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Greifswald Schwedische Stararchitekten mit pommerschen Wurzeln
Vorpommern Greifswald Schwedische Stararchitekten mit pommerschen Wurzeln
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14:12 07.09.2019
Schloss Drottningholm gehört zum Weltkulturerbe Quelle: Andrea Schleinert
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Stralsund

Während seines diesjährigen Stockholmaufenthalts hat es der Autor endlich geschafft, Schloss Drottningholm am südwestlichen Stadtrand der schwedischen Hauptstadt zu besuchen. Das „schwedische Versailles“, dessen Gebäude hauptsächlich aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen, ist zum Teil öffentlich zugänglich, zum Teil dient es der königlichen Familie seit 1981 als Wohnsitz. Es war das erste Objekt in Schweden, das in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Das erste Schloss ließ König Johann III. 1580 für seine aus Polen stammende Ehefrau errichten und nannte es und die Insel im Mälarsee, auf der es steht, Drottningholm (Königininsel). Die Geschichte des jetzigen Gebäudes begann 1661. In diesem Jahr kaufte die Königin Hedwig Eleonora, Witwe des im Jahr zuvor verstorbenen Königs Karl X. Gustav und Mutter des Thronfolgers Karl XI., die Anlage, die aber noch im selben Jahr abbrannte. Sie beauftragte den Architekten Nicodemus Tessin d. Ä. mit dem Bau eines neuen Schlosses, das nach französischen Vorbildern im Barockstil errichtet werden sollte.

Nicodemus Tessin der Jüngere, 1654–1728 (Georg Desmarées zugeschrieben) Quelle: Foto Nationalmuseum

Tessin war gebürtiger Stralsunder. 1615 hatte er in der Stadt am Sund das Licht der Welt erblickt. Im Dreißigjährigen Krieg ging er wie viele Deutsche in die Dienste der neuen Ostseegroßmacht Schweden und machte dort zunächst als Fortifikationsoffizier Karriere. Er muss sehr talentiert gewesen sein, denn bald wurden die mächtigsten Männern des nordischen Reichs auf ihn aufmerksam und ließen ihn ihre repräsentativen Bauten planen und errichten. Zu den Auftraggebern gehörten unter anderem der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna, aber auch der Feldmarschall Karl Gustav Wrangel, der nach dem Krieg viele Jahre Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern war. Für letzteren baute er zum Beispiel in Schweden das Schloss Skokloster und das Wrangelsche Palais in Stockholm, das heute dem „Svea Hofrätten“, ursprünglich das höchste Gericht in Schweden, heute zuständiges Obergericht für mehrere Verwaltungsbezirke in Mittelschweden. Aber auch in seiner Heimatstadt Stralsund hatte Tessin d. Ä. seine Wirksamkeit entfaltet. Für Wrangel baute er das Wrangelsche Palais in der Heilgeiststraße, das dem Bombenangriff am 6. Oktober 1944 zum Opfer fiel.

Nach Tessins Tod übernahm sein gleichnamiger, schon in Schweden geborener Sohn Nicodemus Tessin d. J., der ebenfalls Architekt war, den weiteren Bau von Drottningholm. Aber er sollte bald noch einen größeren Auftrag bekommen. 1697 brannte das alte Königsschloss Tre Kronor (Drei Kronen) auf der Stockholmer Altstadtinsel Stadsholmen (Stadtinsel) ab. Mit dem Entwurf und der Bauleitung des Neubaus wurde Tessin d. J. beauftragt. Wegen des im Jahr 1700 ausgebrochenen Großen Nordischen Krieges, der Schweden schließlich seine Großmachtstellung kostete, wurden die Bauarbeiten 1709 eingestellt und erst 1727 wieder aufgenommen. Im Jahr darauf starb Tessin d. J. und die Bauleitung ging auf Carl Hårlemann über. Aber erst 1754 zogen König Adolf Friedrich und Königin Louise Ulrike, eine Schwester Friedrichs des Großen von Preußen, ein. Der Innenausbau zog sich noch bis in die Regierungszeit ihres Sohns Gustav III. in den 1770er-Jahren hin.

Einer der Favoriten Königin Louise Ulrikes war übrigens Carl Gustav von Tessin, der Sohn von Nicodemus Tessin d. J., Politiker und eine schillernde Figur im Kulturleben im Schweden des 18. Jahrhunderts, wenn man das so bezeichnen will. Mit ihm starb aber 1770 das inzwischen in den Grafenstand erhobene adlige Geschlecht der von Tessin schon wieder aus. Carl Gustav von Tessin wurde 1695 bereits in dem von seinem Vater als Wohnsitz für die Familie errichteten Tessinschen Palais (Tessinska Palatset) in der Stockholmer Altstadt geboren. Heute hat dort der Landshövding för Stockholms län, was man wohl am besten mit „Regierungspräsident“ übersetzt, seinen Amtssitz.

Wenn die Vorpommern die Residenzen ihrer Landesherren des 18. Jahrhunderts besuchen wollen, fahren sie mitnichten nach Schwerin und Ludwigslust, sondern nach Stockholm, Berlin und Potsdam, denn die Landstriche südlich der Peene gehörten schon seit 1713 beziehungsweise 1720 zum Königreich Preußen.

Von Dirk Schleinert

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