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Greifswald Stadt braucht dringend mehr Hallen
Vorpommern Greifswald Stadt braucht dringend mehr Hallen
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00:00 25.01.2018
Handballspiel des HC Vorpommern (Blau): In Greifswald buhlen gut 80 Sportvereine um Hallenzeiten. Quelle: Foto: Ronald Krumbholz
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Greifswald/Wolgast

Es ist ein Jammer für die Vereinssportler in Greifswald: Die zwölf städtischen Sporthallen sind seit Jahren alle ausgebucht, mancher Verein wird damit ausgebremst. „Wir müssen immer wieder Kinder nach Hause schicken, die gerne bei uns trainieren würden“, sagt etwa Bernd Grommelt, Leiter der Kanu-Abteilung in der Hochschulsportgemeinschaft HSG. Im Sommer biete der Ryck Platz für alle Kanuten, „aber im Winter, für Ausdauer- und Krafttraining, kriegen wir nicht genügend Hallenzeiten, deswegen können wir keine neue Kindergruppe aufmachen“. Zehn bis 15 Interessenten guckten leider in die Röhre.

In Greifswald fehlen Trainingszeiten, in Wolgast und auf Usedom ist die Lage entspannter

Während es in anderen Teilen des Kreises Vorpommern-Greifswald entspannter aussieht, werden laut Bernt Petschaelis, Chef des Greifswalder Stadtsportbunds, in der Hansestadt etwa 30 Prozent aller Anfragen nach Hallenzeiten abgelehnt. Die Stadtverwaltung schätzt, dass „Greifswald rein nach Antragslage der Vereine eine weitere Dreifeldhalle und eine weitere Zweifeldsporthalle gut auslasten könnte“. Genaueres soll der Sportentwicklungsplan zeigen, den die Verwaltung derzeit erarbeitet.

Fast 13000 Menschen in Greifswald treiben laut Petschaelis in knapp 80 Vereinen Sport. „Der Bedarf an Hallenzeiten ist hoch, zumal auch der Senioren- und Behindertensport wächst und die Uni für die rund 10 000 Studentinnen und Studenten kaum Sportstätten oder nur sehr schlechte besitzt“, meint er. Kompromisse seien bei der Vergabe der Hallenzeiten nötig. „Bei der aktuellen Situation kann man es nie allen Vereinen recht machen.“ Das sei aber in vielen Städten bundesweit ein Problem.

Halle des Kreises hilft in der Not

Allerdings nicht in Wolgast: Mit freien Hallenzeiten kann Bürgermeister Stefan Weigler zwar nicht dienen, dennoch ist die Lage entspannt. „Die drei Turnhallen sind sehr gut ausgelastet. Wenn es ganz eng wird, hilft der Landkreis mit seiner Großsporthalle aus. Aktuelle Nachfragen zu Hallenzeiten liegen derzeit im Rathaus nicht vor“, sagt er. 22 Sportvereine nutzen gegenwärtig die drei Hallen. „Die Judoka und die Kegler haben eine eigene Halle, der Wolgaster Tanzverein hat Trainingszeiten im Sportforum“, sagt Stefan Weigler.

Von abgelehnten Anträgen einheimischer Vereine weiß René Bergmann, Verwaltungschef im Usedomer Südamt, nichts. „In den drei Hallen in Ückeritz, Koserow und der Stadt Usedom gibt es lediglich im Sommer mal Engpässe, wenn auswärtige Vereine zum Trainingslager an die Küste kommen. Die Hallenzeiten für die Nutzer vor Ort werden immer zu Jahresbeginn gemeinsam abgestimmt“, erklärt Bergmann. Und da setzt man auf Kontinuität, wie beispielsweise in Heringsdorf. „Für die Sporthalle an der Heringsdorfer Grundschule gibt es einen Belegungsplan, der schon einige Jahre bis auf minimale Abweichungen besteht“, berichtet Vize-Bürgermeister Marcus Strömich. Diese Halle soll in den nächsten beiden Jahren durch einen rund 2,5-Millionen-Euro teuren Neubau (mit Tribüne 112 Sitzplätze) ersetzt werden.

Pommernhalle zu 100 Prozent ausgelastet

Von einer 100-prozentigen Auslastung seit gut 20 Jahren spricht Jens-Peter Teetzen, Hallenwart der Ahlbecker Pommernhalle. „Bis 15 Uhr ist hier der Schulsport drin, danach bis 22 Uhr der Vereinssport. Das geht von Montag bis Freitag, am Wochenende folgen Punktspiele und Turniere.“ Um der zunehmenden Nachfrage nach Hallenzeiten in den vergangenen Jahren gerecht zu werden, wurden beispielsweise im Handball-Nachwuchs beim Training des HSV Insel Usedom zwei Altersgruppen zusammengelegt. „Mitunter wird die Halle abends gedrittelt, sodass gleichzeitig drei Vereine trainieren können. Sonst würden wir es nicht hinbekommen. Die Grundstruktur mit den örtlichen Vereinen gibt es aber schon lange“, sagt Teetzen.

Für Greifswald hoffen Menschen wie Bernt Grommelt von der Kanuabteilung auf Besserung: „Das wird zwar noch Jahre dauern, aber immerhin ist die Stadt endlich dabei, das Problem anzugehen“, sagt er. An der Caspar-David-Friedrich-Schule in der Stadt wird derzeit eine neue Sporthalle gebaut, die geplante neue Grundschule in der Stadtrandsiedlung wird ebenfalls eine Sporthalle haben. „Damit wird der vorhandene Bedarf aber noch nicht abgedeckt“, meint Bernt Petschaelis.

Idee: Hallennutzung bis 22.30 Uhr

Er schlägt vor, dass zusätzlich alle Sporthallen bis 22.30 Uhr zur Verfügung stehen sollten, nicht wie bisher nur bis 22 Uhr. Freiluftsportarten wie Fußball und Leichtathletik könnten zudem länger im Jahr draußen trainieren. „Die Winter werden immer milder und das Volksstadion ist zum Beispiel durch Flutlicht ganzjährig nutzbar.“ Auch nicht-kommunale Sporthallen könnten sich vielleicht für Vereinssport öffnen. Alles in allem hofft Petschaelis darauf, dass der Sportentwicklungsplanung eine klare Analyse bringt – und die Stadt dann Abhilfe schafft.

Wer zahlt wo wie viel? Ein Überblick über die Hallengebühren im Landkreis

Stadt Greifswald

Die Nutzung einer kommunalen Sporthalle kostet zwischen 4 und 55 Euro pro Stunde, je nach Halle und Verein. Am wenigsten bezahlen Vereine im Stadtsportbund, Kitas, Horte, Schulen und die Wasserwacht.

Sie sind beim Kinder- und Jugendsport sogar von Gebühren befreit.

Die höchste Gebühr bezahlen Vertrags- und Lizenzspielermannschaften sowie kommerzielle Anbieter. Einen mittleren Beitrag entrichten Vereine, die nicht zum Stadtsportbund gehören. Ein Beispiel: In der Mehrzweckhalle zahlt die erste Gruppe 9 Euro pro Stunde und am Wochenende 10, die zweite Gruppe 30 bis 50 Euro, die dritte 55 Euro pro Stunde.

Stadt Wolgast:

Die Sportstätten sind in vier Kategorien unterteilt: Kategorie 1: Großsporthalle, Nutzung zwei Stunden 75 Euro

Kategorie 2: Turnhalle Baustraße/Heberleinstraße

60 Euro

Kategorie 3: Stadion/Kunstrasenplatz 50 Euro

Kategorie 4: Sonstige, Vereinssaal Sportforum

50 Euro

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind von den Gebühren befreit

Ostseehalle Ückeritz

Bei Vereinen zahlen Erwachsene je Stunde 17,60 Euro, Kinder zwischen 4 und 8 Euro.

Bei ortsfremden Personen kostet die Stunde 28,60 Euro für Erwachsene und 8 bis 12 Euro für Kinder

Die Nutzung des Vereinsraumes kostet je Stunde 6,60 Euro.

Ulli-Wegner-Sporthalle

Usedom

In den Vereinen zahlen Jugendliche bis 16 Jahre pro Stunde 5 Euro, ab 17 Jahre und Erwachsene 15 Euro.

Ortsfremde Jugendliche bis 16 Jahre zahlen 5 Euro die Stunde, ab 17 und Erwachsene 16 Euro.

Sybille Marx und Henrik Nitzsche

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