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Greifswald Bonus für regionale Künstler in Greifswald?
Vorpommern Greifswald Bonus für regionale Künstler in Greifswald?
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15:43 06.02.2019
Paul Kroll, Axel Hochschild, Peter Multhauf, Heinrich Zenichowski und Thomas Radeloff (von links) auf der Mittelinsel der Greifswalder Lomonossowallee Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Um ein geplantes Kunstwerk in Schönwalde I ist ein Streit zwischen Stadtverwaltung und Ortsrat entbrannt. Die Stadt möchte 30 000 Euro in eine öffentliche Plastik investieren. Errichtet werden soll diese auf dem geplanten Kreisverkehr, der künftig die Kreuzung Dubnaring/Einsteinstraße/Lomonossowallee ersetzen soll. Aber welcher Künstler wird beauftragt? Sollen Bildhauer aus der Region einen Bonus erhalten? Darüber streiten Stadtpolitiker und Verwaltung.

„Wir wollen eine beschränkte Ausschreibung mit drei Künstlern“, sagt Peter Multhauf (Linke), der Vorsitzende der Ortsteilvertretung Schönwalde I/Südstadt. „Auf jeden Fall sollen der Wiecker Heinrich Zenichowski und der Katzower Thomas Radeloff beteiligt werden.“ Das wurde ohne Gegenstimme vom Ortsrat am 17. Januar beschlossen und fand laut Protokoll die Unterstützung vieler erschienener Einwohner. Den dritten Künstler sollte die Leiterin des Amtes für Kultur, Bildung und Sport, Annett Hauswald, aussuchen, meint Muhlhauf.

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Die Stadt lehnt ab. Es werde wie bei der Büste für Bürgermeister Paepke vorgegangen, informiert Stadtsprecherin Andrea Reimann. Zunächst können Angebote mit Referenzen abgegeben werden. „Dann werden die fünf wirtschaftlichsten Bieter gebeten, einen Entwurf gegen Honorar vorzulegen.“

Dass Beispiel Paepke-Büste ist für Peter Multhauf eine Steilvorlage. Er ficht nicht seinen ersten Strauß mit Annett Hauswald aus. Multhauf hat maßgeblich dafür gesorgt, dass die Stele des „Vaters der Bahnanbindung“ nicht wie zunächst von der Verwaltung vorgesehen „kopflos“ blieb (die OZ berichtete). Er setzt jetzt auf die Bürgerschaft. Wie schon beim Kampf für die Paepke-Büste stellt sich Axel Hochschild, Vorsitzender der CDU-Fraktion, auf Multhaufs Seite. „Ich unterstütze die Ortsteilvertretung von ganzem Herzen“, sagt er. „Die Künstler im eigenen Land und der eigenen Stadt müssen wieder mehr Wertschätzung erfahren.“ Wenn nichts anderes hilft, müsse man die Verwaltung mit einem Bürgerschaftsbeschluss „überzeugen“. „Es gibt in Greifswald wahrlich genug ,Kunst’, auf die wir gern verzichten könnten, zum Beispiel das ,schwarze Elend’ neben Rossmann, das wie eine vergessene schwarz gefärbte Baustelleneinrichtung aussieht“, sagt er. Heinrich Zenichowski, der Bildhauer des Greifenbrunnens, und Thomas Radeloff, der Schöpfer der Fünf-Eichen-Stele am Wall, seien eine gute Wahl.

Multhauf will auf keinen Fall, dass die Arbeitsgruppe „Kunst im öffentlichen Raum“ entscheidet. Laut Richtlinien habe diese nur eine beratende und begleitende Funktion bei Kunstprojekten der öffentlichen Hand. „Heinrich Zenichowski hat überall in Greifswald Spuren hinterlassen, ich denke nur an die Sportlersäule am Thälmannring oder den Skulpturenpfad in Wieck“, unterstützt Kunst-Autodidakt Paul Kroll aus Schönwalde, Multhauf und Hochschild. „Der Skulpturenpark von Thomas Radeloff ist überregional bekannt. Auch die Betreiberin des nahe dem Kreisverkehr gelegenen Rewe-Marktes, Petra Götz, spricht sich für die Vergabe des Auftrags an einen regionalen Künstler aus. „Wir sollten uns gegenseitig unterstützen.“

Zenichowski kritisiert seit langem fehlende Aufträge der Stadt für lokale Künstler. Er freut sich über die Unterstützung der Politiker. „Wenn es um eine größere Summe, zum Beispiel 100 000 Euro ginge, wäre es etwas anderes“, merkt Thomas Radeloff an. Da jeder der fünf Auserwählten Honorar bekommt, blieben an der Lomonossowallee nicht einmal 30 000 Euro für ein qualitativ hochwertiges Kunstwerk, erinnert er. Die niedrige Summe hätte fast das Kunstprojekt am Marx-Platz zum Scheitern gebracht.

Bei der Entscheidung für den Kunstkubus auf dem Karl-Marx-Platz gab es viel Kritik wegen fehlender Bürgerbeteiligung. Für die Kreisverkehrsgestaltung laden das Amt für Bildung, Kultur und Sport und die AG „Kunst im öffentlichen Raum“ am 20. Februar ab 18.30 Uhr in die Greif-Grundschule ein. Die Einladung erfolgte zwölf Tage nach dem Ortsratsbeschluss. Es sollen „gemeinsam Ideen und Anregungen der Stadtteilbewohner zur Gestaltung des Kunstwerkes im neuen Kreisverkehr besprochen und dokumentiert werden. Diese sind dann Grundlage für eine beschränkte Ausschreibung.“ Allerdings ist Multhauf am 20. Februar im Urlaub. Er unterstellt Absicht in der Terminwahl.

„Es ist gut, dass die Bevölkerung einbezogen wird“, sagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses der Bürgerschaft, Erik von Malottki (SPD) zur Sache. Zur Forderung nach der Berücksichtigung von Radeloff und Zenichowski bei der Ausschreibung äußert er sich nicht.

Die Sportlersäule von Heinrich Zenichowski am Thälmannring Quelle: Eckhard Oberdörfer

Eckhard Oberdörfer

07.02.2019
06.02.2019