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Greifswald Skurriles aus dem Fundbüro
Vorpommern Greifswald Skurriles aus dem Fundbüro
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16:12 28.03.2018
Angela Flatt arbeitet seit 21 Jahren im Greifswalder Fundbüro und hat schon so manch Skurriles entgegegen genommen.
Angela Flatt arbeitet seit 21 Jahren im Greifswalder Fundbüro und hat schon so manch Skurriles entgegegen genommen. Quelle: Christin Weikusat
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Greifswald

Greifswald. „Schatz, wo ist dein Ehering?“ Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Eine könnte sein, dass Schatz diesen in der Ostsee verloren hat. Denn tatsächlich landet auch so manches Schmuckstück auf dem Schreibtisch der Fundbüromitarbeiterin Mary Niechotz. Doch das ist noch längst nicht das Skurrilste, das in den Fundbüros in Vorpommern abgegeben wurde.

Sechs Kinder ohne Kinderwagen?Seit 21 Jahren arbeitet die 59-Jährige Angela Flatt im Greifswalder Fundbüro. In der Zeit nahm sie über 5400 verloren gegangene Stücke entgegen. Bei einem Gegenstand muss die Mitarbeiterin heute noch schmunzeln: Im vergangenen September wurde ein Sechssitzer-Kinderwagen abgegeben, den Bundespolizisten am Südbahnhof fanden. Dass so ein großes Teil „verloren“ gehen kann, wundert Flatt noch heute. Es begann eine monatelange Suche nach den Besitzern. Nach etwa einem halben Jahr sollte der Wagen an eine Kindertagesstätte oder an eine Tagesmutter verschenkt werden. Doch dann meldete sich kurz vor Ablauffrist eine Greifswalder Kita. Wie es möglich war, dass der Sechssitzer abhanden kam, dazu konnte die Erzieherin keine Angaben machen. An eine Geschichte erinnert sich Flatt, dessen weiteste Anfrage aus Holland kam, noch heute gern. Vor einigen Jahren wurden 4800 DM bei ihr abgegeben: „Zwei Jungs hatten den Umschlag mit dem Geld auf dem Parkplatz bei Lidl in der Gützkower Straße gefunden.“ Der Besitzer meldete sich sofort. Ein Mitarbeiter einer Baufirma verlor das Geld, das für den Einkauf von Material gedacht war, als er in sein Auto einstieg. Für die Jungs gab’s als Finderlohn von dem Eigentümer ein Fahrrad.

Der Besitzer der Axt möge sich bitte melden!Dass häufig Schlüssel, Geldbörsen oder Handys in den Fundbüros landen, ist nicht ungewöhnlich. Dass manche Menschen ihre Axt verlieren, darüber wunderte sich auch Peter Koslik, Pressesprecher der Stadt Stralsund. Dabei ist die Axt noch nicht einmal der skurrilste Fund der letzten Jahre. „Bei uns wurde auch ein Boot als gefunden gemeldet“, so Koslik. Er schätzt, dass es durch einen Sturm von Richtung Rügen in die Hansestadt angespült wurde. Aktuell befindet sich das Boot noch bei dem Finder. „Sollte der Eigentümer das innerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten nicht abholen und der Finder kein Rückgabeanspruch geltend machen, wird es versteigert“, so Koslik. Im vergangenen Jahr wurden etwa 200 Gegenstände im Stralsunder Fundbüro abgegeben. Die Sachen, die nicht zu ihren Besitzern zurück finden, werden versteigert. Wann es die nächste Versteigerung geben wird, kann Koslik noch nicht sagen. Allerdings wird dann auch ein Musikinstrument unter’m Hammer landen. Denn aktuell befindet sich auch eine E-Gitarre in den Räumen des Fundbüros: „Der Eigentümer hat sich nicht gemeldet“, so Koslik.

Wellenreiten ohne SurfbrettDie Insel Usedom ist perfekt für Wassersportarten wie Surfen. Wie sich der Besitzer eines Surfbrettes wohl gefühlt hat, als er merkte, dass seins weg ist? Das wird wohl nur er wissen. Das Brett landete im Fundbüro Usedom Süd. Bei Mary Niechotz, Fundbüromitarbeiterin und Leiterin des Bürgeramtes Koserow, werden neben den üblichen Sachen wie Ausweisen und Geldbörsen vor allem Eheringe abgegeben: „Wenn die erst einmal in der Ostsee landen, sind sie weg“, sagt die 62-Jährige. Sie selbst hat auch mal einen Ring gefunden: „Den hab ich natürlich bei mir als gefunden gemeldet“, so Niechotz, die in wenigen Monaten in Rente geht. Viele Anfragen kommen von Touristen: „Hauptsächlich aus Polen.“ Die meisten Fundsachen werden in den Sommermonaten abgegeben: „Da ist hier Hochsaison.“

Insulinspritze und Co. Diesen Hochbetrieb kennt auch Martin Redemacher. Seit 2012 arbeitet der 29-Jährige im Fundbüro in Binz auf Rügen. Etwa 200 bis 250 Fundstücke werden im Jahr bei ihm abgegeben. Gebisse und Hörgeräte sind für Rademacher längst keine Besonderheit mehr. Nur über eine Insulinspritze hatte er sich schon etwas gewundert. „Am Strand geht das meiste verloren“, so Rademacher. Da kann auch so manches Spielzeug abhanden kommen: „Bei uns wurde auch schon ein Tretroller für Kinder abgegeben“. Rademacher selbst hat mal seinen Schlüssel verloren. Der wurde allerdings in keinem Fundbüro abgegeben.

Christin Weikusat