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Greifswald Servicemitarbeiter der Bahn sind in Rage
Vorpommern Greifswald Servicemitarbeiter der Bahn sind in Rage
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00:00 19.03.2013
Von Markus Weber
Warnstreik auf dem Bahnhof: Die Servicekr�fte protestierten gegen Tarifungerechtigkeit. Quelle: Fotos: Miriam Weber
Stralsund

Als Eisenbahner zweiter Klasse, so würden sie sich fühlen, sagt Beate Sonnenburg. Die 47-Jährige arbeitet seit 33 Jahren bei der Bahn. Sie gehörte gestern zu denjenigen, die Zeichen setzen und Bewegung in die Tarifverhandlungen für die 130 000 Beschäftigten des Konzerns bringen wollten. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verlangt eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Bahn hatte zuletzt Steigerungen von 2,4 Prozent zum 1. Mai 2013 und weiteren 2,0 Prozent zum 1. April 2014 angeboten.

Doch beim Warnstreik auf dem Stralsunder Bahnhof ging es um viel mehr. „Wir stehen hier, weil wir nicht ungerecht behandelt werden wollen“, so Beate Sonnenburg, die zu den fleißigen Helfern gehört, die die Züge reinigen. Den Servicemitarbeitern sollen von der künftigen Lohnerhöhung für die Beschäftigten der Bahn lediglich 50 Prozent zugestanden werden. „Eine Frechheit“, bringt es Dieter Kagelmacher, Gewerkschaftssekretär der Geschäftsstelle Rostock, auf den Punkt. Es sei ohnehin kaum nachvollziehbar, dass ein Konzern, der im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro Gewinn einfuhr, über eine Lohnerhöhung diskutiere. „Und dann noch diese Ungleichbehandlung für die Leute vom Service.“ Schließlich sei Zugfahrt ein Gemeinschaftsprodukt, redet sich der 56-Jährige in Fahrt.

Jeder Bereich habe seine Aufgaben, ein Rad greift ins andere. Zumal die Bedingungen nicht eben einfach seien. „Wir machen Akkordarbeit“, sagt Fred Kiebel, der ebenfalls für die Reinigung der Züge verantwortlich ist. „Einen IC mit acht bis elf Wagen in einer Stunde. Mit allem, was dazu gehört. Saugen, Toiletten, Wischen.“

„Die Deutsche Bahn möchte zu den Top 10-Arbeitgebern gehören, aber was hier läuft, hat nichts mit Mitarbeiterverbundenheit zu tun. Zusätzlich wird mit solchen Entscheidungen Unfrieden zwischen den Mitarbeitern geschürt“, weiß Betriebsrat und Mitglied des Bundesvorstandes der EVG, Henrik Maiwald. „Deswegen stehen wir heute hier“, so der 55-Jährige, der gestern Nachmittag zur großen Demonstration nach Berlin weiter fuhr.

Unterstützung erfahren die Servicemitarbeiter, die unter anderem auch für Gebäudereinigung oder das Rangieren verantwortlich sind, von Kollegen aus anderen Bereichen. „Ich möchte mich solidarisch zeigen und vor allem motivieren“, meint Ingo Möller von der DB Netz AG, der sich unter die Streikenden mischte.

Die Reisenden bekamen von dem Geschehen kaum etwas mit. „Wir wollten keine Störungen im Zugverkehr, sondern lediglich ein Zeichen in Richtung Arbeitgeber setzen. Die Reisenden sollten nicht die Leidtragenden sein“, erklärt Dieter Kagelmacher. Deswegen seien in der Nacht zunächst nur drei Züge nicht gereinigt worden.

In MV war Stralsund gestern der einzige Streik-Standort. Auch wenn alle hoffen, dass es nicht so weit kommt, sei mit Streikaktionen nach oben hin noch Luft, so Kagelmacher.

Miriam Weber

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