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Greifswald Drei Kita-Vorhaben in Greifswald abgelehnt
Vorpommern Greifswald Drei Kita-Vorhaben in Greifswald abgelehnt
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13:22 05.06.2019
Antje Viergutz und Gerd von Poblotzki können nicht verstehen, dass die Stadt keine Kita im Kunti-Center (im Hintergrund) will Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

In Greifswald fehlen laut dem dafür zuständigen Kreis Vorpommern-Greifswald aktuell etwa 200 Kitaplätze. Zwar wird sich die Situation nach Fertigstellung der Kindertagesstätte an der Weinertschule entspannen, aber es bleibt eine Lücke.

Es gibt mindestens drei Investoren, die bauen und diese Lücke schließen wollen. Aber die Stadt hat deren Bauvoranfragen abgelehnt. So wurde der Wunsch des Ehepaars Mendle für eine Betriebskita des Pflegedienstes Ora Cura im Gewerbegebiet am Helmshäger Berg abgelehnt, weil der Standort nach Ansicht der Verwaltung nicht geeignet ist (die OZ berichtete). Der Wunsch eines Greifswalder Unternehmers, hinter dem Haus Am Mühlentor 2, eine Kita zu bauen, ist inzwischen vor dem Oberverwaltungsgericht gelandet. Die Stadt versagte den Bau aus Denkmalschutzgründen und bekam vom Verwaltungsgericht Recht.

Internationaler Bund will Kita im Kunti-Bunt-Haus betreiben

Eine dritte Kita sollte eigentlich am 1. Juni im Kunti-Center in der Straße An der Thronpost im Gewerbegebiet Helmshäger Berg eröffnet werden. „Betreiber wäre der Internationale Bund“, informiert Antje Viergutz, die Geschäftsführerin des hier ansässigen Indoor-Spielplatzes Kunti-Bunt. In dem Gebäude sind in der ersten Etage Räume frei. Vor dem Haus und auf einer Freifläche sind Spielplätze geplant. 80 Plätze sollen entstehen. „Auf dem Greifswalder Kitagipfel im August letzten Jahres gab es viel Bereitschaft, Plätze zu schaffen. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder kündigte an, jetzt richtig Gas zu geben“, erinnert Gerd von Poblotzki, der Objektverwalter des Kunti-Center. „Alle sagten ,Ja’ zu unserem Vorschlag.“

Widerspruch bis heute nicht entschieden

Aber die am 24. August gestellte Bauvoranfrage wurde nach dreieinhalb Monaten, im Dezember 2018, negativ beschieden. Am 19. Januar 2019

legte Antje Viergutz Widerspruch ein und begründete ihn im März. Trotz mehrerer Nachfragen sei der Widerspruch immer noch nicht beschieden. „Ein Gesprächstermin wurde von der Stadt abgesagt“, sagt von Poblotzki. „Dabei könnten wir doch Vorort mögliche Probleme klären und erfahren, was wir tun könnten, damit unser Projekt genehmigt werden kann.“ Viergutz spricht von Ungleichbehandlung. Bei der bereits am Helmshäger Berg genehmigten und bestehenden Kita „Unternehmensgeister“ sei in unmittelbarer Nachbarschaft vor Kurzem ein Autohaus eröffnet worden. „Bei mir wird u. a. argumentiert, dass ein bestehendes Autohaus ein Hinderungsgrund ist.“

Grundsätzlich sind am Helmshäger Berg Sozialbauten möglich, aber nur als Ausnahmen. In den Ablehnungsbescheiden für Ora Cura und das Kunti-Center argumentiert die Stadt mit dem nötigen Schutz gerade der Jüngsten. Auch möglichen Einschränkungen für Investoren für noch freie Flächen werden ins Feld geführt.

In anderen Städten verfährt man anders als in Greifswald

„Das bei uns in der Nähe befindliche Mercedes-Autohaus hätte nichts dagegen, wenn es im Kunti-Center, eine Kita gibt“, sagt von Poblotzki. „Die Eltern würden die Kinder zu uns bringen, wir liegen nicht an der Durchfahrtstraße. Es gibt keine Gefahren. Durch das Angebot für Angestellte und Arbeiter in den ansässigen Betrieben könnten sogar Wege vermieden werden.“ Auch von zuviel Lärm könne ebenso wie bei dem Ora-Cura-Projekt keine Rede sein. „Bei uns in Neubrandenburg gibt es drei Kindertagesstätten am Ring. In Röbel entsteht eine Kita im Gewerbegebiet.“ Antje Viergutz verweist den Standortvorteil des Indoorspielplatzes im Haus. Auch Einjährige hätten dort schon ihren Spaß.

Die Stadt will sich nicht äußern

Die Stadt hüllt sich zu beiden aktuellen Vorhaben in Schweigen. Denn es handele sich um laufende Vorhaben, sodass man nichts sagen könne, begründet Sprecherin Andrea Reimann. Auch zum Ora-Cura-Betriebskindergarten sagte die Stadt zunächst nichts.

Für Gerd von Poblotzki bestätigt das Vorgehen der Verwaltung den Verdacht der Bürgerschaftsabgeordneten Katja Wolter (FDP) im Ora-Cura-Fall. Die Stadt wolle keine Konkurrenz zum Eigenbetrieb „Hansekinder“. Dem hatte Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) im Nachhinein widersprochen: „Das ist eine absurde Unterstellung. Unser Eigenbetrieb braucht keine Angst vor Konkurrenz zu haben. In Greifswald gibt es genug Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten. Darum unterstützt die Stadt alle Kitavorhaben – soweit dies möglich und rechtlich zulässig ist“.

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