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Greifswald Spendensegen für Frauen in Not
Vorpommern Greifswald Spendensegen für Frauen in Not
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18:42 25.12.2018
Steffi Oppermann (li.), Leiterin des Frauenhauses in Greifswald, freut sich gemeinsam mit den Bewohnern über die tollen Geschenke. Das Geld soll vor allem für die Gestaltung einer Außenterrasse mit einem stabilen Dachüberstand eingesetzt werden. Quelle: Dana Frohbös
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Greifswald

An dem knallgrünen Plüsch-Apfel im Flur kann sie einfach nicht vorbeigehen. Das dreijährige Mädchen schnappt ihn sich sofort und geht gemeinsam mit seiner Mutter in den Besucherraum des Frauenhauses. Denn dort gibt es an diesem Tag Grund zum Feiern: OZ-Leser haben viele Geschenke und Spielsachen gespendet. Zudem können sich Mitarbeiter und Bewohner über eine Geldspende in Höhe von 36 756  Euro freuen, die vor allem in die Umgestaltung des Gartens investiert werden sollen.

„Wir wollen unsere Terrasse pflastern und einen stabilen Dachüberstand bauen lassen, damit wir eine schöne Sitzecke schaffen können“, sagt Frauenhaus-Leiterin Steffi Oppermann. Aktuell besteht die Terrasse aus dem blanken Boden, ein mehrfach geflickter Pavillon überdacht die Fläche. „Der hat beim letzten Schnee zu Ostern ordentlich Schaden genommen“, ergänzt Mitarbeiterin Dinara Heyer. Bereits im nächsten Jahr sollen die Umbaumaßnahmen gestartet werden, damit draußen gefrühstückt, gegrillt und gespielt werden kann.

Die sechs Frauen, die aktuell im Greifswalder Frauenhaus leben, sollen den Sommer gemeinsam mit ihren Kindern dann noch besser genießen können – abschalten von ihren Sorgen und Ängsten. Über die reden sie nicht gerne – die meisten gar nicht. Auch die Mutter der Dreijährigen mit dem neuen Apfel-Kuscheltier nicht. Sie kann nicht – sie wird von „ihm“ gesucht. Zu groß ist die Angst davor, gefunden zu werden.

Die Schicksale der Frauen sind alle sehr unterschiedlich, und doch eint sie alle eines: Sie mussten vor Gewalt fliehen und raus aus ihrem gewohnten Umfeld. Oft waren es auch die Kinder, die den Frauen Grund gaben, ihre Situation zu verändern. „Frauen halten nämlich ganz viel aus“, sagt Dinara Heyer. „Wenn sie aber sehen, dass die Kinder Schaden nehmen, ist das ganz oft ein Auslöser, etwas zu ändern.“

So war es auch bei Rebekka Kerber (Name geändert). Erst vor gut zwei Wochen hat sie mit ihrem Kleinkind Schutz im Frauenhaus gesucht. „Erst habe ich noch gedacht, ich regele das irgendwie“, sagt sie. „Aber nein. Ich tue das jetzt für mein Kind.“ Nach einigen Terminen mit dem Jugendamt führte ihr Weg dann ins Frauenhaus. „Mein Mann durfte davon natürlich nichts mitbekommen.“ Er hat die junge Frau stark kontrolliert und geschlagen. „Aber auch meine Eltern haben mich 24 Stunden am Tag überwacht.“ Selbst wenn Rebekka länger als abgemacht mit ihrem Kind auf dem Spielplatz blieb, war das ein Riesen-Drama.

„Ich war am Boden“, sagt sie. Im Frauenhaus schöpft sie nun aber neuen Mut. „Das ist wie eine kleine Familie hier.“ Die Frauen unterstützen sich gegenseitig und sind sehr dankbar über die Chance und die Unterstützung, die sie hier bekommen. Über Details aus ihrer Vergangenheit reden sie aber nicht, zu groß ist die Angst, dass etwas davon nach draußen gelangt. „Aber wenn ein Kind nachts weint, weil es Alpträume hat, dann sind wir füreinander da“, sagt die junge Mutter. Und obwohl sie erst seit so kurzer Zeit Teil der Gruppe ist, hat sie schon ganz konkrete Pläne für die Zeit danach. „In meiner Heimat habe ich im Krieg gelebt, viel Blut und tote Menschen gesehen“, sagt die junge Frau. „Darum will ich Menschen helfen und meine Ausbildung in der Krankenpflege weitermachen.“

Neben zahlreichen Plüschtieren türmen sich im Flur des Frauenhauses an diesem Tag vor allem Brettspiele, Taschen und Kleidungsstücke. Beim Verteilen werden alle Kinder reichlich bedacht und verschwinden kurz darauf in ihre Zimmer, um gleich alles auszuprobieren. „Wir können das noch gar nicht richtig fassen“, sagt Steffi Oppermann über die überwältigende Spendenbereitschaft. „Wir wissen gar nicht, womit wir das verdient haben“, sagt sie, korrigiert sich aber im selben Moment selbst: „Obwohl doch, eigentlich wissen wir das schon.“ Gemeinsam mit ihrem Team bietet sie Frauen in Not nicht nur einen Schutzraum, sondern hilft vor allem bei einem richtigen Neuanfang.

Und um den zu erreichen, ziehen im Greifswalder Frauenhaus alle an einem Strang. Jetzt vor Weihnachten ist es aber besonders hart. „Mein Partner wollte uns das Fest verbieten“, sagt Rebekka Kerber. Für sie sei es aber das Fest der Freude und Liebe, das sie ihrem Kind mit auf den Weg geben will. „Ich will eben, dass alles in die richtige Schublade kommt“, sagt sie. Und auch die Mutter mit der dreijährigen Tochter kann dank des tollen Teams hoffentlich bald neu durchstarten. Der knallgrüne Plüsch-Apfel wird die Kleine bestimmt immer an ihre Zeit im Frauenhaus erinnern und ihr Kraft für ihren eigenen Weg durchs Leben geben.

 

Dana Frohbös

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