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Greifswald Simson-Fans knattern durch Dersekow
Vorpommern Greifswald Simson-Fans knattern durch Dersekow
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00:00 24.07.2017
Mit einem Trabant an der Spitze begab sich die erste Gruppe der Mopedfahrer vom Dersekower Sportplatz aus auf die Ausfahrt nach Loitz und zurück über Kandelin.
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Dersekow

Am Sonnabend knatterte und roch es in Dersekow wie zu DDR-Zeiten. Es war zwar auch ein Trabant unterwegs, vor allem waren es aber Mopeds, die sich vom Sportplatz in Gruppen auf den Weg Richtung Loitz über Klein Zastrow und zurück über Kandelin machten.

Verein organisiert Oldtimer-Treffen / 200 Mopedfahrer dabei

Denn Moped-Oldtimer sind offenbar genauso beliebt wie alte Autos. Der Fahrzeugbau der DDR spielt dabei eine wichtige Rolle. Etwa 200 Fahrzeuge kamen am Sonnabend zum zweiten Simson-Treffen auf den Dersekower Sportplatz. In dem Dorf wird das Andenken der Marke aus dem thüringischen Suhl intensiv gepflegt. 200 Mopedfahrer kamen, das waren noch einmal 50 mehr als beim Auftakt im vergangenen Jahr. Mit DDR- und FDJ-Fahnen wurde auf dem Sportplatz für ein ostalgisches Ambiente gesorgt.

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„Es sind sogar Rostocker darunter“, freut sich der Greifswalder Sebastian Jochens (31). Er fährt eine Schwalbe, die immerhin rund eine Million Mal gebaut wurde. Ein echtes Stück Mopedgeschichte. Der Vereinsvorsitzende Torsten Lewandowski ist mit seinen 44 Jahren nicht nur der Vorsitzende des 2010 gegründeten Simson-Vereins in Dersekow, sondern auch der Senior. „Ich bin mit den DDR-Mopeds groß

geworden“, erzählt er. Der Fliesenleger erwarb mit 14 den Mopedführerschein. 2016 kam er mit einem Star und einem Habicht aus der Vogelserie zum Treffen. In diesem Jahr brachte Lewandowski auch das wohl älteste Fahrzeug mit: einen 60 Jahre SR1. So hieß das erste DDR-Moped. Es wurde nur von 1955 bis 1957 im VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson produziert. Heute ein echtes Sammlerstück. „Ich habe etwa 3000 Euro für den kompletten Neuaufbau bezahlt.“ Das dürfte etwa das Sechsfache des Preises in Deutscher Mark der Deutschen Notenbank sein, wie die Währung der DDR damals hieß. Dass die Mopeds inklusive der Motoren aus Originalteilen bestehen, verstehe sich von selbst, meint Lewandowski. „Dazu gehören die 14er Muttern, die es heute gar nicht mehr gibt.“ Der große Vorzug der Maschinen aus DDR-Produktion? „Da ist noch alles aus Blech“, sagt Lewandowski. Die Westmopeds bestünden großteils aus Plastteilen. Wenn die Maschine streikt und die Mopedfans nicht mehr weiter wissen, dann wenden sie sich an Enrico Parl. „Das ist ein richtiger Schrauber“, sagt Pressesprecher Tom Below (28). Er ist von Beruf Fahrlehrer.

Julia Bahls hat zwar nicht bei ihm dem Führerschein erworben, schwört aber auch schon auf Simson-Technik. Die 16-Jährige ist das Jüngste der 27 Vereinsmitglieder. Ihr hilft auch der Papa, wenn der Motor streikt. Denn Mopedfahren hat in der Familie Tradition.

Julia fährt einen SR50 aus dem Wendejahr 1989. „Das Fahren mit diesem Moped macht echt Spaß“, sagt sie. „Ich fahre damit auch zur Lehre und möchte mein Moped nicht mehr missen.“ Julia will Medizinische Fachassistentin werden.

Das Simson-Treffen ist der Höhepunkt im Dersekower Vereinsleben. Auf dem Sportplatz wurde ein richtiges kleines Volksfest organisiert. „Wir haben Unterstützer und versuchen, keinen Verlust zu machen.“

Vespa der DDR

Die Schwalbe war der beliebteste Roller der DDR. Der im thüringischen Suhl gefertigte Motorroller ist so etwas wie der Ostentwurf zur italienischen Vespa. Mit mehr als einer Million produzierten Fahrzeugen war sie außerordentlich stark in Ostdeutschland verbreitet und ist noch heute Bestandteil des Straßenbildes.

Einen gewissen Kultstatus erlangte sie bereits damals durch den Fernsehfilm „Schwester Agnes“ von 1975. Nach 1990 entwickelte sich die Schwalbe zunächst im Westen zu einem Kultfahrzeug, noch heute befinden sich die meisten Schwalbe-Fanclubs in Westdeutschland.

Eckhard Oberdörfer

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