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Greifswald So erinnerten Greifswalder an das Schicksal jüdischer Menschen im Zweiten Weltkrieg
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So erinnerten Greifswalder an das Schicksal jüdischer Menschen im Zweiten Weltkrieg

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20:00 14.02.2020
Anlässlich eines Gedenkspaziergangs in Greifswald legt eine Frau in der Kuhstraße auf Stolpersteinen Steine zur Würdigung der Personen ab, an die die Stolpersteine erinnern. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

An die aus Pommern deportierten Juden erinnern heute kaum noch Fotos, ihre Gesichter sind größtenteils vergessen. Ihre Namen leben in Greifswalder Stolpersteinen weiter: Hedwig und Hermann Cohn, deren Sohn im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen ist, die ab 1929 in Berlin lebten und von dort aus in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden; Johanna Joel, die bis Ende 1938 Inhaberin eines Miederwarengeschäfts war und mit 75 Jahren in ein Konzentrationslager gebracht wurde, oder Professor Edmund Forster, ehemaliger Direktor der Nervenklinik in der Ellernholzstraße, der am 11. September 1933 den Freitod wählte. „Wir müssen heute wieder unsere Stimme überall dort erheben, wo Antisemitismus laut wird. In dieser Zeit ist es umso wichtiger, dass wir diese Freiheit nutzen“, appellierte Bernd Magedanz, Pastor der Kirchengemeinde St. Marien, in seiner Andacht.

Neuer Stolperstein im kommenden Jahr

An die ersten Deportationen von Juden aus dem Deutschen Reich in das von den Nazis besetzte Polen, meist aus Stettin nach Lublin, erinnerten am 13. Februar der Arbeitskreis Kirche und Judentum, die Stadt Greifswald und das Literaturzentrum Koeppenhaus. Entlang der insgesamt 27 Greifswalder Stolpersteine – unter anderem in der Kuh-, der Brügg-, der Robert-Blum- und der Langen Straße – fanden Gedenkspaziergänge statt. Im kommenden Jahr solle der 28. Stolperstein vor dem Theater Vorpommern für den Schauspieler Kurt Brüssow verlegt werden, so Christoph Ehricht. Der Pastor im Ruhestand leitete einen der Rundgänge.

35 Greifswalder bei Gedenkspaziergang

Rund 35 hauptsächlich ältere Greifswalder nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. Eine der jüngeren Teilnehmerinnen war die 24-jährige Beyza, Biologiestudentin aus Greifswald, die betont, dass das Erinnern mit Aktionen, wie einem Gedenkspaziergang, verbunden sein müsse. „Man muss miteinander reden bei solchen Veranstaltungen. So kann man eventuell auch Menschen erreichen, die diskriminierende Gedanken in ihren Köpfen tragen.“ Vor dem Braugasthof Fritz am Markt erinnern zwei Steine an die Familie Cohn. Die Teilnehmer der Gedenkspaziergänge stehen vor dem Eingang zum Restaurant, Besucher eilen vorbei ins Warme, ohne stehen zu bleiben.

„Wir sollten uns erinnern“

Dass Pommern 1940 die erste Region im Deutschen Reich werden konnte, aus der Juden deportiert wurden, hätte am Gauleiter Franz Schwede-Coburg gelegen, einem besonders aggressiven Antisemiten, sagte Christoph Ehricht. Zudem war Pommern eine dünn besiedelte Region, in der Protest gegen die Maßnahmen der Nazis mutmaßlich geringer ausgefallen wäre. „Wir sollten uns heute daran erinnern, was wir verloren haben durch die Vernichtung jüdischen Lebens“, so Ehricht.

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Von Christopher Gottschalk

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