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Greifswald Startschuss für Breitbandausbau in Vorpommern
Vorpommern Greifswald Startschuss für Breitbandausbau in Vorpommern
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19:11 19.04.2019
Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) nahm in der „Ditch Witch“ Platz. So nennt man das Gerät zum unterirdischen Verlegen von Leitungen. Quelle: Anne Ziebarth
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Wusterhusen

Das Rohr des Spülbohrers „Ditch Witch“ schiebt sich mit Getöse Stück für Stück unterirdisch durch den Wusterhusener Boden. Kurz darauf ist es vollbracht: Das erste Stück Glasfaserkabel liegt in der Erde. Damit ist der Startschuss für den lang ersehnten Breitbandausbau des Internets im Landkreis gefallen.

Im ersten von 15 Projektgebieten des Landkreises verlegt das Unternehmen ATL Antennentechnik aus Lubmin hier Glasfaserleitungen, von denen rund 2800 Haushalte und 220 Unternehmen profitieren sollen. „Wir wollen Ende 2021 fertig sein“, sagt ATL-Geschäftsführer Hans Sakreida. „Los geht es mit den Orten Latzow, Nonnendorf und Pritzwald, dann geht es weiter nach Wusterhusen.“ Rund 6,1 Millionen Euro hat der Bund für den Ausbau dieses Projektgebietes zur Verfügung gestellt, weitere drei Millionen schießt das Land zu.

Pipeline „Eugal“ bietet Glasfaseranschluss

Auf der Suche nach Anschluss für die Verkabelung der Orte konnte Hans Sakreida von der Europäischen Gasanbindungsleitung Eugal profitieren, deren Teilstück in der Nähe von Wusterhusen gebaut wird. Zu Wartungs- und Kontrollzwecken führt hier eine Glasfaserleitung an der Trasse entlang. „Einige Stränge waren noch frei, da habe ich zugeschlagen“, erzählt Sakraida. „Über diesen Anschluss stellen wir die Verbindung an das bundesweite Netz her.“ Das Glasfaserkabel, durch das nachher Tausende vom Menschen gleichzeitig Daten schicken, Fernsehen und Filme gucken können, ist nicht mal armdick. „Mit einer Faser ließe sich eine ganze Stadt versorgen“, berichtet er. „Die Möglichkeiten von Glasfaser im Gegensatz zu Kupferleitungen sind enorm.“

Das Glasfaserkabel ermöglicht enorm schnelles Surfen im Internet. Quelle: Anne Ziebarth

Nicht alle Haushalte werden profitieren

Doch in die Euphorie über neue Möglichkeiten mischt sich auch etwas Bitterkeit. „Wir werden mit dem Ausbau nicht alle Haushalte erreichen“, bedauert Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD). „Das wird vermutlich nur eine erste Runde sein.“ Derzeit profitieren nur Haushalte vom Bundesförderprogramm Breitbandausbau, deren Internet-Übertragungsgeschwindigkeit unter 50 Mbit pro Sekunde liegt. Auch mit knapp über 50 Mbit sei eine Internetverbindung aber nicht bahnbrechend schnell. „Langfristig werden wir überall Glasfaserkabel benötigen“, so Pegel. „Gerade für Unternehmen ist das notwendig.“ Auch Klaus-Dieter Nicolai von der Firma MTS, die für den Tiefbau des ersten Abschnitts verantwortlich ist, kann der 50 Mbit-Regel nichts abgewinnen. „Da sind Nachbesserungen doch vorprogrammiert“, sagt er. „Außerdem schafft man künstlichen Unfrieden. Man zieht eine Grenze durchs Dorf – die eine Hälfte bekommt das schnelle Netz, die andere muss sich mit Mittelmaß zufriedengeben. Eigentlich sollte man die Glasfaser jetzt überall anbieten.“

Bürgermeister beklagen Versäumnisse

Einige Bereiche im Landkreis könnten sogar leer ausgehen, obwohl bei ihnen weniger als 50 Mbit anliegen. Das hängt damit zusammen, dass Bund und Land die Maßnahmen des Breitbandausbaus finanzieren. Denn so ein „Eingriff“ darf nur dort vollzogen werden, wo sich nicht bereits im Vorfeld ein privatwirtschaftliches Unternehmen engagiert hat, was den Ausbau in Eigenregie und zu eigenen Kosten durchführen möchte. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. So hat zum Beispiel auch die Telekom bei einigen Gebieten im Landkreis ihre Hand gehoben. Angekündigt sei eine Fertigstellung dort schon 2018 gewesen, berichtet Pegel. An vielen Stellen sei aber nichts passiert. „Jetzt melden sich bei uns die einzelnen Bürgermeister und fragen an, was denn nun mit dem angekündigten Ausbau des Unternehmens passiert“, ergänzt Vize-Landrat Jörg Hasselmann (CDU). „Das Problem ist nur, dass wir die entsprechenden Gebiete gar nicht erfassen können. Wir wissen nicht, wie viel Straßen oder Häuser davon betroffen sind.“

Juristische Grauzone

Mithilfe des Bohrers wird die Leitung verlegt. Quelle: Anne Ziebarth

Es bestehe keine Auskunftspflicht für Telekommunikations-Unternehmen, ob und wann ein Ausbau stattgefunden habe, erst durch die Anfragen der Einwohner oder Bürgermeister treffen die Informationen ein. „Rechtlich können wir diese Unternehmen nicht mal belangen“, ärgert sich Minister Pegel, selbst gelernter Jurist. „Ich hatte mir eine schärfere Regelung gewünscht. Jetzt müssen wir überlegen, die finanziellen Mittel für die weiteren Projektgebiete aufzustocken.“ So könnten dann die bisher herausgefallenen Bereiche trotzdem angeschlossen werden.

Hans Sakreida setzt auf 100 Prozent Glasfaser

Im Projektgebiet rund um Lubmin sollte das kein Problem sein. Hier hat sich Hans Sakreida für eine 100 Prozent-Lösung entschieden. „Wir bereiten die Erschließung des ganzen Gebietes so vor, dass jeder, der möchte, auch angeschlossen werden kann“, sagt Sakraida. „Es macht ja keinen Sinn, die Erde später nochmal aufzubuddeln. Wir finden eine Lösung.“ Auch bei den Materialien will Sakreida keine halben Sachen. Er setzt auf ein reines Glasfasernetz ohne Kupferleitungen bis zum Netzanschlusspunkt am Haus. So sind Übertragungsraten vom 1 Gbit/s möglich –20 mal schneller als 50 Mbit/s.

Zehn Millionen für schnelles Internet

15 Projektgebiete gibt es im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Eines davon umfasst die Gemeinden rund um Lubmin. Insgesamt stellt der Bund für den Ausbau des schnellen Internets in diesem Projektgebiet ca. 6,1 Millionen Euro bereit. Das Land unterstützt die Maßnahmen mit Fördermitteln in Höhe von rund drei Millionen Euro. Der Eigenanteil des Landkreises für beide Maßnahmen liegt bei etwa einer Million Euro und kann aus Mitteln des Kommunalen Aufbaufonds gedeckt werden. Für die Bereitstellung von schnellem Internet in ganz Deutschland investiert der Bund 3,5 Milliarden Euro Fördermittel.

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Anne Ziebarth

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