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Greifswald Streik in Greifswald: Nahverkehr steht ab 10 Uhr still
Vorpommern Greifswald

Streik in Greifswald: Nahverkehr steht ab 10 Uhr still

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09:57 23.01.2020
Protestieren für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen: Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs Greifswald
Protestieren für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen: Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs Greifswald Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Der ganztägige Streik der Gewerkschaft Verdi hat die Hansestadt deutlich härter getroffen, als die vergangene Streikrunde. Zwar konnte der Schülerverkehr aufrecht erhalten werden, zwischen 10 Uhr und 12 Uhr und ab 16 Uhr allerdings fahren keine Busse

13 Mitarbeiter hatten sich am frühen Donnerstagmorgen am Busbahnhof versammelt, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Die Angebote der Arbeitgeber sind nicht akzeptabel“, betonte André Henning aus Groß Petershagen, der für Verdi in der Tarifkommission sitzt. Ein anderer Busfahrer aus Greifswald, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, betonte, dass es nicht nur um das Geld gehe. „Wir haben immer mehr Stress und hetzen nur noch von A nach B“, sagt er. „Wir wünschen uns andere Fahrtzeiten und eine bessere Abstimmung.“ Es gebe zum Beispiel immer mehr ältere Fahrgäste, die auf den Rollator angewiesen seien. Das Ein- und Aussteigen dauere einfach länger, darauf würde in den Fahrplänen keine Rücksicht genommen. Kritik gab es auch an der ausgelobten Prämie in Höhe von 100 Euro für Mitarbeiter. „Jeder hat das Recht zu streiken“, sagte ein Mitarbeiter

Mit Gelenkbussen, in die rund 150 Passagiere passen, konnten der Verkehrsbetrieb Greifswald zumindest den Schülerverkehr sichern. „Zwischen 6 und 10 Uhr und zwischen 12 und 16 Uhr fahren wir im 30-Minuten Takt“ sagt Geschäftsführer Henrik Umnus. Auch Stadtwerkechef Thomas Prauße war gemeinsam mit dem Geschäftsführer zum Bahnhof gekommen, um sich ein Bild über die Lage zu machen. „Und um den Mitarbeiter in die Augen zu sehen“, sagte er. Seiner Meinung nach müsse eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden werden und die Auseinandersetzung dürfe nicht auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden. „Das ist verantwortungslos.“ Den finanziellen Forderungen könne man schlicht und ergreifend nicht nachkommen, außerdem stünden ohnehin im Juni weitere Verhandlungen an. „15 Prozent mehr Stundenlohn für alle Mitarbeiter, 20 Prozent für die Fahrer – das ist nicht zu leisten“, so Verkehrsbetriebchef Henrik Umnus. „Das würde Mehrkosten in Höhe einer halben Million bedeuten. Das wiederum würde für den Verkehrsbetrieb ein Defizit in Höhe von 2,5 Millionen ergeben.“ Die Verkehrsbetriebe werden über die Stadtwerke Greifswald querfinanziert.

Richtig Ärger gab es um das Mitarbeiter-WC. Die Nutzung der Räume wurde den Streikenden untersagt. Das stehe in den Streikbedingungen, betonte Stadtwerkechef Thomas Prauße. „Das Firmengelände darf nicht betreten werden.“ Die Mitarbeiter seien nicht versichert. „Lächerlich!“ entgegneten die Streikenden. Man suche sich ein anderes Plätzchen. „Dann kacken wir halt hier hin“, rief einer. Auch Andrea Moder, Streikleiterin bei der Gewerkschaft Verdi kritisiert die drastische Maßnahme. „Dass den Mitarbeitern der Zugang zur Toilette verweigert wird, um ihre Notdurft zu verrichten, ist äußerst ungewöhnlich“, sagt sie.

Von Anne Ziebarth