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Greifswald Stadtmarketing knapp an Pleite vorbei
Vorpommern Greifswald Stadtmarketing knapp an Pleite vorbei
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00:00 17.01.2018
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Greifswald

Die Greifswald Marketing GmbH ist im vergangenen Herbst knapp an der Insolvenz vorbeigeschlittert. Im Herbst 2017 musste die Bürgerschaft der Hansestadt sozusagen von einem Tag auf den anderen der städtischen Tochterfirma in Größenordnungen unter die Arme greifen, um die drohende Pleite abzuwenden. Sowohl im Jahr 2016 als auch 2017 konnten die Einnahmen in keiner Weise die Ausgaben decken.

Stadtmarketing

Die Gesellschaft holt sowohl Touristen als auch Tagungsgäste in die Stadt, organisiert Veranstaltungen wie das Altstadtfest „Ein Tag mit Caspar David Friedrich“ und ist für Imagekampagnen wie die zum Erstwohnsitz der Studierenden verantwortlich. Außerdem betreibt die GmbH seit 1.1.2016 die Greifswald-Information.

Die 2015 gegründete Marketing GmbH war mit einem Grundkapital von 25000 Euro ausgestattet. Geplant waren durch die Bürgerschaft Zuschüsse für 2016 in Höhe von 318000 Euro. Für 2017 und 2018 sollte der Betrag auf 275000 bzw. 250000 Euro abgeschmolzen werden. Doch als im vorigen September der ein Jahr zuvor eingestellte Geschäftsführer Maik Wittenbecher um finanzielle Unterstützung bat, lag das Defizit für 2016 bei 18000 und für 2017 schon bei 55000 Euro. Statt eines Abschmelzens des Zuschusses musste die Stadt ihn auf 330 000 Euro erhöhen.

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Das enorme Defizit war lange nicht bekannt geworden, weil der Jahresabschluss 2016 erst im Herbst 2017 vorlag und der Geschäftsführer vorher keine Rechenschaft abgeben musste. „Ein Unding“, findet André Bleckmann (FDP). Das soll sich nicht wiederholen, die SPD-Fraktion will deshalb der Greifswald Marketing GmbH einen Aufsichtsrat geben.

Die Vorlage wurde am Montag im Finanzausschuss der Bürgerschaft heftig diskutiert. Einig waren sich die Vertreter aller Parteien, dass eine viel stärkere Kontrolle und mehr Einfluss auf die Aufgaben und die Entwicklung der Gesellschaft notwendig sind. „Das ist unerlässlich, denn auch künftig wird die Gesellschaft nur mit einem Zuschuss der Stadt wirtschaften können“, machte Erik von Malottki (SPD) deutlich. Die Idee eines Aufsichtsrates fand allerdings keine breite Zustimmung, da ein solches Gremium der Schweigepflicht unterliegt und die Vertreter nicht in den Fraktionen berichten dürfen, wie Heiko Jaap (Kompetenz für Vorpommern) erläuterte. Zahlreiche Ausschussmitglieder, darunter Alexander Krüger (Grüne), plädierten daher für die Ausweitung der Kompetenzen des bereits existierenden Beirates bzw. die Schaffung eines Werksausschusses, ähnlich wie bei der „Greif“. Aber egal, ob Beirat oder Werksausschuss, es müsse ein Kontrollgremium geschaffen werden, das vor allem den Aufgabenzuschnitt der Gesellschaft untersucht. Dem Stadtmarketing sollen nämlich Aufgaben übertragen werden, die jetzt noch von der Verwaltung wahrgenommen werden.

„Ich habe stets gesagt, dass ein externer Blick auf die Greifswald Marketing GmbH notwendig ist. Der Zuschussbedarf steigt sonst ewig weiter“, sagte Bleckmann. Allerdings möchte OB Stefan Fassbinder (Grüne) genau diesen externen Blick nicht. Er sprach davon, dass die Stadt die nötige Kompetenz besitze, um die Kontrolle selbst auszuführen und Aufgaben an die Greifswald Marketing GmbH zu delegieren. Das Unternehmen müsse zudem erst einmal ein paar Jahre wirtschaften, damit eine Tendenz deutlich werde. Der Vorschlag fand wenig Zuspruch. Der Ausschussvorsitzende, Thomas Mundt (CDU), forderte einen halbjährlichen Bericht des Geschäftsführers über die Einnahmen und Ausgaben gegenüber dem Finanzausschuss. Jan Evers (Alternative Liste) schlug zudem auch eine halbjährliche Berichtspflicht des Oberbürgermeisters vor. Sie wurde bei zwei Enthaltungen beschlossen.

Am Ende verzichtete die SPD-Fraktion auf die Abstimmung zum Aufsichtsrat und geht für eine interfraktionelle Beschlussvorlage auf die anderen Fraktionen zu. „Egal, ob Aufsichts- oder Beirat, was wir brauchen, ist eine stärkere Kontrolle der Greifswald Marketing GmbH und ein größerer Einfluss der Bürgerschaft“, begründete Erik von Malottki.

Cornelia Meerkatz