachsen ist, hatte mal Kontakt mit den robusten Mopeds. Und die Zweiräder haben überall in Mecklenburg-Vorpommern ihre Fans. Im Simson Club Dersekow zum Beispiel, der bereits vor 16 Jahren gegründet wurde und dessen Logo sogar auf dem Vereinshaus des Dersekower SV prangt.

Am Wochenende treffen sich Simsonfans auf dem Dersekower Sportplatz. Es werden rund 500 Fahrzeuge erwartet. Hier einige Simson-Fotos aus dem OZ-Archiv

Garagen sind Treffpunkt zum Schrauben

Begonnen hat alles in der Garage von Torsten Lewandowski. „Simsons begleiten mich seit meiner Jugend, es gab immer etwas zu schrauben“, erzählt der 45-Jährige. „Dann kamen andere Leute mit ihren Simsons vorbei, gemeinsam macht es ja mehr Spaß.“ Schnell bekam der Garagentreff Zulauf. „Aus sechs Mann wurde eine 32 Mitglieder starke Truppe heute, mittlerweile nutzen wir drei Garagen.“ Auch Frauen seien dabei, merkt Ines Belling an. „Ich denke, das Verhältnis ist fast Hälfte-Hälfte.“ In jedem Fall deutlich höher als das in Motorradclubs zum Beispiel. Woher das kommt? Ines Belling überlegt. „Vielleicht gibt es einfach eine besondere Bindung zwischen Frauen und ihrem Moped?“, sagt sie. „Immerhin war die ‚Schwalbe‘ ja auch ein Modell für Frauen.“

Vogelreihe ist bei den Dersekowern „komplett“

Die „Schwalbe“ ist wohl das bekannteste Simson-Moped – der flinke Flitzer kam in den 1960er Jahren auf den Markt und bildete den Start der sogenannten „Simson-Vogelreihe“. „Es gibt noch den ‚Spatz‘, den ‚Star‘ und den ‚Habicht‘“, erzählt Torsten Lewandowski. „Und den ‚Sperber‘. Aber für den brauchte man bereits damals einen Motorradführerschein.“ Die Vogelreihe ist im Simsonclub Dersekow „natürlich komplett“ vertreten, immerhin kommen die Vereinsmitglieder gemeinsam bereits auf weit über 50 Fahrzeuge. Beim Treffen gibt es aber auch echte Raritäten zu bestaunen, wie zum Beispiel das erste Simsonmodell, die S1 aus dem Jahre 1957, oder die SR2. Allen Mopeds ist eines gemeinsam: Es steckt eine Menge Arbeit und Tüftelei drin. „In der Regel sind die Mopeds kleine Schrotthaufen, wenn man sie bekommt“, sagt Ines Belling (43). „Kaum eines ist fahrtüchtig.“ Doch das Reparieren sei ja auch Teil des Vergnügens: „Der Augenblick, wenn das Moped dann anspringt, ist ein absoluter Gänsehautmoment.“

Auseinandernehmen und Zusammenbauen kein Problem

Dass man die Räder überhaupt noch selbst reparieren kann, sei neben dem einmaligen Fahrgefühl einer der ganz großen Vorteile der Simsons. „Eine Simson kann man einmal komplett auseinandernehmen und wieder zusammensetzen“, sagt er. „Das ist bei modernen Fabrikaten nicht mehr möglich.“ So könne man sich das Moped auch genau so zusammenstellen, wie man möchte. Dabei geht es den Dersekowern nicht um Motortuning, sondern vor allem um das Herstellen des Originalzustands. „Die meisten Originalteile bekommt man problemlos im Internet“, sagt Lewandowski. „Nur bei den Lackfarben muss man sich die entsprechenden Farbtöne neu anmischen lassen.“

Gut restaurierte Simsons sind kleine Wertanlagen

Wie weit die Liebe zu Originalteilen gehen kann, beweist Torsten Lewandowski. Für ein Moped waren keine Muttern mehr erhältlich. „Ich habe alle abgenommen, abgestrahlt und neu verzinkt“, berichtet er. „Das ist zwar viel Aufwand und auch nicht umsonst, aber der Experte sieht das sofort.“ Dabei werden viele der Modelle zu kleinen oder größeren Wertanlagen: „Es gibt restaurierte Simsons, die mittlerweile über 5000 Euro wert sind“, erzählt er. „Der Markt wird kleiner, die Preise ziehen an.“ Die Nachfrage der Kultmodelle sei groß wie nie – insbesondere jüngere Leute würden sich immer mehr für die Mopeds interessieren. Doch die Suche nach einer Einsteiger-Simson ist nicht mehr ganz einfach.

Kleine Wertanlagen

Defekte Simsons aus „Scheunenfunden“ oder Entrümpelungen hätten früher mal um die 200 Euro gekostet, heute könne man gut und gerne das Doppelte dafür einplanen. Trotzdem lohne es sich, immer mal wieder im Internet oder in Kleinanzeigen zu stöbern. „Gerade im Raum rund um Suhl/Chemnitz gibt es häufiger noch Schnäppchen“, so Lewandowski. Wer sich aber erst mal ein Bild über die Simsons machen will, ist am Sonnabend ab 10 Uhr auf dem Sportplatz herzlich willkommen. Es werden auch Simsongruppen aus der Region erwartet. „Ich hoffe, dass wieder ein Paar Simsons dabei sind, die ich noch nicht kenne“, so Lewandowski. „Vor zwei Jahren hatten wir sogar drei S1 hier. Das war ein schöner Anblick.“

Dersekower Simsontreffen

Am Sonnabend ab 10 Uhr findet auf dem Sportplatz in Dersekow das 3. Simsontreffen statt. Es werden bis zu 500 Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen erwartet, zwischen 14 Uhr und 15.30 Uhr findet eine große Ausfahrt statt. Doch nicht nur Fachsimpeln und Staunen stehen auf dem Programm, es wird einen knallharten Spaß-Wettbewerb geben, bei dem sich die Teilnehmer in einem Quiz, beim Mini-Fahrradfahren oder beim Motorheben beweisen müssen. Auch die schönsten Modelle werden prämiert. Hier gibt es Pokale für das beste Original und den besten Umbau. Abends gibt es Party mit DJ Robert und einem Überraschungsgast.

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Autorin:https://www.ostsee-zeitung.de/Mehr/OZ-Redaktion/Autorenportrait-OZ

Von Anne Ziebarth

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