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Greifswald Nach Kritik am Essen: Kitabetreiber droht Eltern bei Greifswald mit Anwalt
Vorpommern Greifswald Nach Kritik am Essen: Kitabetreiber droht Eltern bei Greifswald mit Anwalt
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15:20 13.08.2019
Über die Qualität des Kita-Essens in Weitenhagen bei Greifswald gibt es unterschiedliche Ansichten. (Symbolfoto) Quelle: Frank Söllner
Weitenhagen/Greifswald

Der Streit um die Qualität des Essens in der Kindertagesstätte „Waldströper“ des Instituts für Lernen und Leben (ILL) in Weitenhagen bei Greifswald eskaliert. „Das ILL geht jetzt anwaltlich gegen uns vor“, informiert Martin Nätscher. „Wir werden uns wehren.“ Die Familie soll ihre Aussagen widerrufen, fordert das Institut. Da geht es um negative gesundheitliche Auswirkungen des Essens und dazu, dass das Essen teilweise eine Woche und nicht wie vom ILL angegeben, maximal fünf Tage aufbewahrt wurde.

Claudia und Martin Nätscher hatten erklärt, dass die Speisen ihrem Sohn nicht guttun. Er habe Blähungen und Durchfall bekommen. Das Essen könne daher nicht gesund sein (die OZ berichtete). ILL-Geschäftsführer Sergio Achilles wies das zurück. Das Institut für Lernen und Leben setzt seit 2018 auf das Cook-&-Chill-Verfahren mit zentraler Belieferung aus Bentwisch. Das nach der ersten Stufe der Zubereitung rasch heruntergekühlte Essen wird erst in der Einrichtung zu Ende gegart.

ILL: „Genauso gut wie selbst kochen“

Cook & Chill werde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen, argumentiert Achilles. Auch sei nach Ansicht der Küchenkommissionen die Qualität des Essens gegenüber 2017 gestiegen. „Unser Verpflegungskonzept ist nicht nur zukunftssicher, sondern gegenüber dem Selbstkochen in der Einrichtung absolut gleichwertig“, sagt Achilles.

Unterstützung fürs ILL kam von dessen fachlichen Berater, der Klüh Catering GmbH. Geschäftsführer Thomas Greth lobt in einem längeren Schreiben an die OZ die ILL-Entscheidung für Cook & Chill und gegen eine dezentrale Belieferung durch unterschiedliche Lieferanten und damit auch gegen aufgewärmtes Essen.

Familie Nätscher sieht keinen Anlass für Dementi

Die Aussagen im Gespräch mit der OZ seien eine freie Meinungsäußerung in Bezug auf den Sohn gewesen, so Martin Nätscher. „Wir bleiben dabei, dass unserem Kind das Essen nicht gutgetan hat und es daher aus unserer Sicht für ihn eben auch nicht gesund war.“ Auch zu einem Dementi in Sachen Aufbewahrung sehen Nätschers keinen Anlass. Das sei mit Sicherheit älter als fünf Tage, wenn es auf den Tisch komme.

  „Wir bleiben dabei, dass unser Kind, nach dem wir es aus der Kita abgeholt haben, stets Hunger und sehr viel Durst hatte“, sagt Nätscher. Das bedeute nicht, dass es in der Kita nichts zu essen und trinken gab. „Unser Sohn ist jetzt seit zwei Wochen in der neuen Kita, inklusive Eingewöhnung“, führt Nätscher. „Es gibt aktuell keine Probleme mehr mit dem Essen. Unser Sohn hat weder Durchfall noch Verstopfung noch nach der Kita ständig Durst und Hunger.“

Elternrat nimmt Probleme sehr ernst

Unterstützung für Nätschers kommt jetzt vom Elternrat der Kita „Waldströper“. „Wir nehmen die Bedenken der Familie Nätscher sowie auch anderer Eltern sehr ernst“, sagt die Vorsitzende Ina Knuth-Kneser. Man wehre sich gegen eine Vereinnahmung durch ILL-Geschäftsführer Sergio Achilles. Dieser hatte gegenüber der OZ erklärt, dass der Elternrat nicht die Bedenken oder Vorwürfe Martin Nätschers teile.

Weichmacher aus Plastikgefäßen?

„Der Elternrat wünscht sich eine Abkehr von seines Erachtens nicht zeitgemäßer tagelanger Aufbewahrung von bis zu zwölf Tagen und anschließender Erhitzung des Mittagessens in dünnwandigen relativ weichen eigens hierfür hergestellten Einweg-Kunststoffgefäßen.“ So steht es in einem Schreiben des Elternrates an die OZ.

Zwar seien diese Behältnisse zugelassen, aber der Elternrat sorge sich um Langzeitauswirkungen möglicherweise austretender Weichmacher auf die Jüngsten. Das könne zum Beispiel den Hormonhaushalt betreffen, wie es bereits für andere Weichmacher nachgewiesen wurde. Diese Problematik sei noch nicht hinreichend untersucht.

Der Vorschlag des Elternrates: Künftig sollten inerte Gefäße wie Keramik für die Vollendung des Garprozesses in der Kita verwendet werden.

Großteil des Essen wird nicht in Bentwisch zubereitet

Ina Knuth-Kneser lobt indes die Offenheit des ILL in Bezug auf Cook & Chill. „Wir bekamen eine Führung durch das Logistikzentrum, konnten Fragen stellen und erhielten ein Probeessen.“ Etwa 25 Mütter und Väter nahmen teil. Allerdings komme ein Großteil des Essens aus zum Teil weit entfernten Großküchen. Nur die Portionierung finde in Bentwisch statt. Lediglich Sonderkost werde vor Ort zubereitet.

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