Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Sie leisten erste Hilfe für die Seele
Vorpommern Greifswald Sie leisten erste Hilfe für die Seele
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:00 27.05.2017
Das Notfallbegleitteam Usedom: Eckhard Friedrich, Ingo Mietzner, Bernd Kotsch und Hellmut Koch (v.l.) mit dem Notfallkoffer vor der Heringsdorfer Rettungswache. Zur Gruppe gehören auch noch Karsten Jablonski aus Benz und Klaus Pietler aus Zinnowitz. Quelle: Foto: Henrik Nitzsche
Anzeige
Heringsdorf/Greifswald

Es war der 2. April 2017: Zwischen der Kreuzung Schmollensee und dem Bahnübergang Neu Pudagla überschlug sich am Nachmittag ein Pkw nach einem Überholmanöver. Der Fahrzeugführer verstarb, mehrere Insassen wurden schwer verletzt. Kurz danach klingelte bei Hellmut Koch aus Ahlbeck das Telefon. „Die Leitstelle informierte über den tödlichen Unfall. Eine Zeugin, die alles mit angesehen hat, musste betreut werden“, erzählt der 69-Jährige über seinen Einsatz als Notfallbegleiter und bleibt dabei ganz ruhig. „Sie hat mir den Unfall geschildert und sich alles von der Seele geredet“, sagt Koch, der früher Pastor war.

In MV gibt es 138 ehrenamtliche Notfallbegleiter / Im Landkreis sind vier Teams unterwegs – elf Ehrenamtliche sind es in Greifswald

Unter dem Dach der Johanniter Unfallhilfe arbeiten im Landkreis vier ehrenamtliche Teams als Notfallbegleiter: Sie sind auf der Insel Usedom, im Bereich Uecker-Randow, rund um Anklam und in Greifswald samt umliegender Orte aktiv. „Wir sind zu sechst“, sagt Gruppenleiter Bernd Kotsch. In Greifswald umfasst das Team elf Mitglieder. Im Land sind es 138 Notfallbegleiter, die Todesnachrichten überbringen, in schweren Stunden unterstützen oder einfach nur da sind und zuhören.

Anzeige

Seit 2012 haben sie mit Heiko Fischer von der Landeszentralstelle Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) einen hauptamtlichen Ansprechpartner. Nach dem schweren Einsatz der Feuerwehrleute und Rettungskräfte nach der Unfallkatastrophe auf der Autobahn bei Rostock im April 2011 mit acht Toten und über 130 Verletzten beschloss das Schweriner Kabinett, die bestehende Landeszentralstelle PSNV innerhalb der Universitätsmedizin Greifswald auszubauen und dauerhaft zu finanzieren. Sie ermöglicht nun, die Notfallbegleiter auch fundiert auszubilden.

Vor Ort sind sie nämlich allein. Mit ihren roten Jacken von der Johanniter Unfallhilfe werden sie als Einsatzkräfte wahrgenommen. „Wir werden von der Rettungsleitstelle aktiviert“, sagt Rainer Laudan, ein erfahrener Notfallbelgeiter und Gruppenleiter in Greifswald. An die 30 Mal im Jahr werden die Greifswalder alarmiert. Um die 20 Mal sind es bei den Usedomern. Manchmal seien es tödliche Unfälle wie der kurz vor Ostern nahe Wusterhusen, als Vater und Sohn, beides Feuerwehrleute, ums Leben kamen. Oder jener furchtbare Unfall im August 2016, bei dem in Groß Kiesow gleich vier Menschen ihr Leben verloren. „Meist aber werden wir gerufen, wenn es einen überraschenden Todesfall in der Häuslichkeit gibt oder ein Suizid vorliegt“, schildert Laudan.

Wichtig sei, Ruhe und Stabilität zu vermitteln, damit sie mit der Situation umzugehen lernen. „Wir helfen, das soziale Netzwerk der Betroffenen zu aktivieren, damit nach unserer Erstbegleitung weitere Hilfe da ist“, sagt Laudan. „Trauer kostet Kraft“, weiß der 63-Jährige aus seiner langjährigen Erfahrung. „Die Menschen stehen in so einer Extremsituation neben sich. Wir begleiten sie in den ersten Stunden und fangen sie auf“, beschreibt der Ahlbecker Kotsch seine Motivation. „Zwischen Juni und Oktober sind wir am häufigsten unterwegs. Da sind auch die meisten Touristen hier“, sagt Ingo Mietzner, Küster in Heringsdorf.

Notfallbegleiter geben bewusst nach einem Einsatz ihre Adresse nicht preis, wie Eckhard Friedrich aus Gothen erzählt. Der 57-Jährige ist Küster und Friedhofsgärtner in Ahlbeck und ein „Mann der ersten Stunde“. Ende der 90er Jahre war er mit dem damaligen Morgenitzer Pastor Friedrich von Kymmel als Beistand unterwegs. „Es gibt danach kaum noch Kontakt. So können wir auch abschließen“, meint Friedrich zum Thema Bewältigung. „Man merkt schon vor Ort, dass wir eine große Hilfe waren.“

Wer sich als ehrenamtlicher Notfallbegleiter engagieren will, kann sich bei Rainer Laudan oder Bernd Kotsch melden: ☎ 0172/9796959 oder 038378/497339.

Vier Teams im Kreis Vorpommern-Greifswald

138Notfallbegleiter gibt es in MV, die in 16 Teams unterwegs sind. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind es vier Gruppen – Greifswald, Anklam, Usedom, Uecker-Randow. Träger der einzelnen Gruppen sind die Johanniter Unfallhilfe, die Kirche, das DRK, ASB und ein eingetragener Verein.Die Ausbildung der Notfallbegleiter, die sich an den Richtlinien des Landesbeirates Notfallbegleitung M-V orientiert, erfolgt in der Landesfeuerwehrschule Malchow. Es werden zwei Blöcke, jeweils vier und fünf Tage, angeboten, beispielsweise zu den Themen Gesprächsführung, Trauer, Sterben und Tod sowie Einsatzorganisation.

Kriterien: Gesucht werden Menschen, die gefestigt im Leben stehen, mit Stress und Belastungssituationen umgehen können. Sie sollten mindestens 25 Jahre alt sein, einen Führerschein und Pkw haben.

Angeboten werden Notfallbegleitung, Notfallseelsorge und Einsatznachsorge für Einsatzkräfte. www.psnv-mv.de

Cornelia Meerkatz und Henrik Nitzsche

In der Kita „Lütt Matten“ wird nicht nur gespielt, sondern auch die niederdeutsche Sprache erlernt

27.05.2017

Redaktions-Telefon: 03 834 / 793 687, Fax: - 684 E-Mail: lokalredaktion.greifswald@ostsee-zeitung.de Sie erreichen unsere Redaktion: ...

27.05.2017

Dienstwaffe, Munition und Handschellen gestohlen - in Altentreptow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wurde bei einem Polizeibeamten eingebrochen.

26.05.2017