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Greifswald Seit 38 Jahren Wahlhelfer aus Leidenschaft
Vorpommern Greifswald Seit 38 Jahren Wahlhelfer aus Leidenschaft
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01:08 17.04.2018
Horst-Dieter Wedel erhält eine Urkunde und eine Anstecknadel von Landrätin Barbara Syrbe und vom Kreis-Wahlleiter Kurt Rabe (v.l.). Quelle: Foto: Peter Binder
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Greifswald

Doppelt hält besser. Das trifft im Fall von Horst-Dieter Wedel wohl allemal zu. Denn der 78-Jährige wurde am Dienstag für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Wahlhelfer geehrt – versehentlich zum zweiten Mal. Im vergangenen April erhielt er bereits eine Auszeichnung in Berlin. Dort händigte der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) dem engagierten Wahlhelfer eine Urkunde und eine Anstecknadel aus. Nun gratulierte auch Vorpommern-Greifswalds Noch-Landrätin Barbara Syrbe (Die Linke) dem Ehrenamtler und dankte ihm sein Engagement mit der selben Urkunde und der selben Anstecknadel. Wie es zu der irrtümlichen Doppelehrung kommen konnte, wussten weder Syrbe noch der Ehrenamtler.

Auch wenn sich Wedel über die zweifache Auszeichnung freute: Viel wichtiger als Anstecker und Urkunden ist ihm sein Ehrenamt als Wahlvorsteher. Seit 1990 stehen die Wahlsonntage als fester Termin in seinem Kalender. Noch nie war er sonntags krank, wenn Wahlen waren. Nur ein einziges Mal musste er absagen: „Das war bei der letzten Landratswahl vor sieben Jahren. Da konnte ich nicht wegen eines wichtigen Familientreffens“, so der Großvater von drei Enkelkindern.

Egal ob Europaparlament oder Bürgermeisterwahl – wann immer die Bürger zur Urne gerufen werden, ist Wedel als Wahlvorsteher aktiv. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört die Einwohnerliste zu sichten, die anderen Helfer einzuteilen oder die Urnen zusammen mit dem Wahlvorstand aufzustellen. „Dann melde ich natürlich auch noch die Wahlergebnisse“, so Wedel. Als ehemaliger Bürgermeister der 505 Einwohner großen Gemeinde Sarnow bei Anklam sieht er es als seine Pflicht an, an der Durchführung von Wahlen mitzuwirken. „Ich mache das noch solange, wie ich stehen und denken kann“, so der Rentner. An einem typischen Wahltag ist Wedel immer spätestens um 7.30 Uhr im Wahllokal. Der erste große Schwung von Wählern komme nach dem Frühstück zwischen 11 und 13 Uhr, berichtet er. Über den Mittag werde es dann ruhiger. „Gegen 15 Uhr kommt dann der nächste große Ansturm“, weiß Wedel aus Erfahrung. Weil in zwei Schichten gearbeitet wird, kommen alle Wahlhelfer um 17.30 Uhr wieder zusammen. Um Punkt 18 Uhr wird dann ausgezählt.

Einmal, so erzählt Wedel, kam es bei der Aufzählung zu Unstimmigkeiten, als die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) noch aktiv war. „Da wurde beim Auszählen die PDS mit der SPD verwechselt.

Wir mussten drei Mal alle Stimmen auszählen, bis alles seine Richtigkeit hatte. Das hat fast bis Mitternacht gedauert.“ Alles in allem laufe es ruhig an den Wahlsonntagen ab, Langeweile komme aber trotzdem keine auf. Schließlich kenne man sich im Dorf. „Da haben wir dann den ganzen Tag die Möglichkeit, den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Man sieht sich ja nicht jeden Tag“, berichtet Wedel. In diesem Jahr werden er und die anderen Wahlvorsteher des Landkreises auf etwas Neues vorbereitet: auf den Umgang mit Reichsbürgern, also Personen, die die Bundesrepublik nicht als Staat anerkennen. „Wenn diese dann mit ihren selbstgebastelten Ausweisen ankommen, dürften sie natürlich ohne einen gültigen Personalausweis nicht wählen“, sagt Landrätin Syrbe. Sie ist froh, dass es so viele engagierte Wahlhelfer wie Wedel gibt: „Die Demokratie funktioniert ohne Wahlen nicht und Wahlen funktionieren nicht ohne Wahlhelfer.“

Nach den langen Jahren als Wahlhelfer fällt Wedel eines besonders auf: „Es gibt mehr und mehr Briefwähler.“ Das liege an der Bequemlichkeit, ist er sich sicher. Nichts für den passionierten Wahlhelfer. Er wirft seine Stimme natürlich klassischerweise in die Urne.

Helfer für die Landratswahlen gesucht

Wer wird gewählt?

In diesem Jahr wählen die Einwohner des Landkreises Vorpommern-Greifswald einen neuen Landrat.

Wann findet die Wahl statt? Am Sonntag, 27. Mai, sind die Wahlbüros von 8 bis 18 Uhr geöffnet. In der Zeit können Wähler ihre Stimmen abgeben. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, wird diese zwei Wochen später am Sonntag, 10. Juni, stattfinden.

Wer tritt zur Wahl an?

Michael Sack (CDU), Monique Wölk (SPD), Dirk Scheer (parteilos), Axel Gerold (AfD), Ulrike Berger (Grüne), Andreas Suttor und Kai-Uwe Ottenbreit (beide parteilos) treten an.

Wie kann ich Wahlhelfer werden? Freiwillige Helfer können sich direkt an die Ansprechpartner Gunnar Mißling unter der Nummer ☎ 03834 / 8760 1224 und an Marcel Falk (☎

03834 / 8760 1225) wenden und werden an die Gemeindewahlleiter vermittelt.

Was gibt es für die Helfer? Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 21 Euro.

Christin Weikusat

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