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Greifswald Vorpommerns kleinstes Hotelzimmer: Übernachten auf fünf Quadratmetern
Vorpommern Greifswald Vorpommerns kleinstes Hotelzimmer: Übernachten auf fünf Quadratmetern
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18:00 21.10.2019
Annika Lemsky und Benedikt Neukirch testeten die "Slubes" am Greifswalder Yachthafen. Ihr Fazit: Klein aber gemütlich. Quelle: Stefanie Ploch
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Greifswald

Ein Hochbett, ein Klapptisch, ein Fernseher: Die Einrichtung des Gästezimmers ist überschaubar. Aber aus einem guten Grund: Es gibt nur fünf Quadratmeter Platz. Die kleinste Übernachtungsmöglichkeit in Greifswald und wohl auch ganz Vorpommerns nennt sich „Slube“ und steht seit kurzem am Yachthafen der Hansestadt. Sechs kleine, sandfarbene Betonklötze stehen auf einer grünen Fläche.

Das Bad wird mit den Bootsanlegern geteilt, eigene Gastronomie gibt es nicht. „Wir wollen besondere Übernachtungen an besonderen Orten ermöglichen“, erklärt Anselm Franz, Geschäftsführer der Firma Veloform, welche die Slubes entwickelt hat. „Es soll ein Erlebnis sein und Spaß machen, aber auch modern sein.“

Und das Konzept kommt an: Seit August läuft die Testphase der Wohntonnen in der Hansestadt. Diese sind nach Angaben des Geschäftsführers gut belegt. Da die Mini-Hotels transportabel sind und meist ohne Fundamente auskommen, können sie temporär installiert oder langfristig genutzt werden. Innerhalb eines Tages war die Anlage am Hafen aufgebaut, bereits am darauffolgenden Tag checkten die ersten Gäste ein, „als hätten die Slubes schon immer dort gestanden“, sagt Franz.

Seit August können Gäste in kleinen Wohntonnen, sogenannte Slubes, übernachten. Auf kleinstem Raum stehen ein Bett, ein Tisch und zwei Hocker zur Verfügung.

„Zum Schlafen ist es allemal ausreichend“

Auch Andrea Körnert aus der Nähe von Berlin übernachtete in der kleinsten Unterkunft Greifswalds. „Wir haben uns die Uni angeschaut. Meine beiden Söhne überlegen, hier zu studieren“, sagt die 43-Jährige. Sie finde die Möglichkeit, auf so engem Raum zu schlafen, sehr interessant – ihr gefalle auch das Tiny-House-Konzept sehr.

Das Minimal-Wohnkonzept, bei dem alle Bereiche einer Wohnung – sprich Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer – auf kleinstem Raum zusammengefügt werden, liegt total im Trend. „Es ist zwar eng in den Slubes, aber auch gemütlich. Zum Schlafen allemal ausreichend“, findet sie. Auch den Preis von knapp 60 Euro für eine Nacht finde sie angemessen, schließlich sei die Einrichtung gehobener als in einer Jugendherberge und die Lage sei ideal. Jedoch seien die Slubes sehr versteckt, die Familie habe eine halbe Stunde danach gesucht.

„Die Zielgruppe unserer Slubes sind eher Gäste mittleren Alters, häufig sind es gestandene Ehepaare“, sagt Anselm Franz. „Wir wollen nicht billig sein, denn dann zieht man auch mal die Leute an, die wir nicht wollen.“ Die Rede ist von Partygästen und Randalierern. Das moderne Konzept wird von moderner Ausstattung begleitet: Man benötigt niemanden an der Rezeption. Alle Funktionen im Slube werden per Internet via SmartHome gesteuert. „Die Gäste können beispielsweise nicht auschecken, wenn das Fenster noch offen ist“, erklärt der Geschäftsführer, dessen Firma bereits seit Jahren ähnliche Türme herstellt, etwa als Eventstände oder für Geldautomaten.

Keine Konkurrenz zu anderen Hotels

Für längere Urlaube sei die Wohntonne am Yachthafen nicht gedacht, die meisten Gäste würden nur eine Nacht dort verbringen. „Wir sind keine Konkurrenz zu anderen Unterkünften in der Stadt“, ist sich Franz sicher. „Unsere Kunden sind meist auf Durchreise und wollen an einem besonderen Ort übernachten.“

Auch Miriam Gedrose, Pressesprecherin der Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern, sieht keinen Konflikt. „Nur etwa zehn Prozent unserer Gäste sind Individualreisende.“ Somit unterscheiden sich die Zielgruppen maßgeblich. Da die Jugendherbergen unter anderem Aufenthaltsräume mit Freizeit-Ausstattung und die Möglichkeit zur Vollverpflegung bieten, müsse der Gast für sich entscheiden, welche am ehesten seinen Bedürfnissen entspricht, meint Gedrose.

Kooperationen mit Einrichtungen vor Ort

Annika Lemsky und Benedikt Neukirch suchen häufiger nach ungewöhnlichen Übernachtungen. Auch sie hat es in die Slubes verschlagen, das Konzept finden sie gut. „Die Anlage ist sehr ordentlich, man hat einen super Blick auf den Ryck und die Schwedenhäuser“, findet Benedikt Neukirch. Im Sommer würde ihnen der Aufenthalt sicher besser gefallen, dann wäre auch der Weg zum Sanitärbereich angenehmer. „Denn es ist schon ein bisschen weit bis dorthin“, meint Annika Lemsky. Sie fand die Übernachtung relativ teuer, durch die super Lage und die hochwertige Ausstattung sei sie aber bereit, so viel zu zahlen. „Für Studenten ist das aber wegen des Preises wohl nichts“, schätzt sie.

Die Flächen, auf denen die Slubes stehen, sind gepachtet, die Anlage besteht auf Zeit. „Wir sind ja mobil, können die Türme schnell von A nach B transportieren“, sagt Veloform-Chef Anselm Franz. Ob es die Slubes auch im nächsten Jahr in der Hansestadt geben wird, weiß er noch nicht. Nur soviel: „Ich habe Lust auf die Region. Es ist ein toller Standort, wir würden gerne länger bleiben.“ Gezielt setzt er auch auf Kooperationen mit Einrichtungen vor Ort. So gibt es beispielsweise keine Gastronomie. „Das Restaurant ,Die Tischlerei’ ist direkt nebenan. Dort können die Gäste dann essen gehen.“ Auch die Reinigung der Slubes werde vom Restaurant übernommen.

An acht Standorten in Deutschland kann man bereits in Slubes übernachten, eine Erweiterung ist geplant. Das große Ziel: Alle 30 Kilometer eine Anlage, damit Fahrradtouristen überall eine Unterkunft haben.

Von Stefanie Ploch

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