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Greifswald Shoppen, Essen, Kino: Domcenter Greifswald gewinnt Kunden
Vorpommern Greifswald Shoppen, Essen, Kino: Domcenter Greifswald gewinnt Kunden
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15:19 26.07.2019
Hermann Jesske ist mit seinem Bekleidungsgeschäft größter Mieter im Domcenter Greifswald, das 2018 von Rolf Elgeti gekauft wurde. Jesske ist mit dem ersten Geschäftsjahr zufrieden. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Tina Helfenberger hat sich eingedeckt mit neuen Klamotten, zufrieden und satt steht sie vor dem Domcenter. „Ich finde es schön, dass ich nach dem Shoppen noch etwas essen und trinken kann. Das offene Design gefällt mir, hier kaufe ich gerne ein“, sagt die Schweizer Touristin. Alles andere als zufriedene Kunden wären eine Enttäuschung für das Domcenter, das vor rund einem Jahr nach einem Millionen-Umbau neu eröffnet hat. Fazit heute: Der Umbau des Shoppingpalasts hat sich gelohnt.

Investor Elgeti ist mit Geldanlage zufrieden

Investor Rolf Elgeti, Händler und Kunden zeigen sich zufrieden. „Wir schätzen, dass wir im ersten Jahr nach der Neueröffnung und Revitalisierung rund eine Million Besucher im Center hatten. Das entspricht einer Steigerung um rund 70 Prozent zum Jahr 2017“, sagt Hermann Jesske, Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses und Großmieter im Domcenter. Die Zahl ergibt sich aus einer Hochrechnung aus der Anzahl der Verkaufsbons bei Jesske und Anmeldeversuchen im WLAN. Macht rund 600 000 Besucher im Modehaus. „Viele Kunden kaufen auch bei Medimax, Höppner und Tedi. Ich schätze, dass die Gesamtbesucherzahl im Center doppelt so hoch ist“, so Jesske.

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Das Domcenter in Greifswald bekam mit dem Umbau im Jahr 2018 eine neue Fassade. Quelle: Christopher Gottschalk

Rolf Elgeti, dessen Deutsche Konsum Reit AG (DKR) das Domcenter besitzt, sieht sein Geld gut angelegt. „Grundsätzlich weiß man erst beim Verkauf, ob sich die Investition gelohnt hat. Wir haben jedoch nicht vor, das Domcenter zum jetzigen Zeitpunkt zu verkaufen und sind langfristig am Standort interessiert“, sagt Elgeti, der auch als Geldgeber von Hansa Rostock bekannt ist. 8,5 Millionen Euro kostete das Domcenter, damals noch Dompassage, 2016 in einer Zwangsversteigerung.

Umbau des Domcenters kostete zehn Millionen Euro

Die DKR schoss weitere 6,5 Millionen in den Umbau, von den Mietern kamen weitere vier Millionen. Die stickige Passage mit vielen leeren Einzelläden wandelten Bauarbeiter und Architekten um in eine Art Markthalle mit frei begehbaren Flächen. Die Verkaufsfläche im Erdgeschoss nutzen das Schuhhaus Höppner und Jesske, im hinteren Teil verkauft der Supermarkt Nah&Frisch. Das Restaurant Domingo mit Frühstück, Mittagstisch und Cafeteria besuchen täglich rund 600 Gäste, sagt Hermann Jesske. Elektrohandel Medimax und Discounter Tedi teilen sich das erste Obergeschoss zusammen mit weiteren Verkaufsflächen von Jesske. Nicht betroffen vom Umbau war das Kino Cinestar im zweiten Obergeschoss.

Für Elgetis Immobilienunternehmen DRK spielt das Center 1,3 Millionen Euro Miete pro Jahr ein. So steht es im öffentlichen Portfolio mit Stand Ende März. Einer der Mieter ist Holger Lentge, Geschäftsführer von Medimax in Greifswald und Rostock. „So ein modernes Center kenne ich in ganz Deutschland kein zweites Mal. Aber wir bekommen weniger Kunden als erhofft. Das liegt wohl daran, dass nicht sofort sichtbar ist, wo sich welcher Laden befindet. Entwürfe für eine bessere Beschilderung liegen aber bereits in der Schublade.“ Die Nähe zum Kino treibe den Verkauf von Film-DVDs und Musik in die Höhe. Handys, Ladegeräte, Tintenpatronen und „alles, was man unter dem Arm tragen kann“, würden zudem gut gehen.

Touristin bemängelt WC-Anlagen in der ehemaligen Dompassage

Johannes Paul Stabenow aus Greifswald bestätigt das. „Ich gehe häufig ins Kino und kaufe im Medimax ein. Den Nah&Frisch mag ich, weil er nicht so riesig ist wie andere Supermärkte“,sagt der junge Mann. Und der Greifswalder Axel Müller (70) stöbert und isst im Center. „Die gesamte Aufmachung ist besser. Der Eisenkoloss am Eingang sah einfach nicht gut aus. Die Produkte im Erdgeschoss sind leider nicht preiswert, so dass ich dort nicht viel einkaufen kann.“

Ein Eisenkonstrukt prangt über dem Eingang der Dompassage. Sie wurde mit dem Umbau im Jahr 2018 entfernt. Quelle: Peter Binder

Einziger Wermutstropfen sind für die Schweizer Touristin Tina Helfenberger die WCs: „Die Toilettenanlagen sind alt und schmutzig. Alt und sauber wäre ja noch in Ordnung, aber so geht es nicht.“ Für einen Umbau gebe es bereits Pläne, verrät Hermann Jesske. Vorher müssten noch Gespräche mit Rolf Elgeti geführt werden.

Verbessern müsse sich die Sichtbarkeit des Domcenters in der Stadt, sind sich Hermann Jesske und Holger Lentge einig. Dazu gehöre eine Beschilderung im Parkleitsystem, so dass Besucher sofort erkennen, wo das Domcenter ist. „Wir wollen die Besucherfrequenz in den nächsten 2 bis 3 Jahren um 20 bis 30 Prozent steigern“, sagt Jesske. Das Domcenter verliere langsam seinen über die Jahre gewachsenen schlechten Ruf, die Händler müssten geduldig sein, sagt Lentge.

Rund 1500 Quadratmeter sind im obersten Geschoss auf den Flächen der ehemaligen Bowlingbahn noch frei. „Wir sind in Verhandlungen und es sieht gut aus, dass mehrere Unternehmen dort einziehen. Es werden aber keine großen Namen sein“, sagt Rolf Elgeti, der über seine Firma auch das Dienstleistungszentrum in der Hans-Beimler-Straße besitzt.

„Wir sind langfristig am Standort interessiert“, sagt Rolf Elgeti, Investor im Domcenter Greifswald, hier zu sehen bei einem Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG im Januar 2019. Quelle: Julian Stähle

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Christopher Gottschalk