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Greifswald Petra Hilber verlässt Greifswalder Stadtinfo
Vorpommern Greifswald Petra Hilber verlässt Greifswalder Stadtinfo
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15:00 06.03.2019
Petra Hilber (62) arbeitete seit 1996 in der Stadtinformation. Ende Februar ging sie in den selbst gewählten vorzeitigen Ruhestand. Sie war dienstälteste Mitarbeiterin der Stadtinformation.
Petra Hilber (62) arbeitete seit 1996 in der Stadtinformation. Ende Februar ging sie in den selbst gewählten vorzeitigen Ruhestand. Sie war dienstälteste Mitarbeiterin der Stadtinformation. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 „Die beste Entscheidung meines Lebens war es, mich hier zu bewerben und anzukommen“, sagt Petra Hilber. 22 Jahre war sie das Gesicht Greifswalds, sagt sie. Von ihrem Platz in der Stadtinformation in den Rathausarkaden half sie Urlaubern, Tagungsgästen und Greifswaldern mit allen Fragen. Nun hat sich die 61-jährige Chefin der Stadtinfo in den selbst gewählten Ruhestand verabschiedet. Während ihrer Karriere hatte sie das Image der Stadt maßgeblich geprägt.

Zimmervermittlung war Idee von Petra Hilber

„Es ist der beste Ausblick, den man in Greifswald haben kann“, sagt sie über die Rathausarkaden, von denen sie auf den Marktplatz schaut, direkt gegenüber auf die zwei Kaufmannshäuser mit Ursprung im 13. Jahrhundert. Vorher saß Hilber im Schuhhagen (heute: Bäcker Junge). Dort gab es bis auf kleine Souvenirs und Stadtpläne kaum Angebote. Selbst Stadtpläne seien nicht selbstverständlich gewesen, so Hilber. Ihrer Initiative folgend begann die Info, die 2001 in die Arkaden zog, auch Zimmer zu vermitteln. „Ich wollte damals die Hotels ansprechen. Unter dem Aspekt: Da muss doch was zu holen sein.“ Recht hatte sie. Die Provisionen fließen bis heute, die Vermittlung von Zimmern für Tagungsgäste und Urlauber ist eines der Hauptgeschäfte der Stadtinfo. Auch Broschüren, Schlüsselanhänger, andere Souvenirs, kaufen die tausenden Gäste.

Krank im Urlaub

Besonders ans Herz gewachsen seien ihr über die Jahre die Angehörigen und Patienten der Uni-Klinik, die plötzlich eine Unterkunft brauchten, weil sie im Urlaub ins Krankenhaus mussten. „Auch in der Hochsaison konnten wir immer ein Zimmer organisieren und sei es, dass die Gäste zwei, drei mal umziehen konnten. Dann haben wir auch einen Fahrservice organisiert“, sagt Hilber. Viele Dankeskarten und Gruß-Mails zeugen von den gewachsenen Verbindungen zu den Kunden. „Die Kunden und das Außergewöhnliche werde ich vermissen.“ So wie eine Kanadierin, die das Grab eines Familienmitglieds in Greifswald besuchen wollte, wochenlang mit Hilber E-Mails austauschte und schließlich nach Greifswald kam.

Drei Stunden als Tourist in Greifswald

Die Frage, die sie am wenigsten mochte, lautete: „Ich habe drei Stunden Zeit. Was mache ich in Greifswald?“ Die Antwort: Von der Info auf dem Markt aus gehe man durch die Lappgasse, zum Dom, schaue sich das Caspar-David-Friedrich-Denkmal an, besteige den Domturm, verweile am Rubenowdenkmal und wenn Zeit bleibt, besuche man den Museumshafen und Wieck.

Hilber wurde geboren in Sachsen-Anhalt, lernte Baufacharbeiterin in Magdeburg, machte ihr Abitur in Halle und studierte in den 1980er Jahren Nachrichtentechnik in Breslau (polnisch: Wrocław). In derselben Zeit zog sie nach Greifswald. „Ich habe hier immer gerne gelebt.“ Sie wurde dreifache Mutter und erlebte die Wendezeit als hektisch und anstrengend. Praktika, jeden Lehrgang hätte sie mitgemacht während sie drei Kleinkinder mit ihrem Mann aufzog. „Was kann ich dem Markt noch anbieten?“, fragte sie sich schließlich. „Da blieben nur die Sprachen: Deutsch, Polnisch und Englisch.“

Ehrenamt, Familie, Garten

In den 90er Jahren hätten noch viele Urlauber belehrend über den Osten gesprochen. „Manche Mütter aus dem Westen riefen an und weinten, weil ihr Kind nach Greifswald zum Studium kam“, blickt Hilber zurück. Alte Zeiten, vergangene Zeiten. Eine Konstante blieb in ihrer gesamten Karriere ihre Grundeinstellung, jedem helfen zu wollen, für jeden ein freundliches Wort zu haben und kaum Nein sagen zu können. „Allerdings bin ich mit dem Alter noch wissbegieriger geworden“, sagt sie. Hilber sei jeden Tag mit Freude zur Arbeit gekommen.

Sie freue sich nun auf den Ruhestand. „Ich habe einen Garten, drei Kinder, vier Enkelkinder und muss nicht mehr arbeiten, wenn andere Urlaub machen.“ Petra Hilber wird den Greifswaldern erhalten bleiben. Sie werde wahrscheinlich ein Ehrenamt aufnehmen.

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Christopher Gottschalk

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