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Greifswald Sommerbaustelle Straze: Erste Mieter ziehen ein
Vorpommern Greifswald Sommerbaustelle Straze: Erste Mieter ziehen ein
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00:00 06.08.2018
Meri Tortladze, Anuka Putnaradze, Yuet Lam und Anja Reuhl (v.li.) sind nur einige von rund 50 Helfern, die bei der Sommerbaustelle mitgewirkt haben. Quelle: Fotos: Anne Ziebarth
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Greifswald

Das Äußere der „Straze“ scheint unverändert, wer aber einen Blick in das große Gebäude an der Stralsunder Straße wirft, wird positiv vom Baufortschritt überrascht: Die ersten knapp 26 Männer, Frauen und Kinder sind bereits auf zwei Etagen eingezogen, das Dachgeschoss ist ausgebaut und der Rohbau des Erweiterungsgebäudes im Hof steht.

Fertigstellung des Gebäudekomplexes für 2020 geplant

Seit mehreren Jahren widmet sich der Verein Kultur- und Initiativhaus Greifswald der kompletten Sanierung des ehemaligen rund 2500 Quadratmeter großen Gesellschaftshauses „Greif“. Hier entsteht aber nicht nur kostengünstiger Wohnraum, viel Fläche im öffentlichen Teil des Hauses ist für Vereine und Beratungsgruppen reserviert, auch Werkstätten und eine Gastronomie sowie das Studententheater und ein Filmclub sollen in dem denkmalgeschützten Haus Platz finden. Zu den neuen Mietern gehört zum Beispiel Anita Völlm mit ihren beiden Kindern Anton (10) und Lina (8). „Wir haben drei Zimmer gemietet“, erzählt die 32-Jährige. Und es gefällt uns sehr gut.“ Ihr Sohn Anton nickt. „Vor allem der Garten“, ergänzt er. „Und es ist immer etwas los.“ Am Wochenende machten die beiden zum Beispiel bei einer Siebdruckwerkstatt mit, kreierten T-Shirts und Pappen mit dem Symbol der Straze-Sommerbaustelle: Einem Bagger vor aufgehender Sonne.

An diesem Wochenende ist die diesjährige Sommerbaustelle an der Stralsunder Straße zuende gegangen. Freiwillige Helfer und ausgebildete Handwerker haben in den vergangenen zwei Wochen gemeinsam Wände mit Lehm verputzt, Deckenverkleidungen und Dämmungsmaterial angebracht und das gigantische Bauprojekt, dessen Kosten auf fünf Millionen Euro geschätzt werden, wieder einen großen Schritt vorangebracht. „Wenn alles gut läuft, rechnen wir mit einer Fertigstellung der Straze im Jahr 2020“, erzählt Romy Plonus vom Verein Kultur- und Initiativenhaus. „Ein Schwerpunkt der Arbeiten in den vergangenen Wochen war der Fußbodenaufbau im öffentlichen Teil des Hauses. Ausserdem ging der Ausbau des Dachgeschosses voran, in dem weitere Zimmer zum Wohnen entstehen.“ Dass der Erfolg der Sommerbaustelle so sichtbar ist, liegt an der guten Beteiligung. „In der vergangenen Woche waren es 40 Helferinnen und Helfer auf der Baustelle, davor sogar 60", erzählt Romy Plonus. „Dazu arbeiten die Mitarbeiter der Firma Thomas Bau parallel am Erweiterungsneubau.“

Es sei enorm, was man mit Eigenleistung schaffen könne, erzählt Nadja Tegtmeyer. „Auch das Architekturbüro Tangram, welches das Projekt betreut sei mit den Fortschritten zufrieden. Die 41-Jährige ist eine der drei Bauangestellten des Vereins, die die tägliche Zusammenarbeit von Helfern und Handwerkern organisiert, und beteiligt sich bereits seit 2008 am Projekt. Viele der Helfer haben ihren Jahresurlaub geopfert, um mitzuarbeiten, andere kommen durch internationale Organisationen nach Greifswald. Meri Tortladze zum Beispiel stammt aus Georgien und ist über den Europäischen Freiwilligendienst Turbina Pomerania zum Team gestoßen. „Von Handwerk hatte ich nicht viel Ahnung“, sagt die 25-jährige Mathematikstudentin, während sie die Nivellierung des Fußbodens in einem Dachgeschossraum prüft. „Aber es ist eine tolle Erfahrung und macht richtig Spaß.“

Die sanierten 27 Einzelzimmer im Wohnbereich, die man für eine Kaltmiete von rund sieben Euro pro Quadratmeter anmieten kann, seien allerdings bereits vergeben. Für alle Interessenten sei ein Platz gefunden worden. „Die meisten Mieterinnen und Mieter arbeiten seit langem mit an dem Projekt und engagieren sich auch in den Vereinen, die in der Straze untergebracht werden“, erklärt Romy Plonus. „Sicherlich wird aber immer mal ein Zimmer frei, in so einem Haus ist ja immer Bewegung.“ Das Konzept der Straze sieht vor, den Wohnraum möglichst sozialverträglich zu vermieten, neben den Einzelzimmern stehen auch Gemeinschaftsräume und Spielbereiche für die Kinder zur Verfügung.

Bis zum Jahr 2020 bleibt allerdings noch einiges zu tun. Unter anderem müssen das historische Treppenhaus saniert und ein Fahrstuhl für die Barrierefreiheit eingebaut werden. Und dann wartet auch noch das Herzstück des Gebäudes, der große Saal, auf seine Fertigstellung. „Wir hatten hier mit Hausschwamm zu kämpfen“, erzählt Nadja Tegtmeyer. „Das ist auch den sieben Jahren Leerstand geschuldet.“ Bevor die vom Verein gegründete GmbH das Haus im Jahr 2013 für 400 000 Euro vom damaligen Eigentümer Petruswerk erwerben konnte, hatte das Haus jahrelang leergestanden und war verfallen.

Doch auf der Baustelle will man lieber nach vorne schauen: „Auch, wenn es noch etwas wild aussieht: Das Dach, der Fußboden, das Fundament und große Teile der Wände sind bereits geschafft“, so Nadja Tegtmeyer mit Blick auf den Veranstaltungssaal. „Das ist bereits das größte Stück.“

Baukosten

5 Millionen Euro werden für Sanierung und Erweiterung veranschlagt. Finanziert wird das Projekt Straze über eine Mischung aus Krediten, Fördermitteln, Eigenkapital und Zuwendungen aus Stiftungen. 900 000 Euro konnten allein durch das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gewonnen werden.

Eigentümer ist die Stralsunder Straße 10 GmbH, deren Gesellschafter der Hausverein Strazmie und die Mietshäuser Syndikat GmbH sind. Beide haben ein Vetorecht bei Hausverkauf oder schwerwiegenden Umnutzungen. So soll verhindert werden, dass die Straze zum Spekulationsobjekt wird.

Anne Ziebarth

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