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Greifswald 12 000 Bäume im Stadtwald vertrocknet
Vorpommern Greifswald 12 000 Bäume im Stadtwald vertrocknet
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15:29 16.11.2018
Harald Penzler vom Waldkontor Claus Rodenberg arbeitet im Greifswalder Stadtforst. Quelle: Petra Hase
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Greifswald

Für die einen top, für die anderen ein Flop. Der trockene und warme Sommer kommt dem Greifswalder Stadtwald teuer zu stehen – und damit auch der Stadtkasse. „Unsere Douglasienaufforstung ist vollständig vertrocknet. 12 000 Pflanzen auf vier Hektar sind betroffen“, sagt Stadtförster Bent Knoll mit großem Bedauern. Allein auf dieser Fläche rechne er mit einem Schaden von etwa 7000 Euro. „Das ist bitter, man hängt doch irgendwie an jedem Baum. Zumal die Aufforstung vor etwa einem Jahr mit enormen Schwierigkeiten verbunden war“, erklärt er. Die Fläche bei Jarmshagen stand damals unter Wasser, wie anderswo auch nach dem regenreichen Sommer 2017. Eine Knochenarbeit für die Mitarbeiter der beauftragten Lohnunternehmen.

Doch nicht nur die jungen Nadelhölzer sind praktisch hinüber. Auch bei der Eichenaufforstung verzeichnet Knoll Verluste um die zehn bis 15 Prozent. Den genauen finanziellen Schaden könne er noch nicht beziffern. „Ich werde sehen, welche Kraft die Pflanzen im Frühjahr noch entwickeln“, sagt er. Das betreffe ebenso andere Bestände. Über 80 000 junge Bäume wurden in der vergangenen Pflanzsaison auf rund 20 Hektar städtischer Fläche in den Boden gebracht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 140 000 Euro. Deshalb hofft der Stadtförster, dass sich möglichst viele der zarten Pflanzen wieder aufrappeln. Die Weißerlen etwa machten derzeit einen sehr guten Eindruck. Allerdings räumt er auch ein: Andere Forstwirtschaftsbetriebe habe die Trockenheit noch viel schlimmer getroffen. „Es gibt Regionen, die beklagen einen Totalausfall. Wir in Greifswald haben noch Glück, weil unsere Waldflächen relativ nah am Grundwasser liegen“, sagt er.

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Prachtkäfer macht den Eichen zu schaffen

Indes: Der regenarme Sommer war nicht seine einzige Sorge: „In den älteren Eichenkulturen gibt es enorme Wühlmausschäden. Auf 25 Hektar sind zirka fünf Prozent der Pflanzen betroffen, die bereits komplett abgestorben sind“, bedauert Bent Knoll und verdeutlicht: „In dieser Dimension hatte ich das noch nie.“ Hinzu komme die Problematik der Prachtkäfer. Auch wenn der Name etwas Schönes suggeriert: Für die Eichen ist das Insekt verheerend – bei einem Befall haben sie keine Chance, sterben ab.

Stadtförster Bent Knoll Quelle: Petra Hase

Damit nicht genug: Der Borkenkäfer mache sich in den Nadelholzbeständen breit. „Es gibt ein so starkes Angebot an Borkenkäferholz, dass der Holzmarkt völlig eingebrochen ist. Die Preise – im Keller. Sie sind beim Nadelholz um 30 Prozent, beim Laubholz um 20 Prozent gefallen“, berichtet Bent Knoll. Trotzdem müsse er auch in diesem Winter Lohnunternehmen mit dem Holzeinschlag beauftragen: „Der Stadtforst ist ein Wirtschaftsbetrieb, kann nicht nur Geld für Aufforstung ausgeben, sondern muss auch Einnahmen generieren.“

Kahlschlagsgenehmigung für 30 Hektar Eschen

Die Holzernte läuft bereits auf vollen Touren. Beispielsweise im Brooker Wald, wo mit dem Harvester, einer Vollerntemaschine, bis zu 200 Festmeter Holz pro Tag vom Stamm kommt. Wie viel am Ende insgesamt geschlagen werde, sei noch unklar. Im vorigen Winter waren es 7500 Festmeter Eiche, Esche, Buche und Nadelhölzer. Gern würde der Förster die abgestorbenen Eschenbestände aus den Wäldern holen. Die Baumart fiel in den vergangenen Jahren komplett einem Pilz zum Opfer. Der Stadtforst habe für 30 Hektar eine Kahlschlagsgenehmigung. „Doch die Lohnunternehmen sind gut ausgelastet, Fachkräfte knapp“, sagt Knoll, Firmen vertraglich zu binden, seien Glücksmomente.

Dieser Baum ist ein sogenannter Biotop- oder Habitatbaum und wird nicht gefällt. Der Grund: In ihm leben Insekten und mitunter auch Vögel. Quelle: Petra Hase

Klarer sieht er dagegen schon die Aufforstung in den nächsten Wochen. Knolls Ziel: 14 Hektar mit jungen Bäumen bestücken. Im Steffenshagener Forst sollen zum Beispiel auf sechs Hektar 36 000 Eichen in den Boden. „Das ist eine Ausgleichsmaßnahme für das Bebauungsgebiet am Elisenpark“, verdeutlicht der Forstingenieur. Bei Jarmshagen plant er eine weitere Anpflanzung mit Silkafichten, etwa 27 000 Eichen sollen auch bei Sanz und im Dammbruch in den Boden.

Petra Hase

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