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Greifswald Streitthema: Hat Arndt den Begriff des Deutschen geprägt?
Vorpommern Greifswald Streitthema: Hat Arndt den Begriff des Deutschen geprägt?
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00:05 19.12.2017
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Kein allgemeiner Sprachgebrauch Zum Interview „Der Arndt der DDR war ein sympathischer“ (OZ vom 9. Dezember) hatten James Fanning und Rainer Schwenke in Leserbriefen Stellung bezogen (OZ vom 12. Dezember). Hierzu äußert sich der Interviewte, Prof. Werner Buchholz:

Das Gedicht schrieb Ernst Moritz Arndt 1813. Die Büste steht im Arndtmuseum auf Rügen. GRAFIK: ARNO ZILL

James Fanning bringt einen weiteren Beleg dafür, dass Arndt als Patron für eine Hochschule nicht geeignet ist. Bei seinem punktuellen Einwand übersieht er jedoch den zentralen Begriff in meinen Ausführungen: Im „allgemeinen Sprachgebrauch“ gab es den Begriff „Deutscher“ damals nicht. Ich hatte in das Interview auch den Begriff des „allgemeinen Bewusstseinshorizonts“ eingebracht, der aber aus Gründen der Allgemeinverständlichkeit fallengelassen wurde. Es geht nicht darum, dass der Begriff des „Deutschen“ vereinzelt schon früher auftauchte. In dieser Hinsicht kann ich zu den Beispielen, die Herr Fanning anführt, noch das Auftauchen des Wortes „Deutscher“ in einer Quelle aus dem Jahr 1509 hinzufügen.

  Insbesondere aber darf man nicht glauben, dass die Sprache Goethes, Hölderlins, Herders oder Schillers der „allgemeine Sprachgebrauch“ waren. Vielmehr geht es darum, und ich denke, dies auch klar ausgedrückt zu haben, dass der Begriff allen bekannt war und dass sich ein Jeder, der Deutsch sprach, auch darüber bewusst sein konnte, ob er nun ein Deutscher war oder nicht – und genau das war selbst Jahrzehnte, nachdem Arndt sein Lied „Was ist des Deutschen Vaterland?“ veröffentlicht hatte, noch immer nicht der Fall.

  Zu Rainer Schwenkes Einwänden wäre zu sagen, dass jeder, der weiß, was eine Klientelschrift ist und Arndts „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft“ zur Hand nimmt, sofort erkennt, dass es sich um eine solche handelt. Da es damals keine Stellenausschreibungen und Bewerbungen gab, musste man sich mit einem Geburtstagsgedicht oder einer Schrift, die man einem meist adligen Gönner, „Patron“, widmete, für eine höhere Laufbahn bewerben. Arndt wählte von Essen, den Stellvertreter des schwedischen Königs, als Widmungsträger, und so gelangte sein Buch direkt an den König Schwedens, eines Landes ohne Leibeigenschaft. Unerfindlich bleibt vor allem, warum die Empfehlungsschreiben, die Arndt mit auf seine Schwedenreise nahm, mit der Absicht, die er mit dem „Versuch“ verfolgte, kollidiert haben sollten. Ganz im Gegenteil: Beides ergänzte sich in idealer Weise und führte denn auch zum Erfolg.

Werner Buchholz, Inhaber des Lehrstuhls für Pommersche Geschichte, Universität Greifswald von 1994 bis 2013 „Deutsch“ schon

im Hochmittelalter Zum selben Thema: Im Folgenden soll zu der mehr als erstaunlichen Behauptung von Herrn Buchholz Stellung genommen werden, den Begriff der Deutschen habe es „damals“ im allgemeinen Sprachgebrauch nicht gegeben, sondern „deutsch“ habe lediglich die Sprache bezeichnet, bevor Arndt den Terminus „die Deutschen“ 1812/13 „erfunden“ habe, natürlich nur, um nicht die mit Napoleon verbündeten deutschen Fürsten zum Aufstand anstacheln zu müssen. Dieser These, die schon in dem den übrigen Ansichten von Buchholz völlig zustimmenden Leserbrief von Herrn Fanning aus literaturgeschichtlicher Sicht kritisiert wird (hinzuzufügen wäre etwa noch Mme. de Staël, die in ihrem Deutschland-Buch durchgängig von „den Deutschen“ spricht), soll hier auch von einem staats- und rechtsgeschichtlichen Standpunkt aus entschieden widersprochen werden.

  Dass die Begriffe „deutsch“ und „Deutsche“ schon im Hochmittelalter nicht lediglich in sprachlicher Bedeutung verwendet wurden, sondern durchaus auch eine politisch-verfassungsrechtliche Konnotation aufwiesen, belegt etwa der Sachsenspiegel, zum Beispiel wenn er sagt, die „dutschen“ sollen den König wählen, und der Spiegler deshalb – ob zu Recht oder zu Unrecht ist hier unerheblich – dem König von Böhmen die Befugnis zur Teilnahme an der Wahl des deutschen Königs bestreitet, weil er „nicht dutsch iz“. Der Zusatz „Deutscher (Teutscher) Nation“ zu „Heiliges Römisches Reich“ ist seit dem 15. Jahrhundert quellenmäßig, und spätestens im 18. Jahrhundert wird das Alte Reich im juristischen und politischen Schrifttum zum Beispiel bei den bekannten Staatsrechtlern Moser und Pütter selbstverständlich als „Teutsches“ beziehungsweise „Deutsches Reich“ bezeichnet. An diese längst eingeführte Bedeutung des Deutschen knüpfte E. M. Arndt bei seinem Eintreten für die deutsche Einheit an, und in diesem Kampf von Arndt für die deutsche Einheit dürfte letztlich der eigentliche Grund für die gegenwärtige Anti-Arndt- Kampagne zu finden sein.

Prof. Hans-Georg Knothe (in Rente), Greifswald Namen sind nicht Schall und Rauch Zu Uni-Umfrage: Mehrheit für Arndt (OZ vom ?.12.):

Am selben Tag in unserer OZ: 1. In Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich die Menschen am stärksten der Heimat verbunden. 2. Die Mehrheit der „Sonstigen Mitarbeiter“ der Universität Greifswald spricht sich für den Universitätsnamen „Ernst-Moritz-Arndt“ aus. Hier nicht Verwurzelte, Studenten wie Professoren, wollten und wollen immer noch in großer Zahl den Menschen, die an „ihrer“

Universität lebenslang, oft in mehreren Generationen, tätig sind, ein ganz wesentliches Stück Identität und Heimat nehmen. Das wird nun hoffentlich nicht so sein. Künftig sollten an unsere Alma Mater Berufene eine Loyalitätserklärung für die Ernst-Moritz-Arndt Universität abgeben, und die Studienbewerber sollten gefragt werden, was sie hier wollen: ihr Wissen mehren oder für kurze Zeit öffentliche Aufmerksamkeit erregen und dann wieder aus Greifswald verschwinden. Die natürliche Dialektik der Dinge und die Vernunft haben sich durchgesetzt, hoffentlich auf Dauer. Helmhold Seidlein Vom Exzellenten

Erfinden Zur Arndt-Debatte: Es fragte der Michel vor nicht langer Zeit /

wo in Greifswald die Exzellente Initiative bleibt / Heute die Antwort an Michel und Land /

Ernst Moritz Arndt die Deutschen erfand / Vermutlich um Viertel vor sechs beim letzten Bier /

sagte sich Arndt, was soll das hier / Der Freiheitskampf kommt nicht voran / ich erschaffe jetzt mal den Deutschen Stamm / Erfindergeist von solcher Tugend / gehört exzellent untersucht, zum Vorbild der Jugend / Der Michel erschaudert, er hört es krachen / über Pommern blitzt es, die Ahnen lachen.

Christoph Niedermeyer

Was ist des Deutschen Vaterland

Was ist des Deutschen Vaterland?

Ist´s Preussenland, ist´s Schwabenland?

Ist´s, wo am Rhein die Rebe blüht?

Ist´s, wo am Belt die Möwe zieht?

O nein! nein! nein!

Sein Vaterland muss grösser sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?

Ist's Bayerland, ist's Steierland?

Ist's, wo des Marsen Rind sich streckt?

Ist's, wo der Märker Eisen reckt?

O nein! nein! nein!

Sein Vaterland muss grösser sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?

Ist's Pommerland, Westfalenland?

Ist's, wo der Sand der Dünen weht?

Ist's, wo die Donau brausend geht?

O nein! nein! nein!

Sein Vaterland muss grösser sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?

So nenne mir das grosse Land.

Ist's Land der Schweizer, ist's Tirol?

Das Land und Volk gefiel mir wohl

doch nein! nein! nein!

Sein Vaterland muss grösser sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?

So nenne mir das grosse Land.

Gewiss, es ist das Österreich

an Ehren und an Siegen reich?

O nein! nein! nein!

Sein Vaterland muss grösser sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?

So nenne endlich mir das Land!

So weit die deutsche Zunge klingt

und Gott im Himmel Lieder singt,

das soll es sein!

das, wackrer Deutscher, nenne dein!

das nenne dein!

Das ist des Deutschen Vaterland

wo Eide schwört der Druck der Hand,

wo Treue hell vom Auge blitzt

und Liebe warm im Herzen sitzt.

das soll es sein!

das, wackrer Deutscher, nenne dein!

das nenne dein!

Was ist des Deutschen Vaterland

wo Zorn vertilgt den welschen Tand

wo jeder Frevler heißet Feind

wo jeder Edle heißet Freund

Das soll es sein, das soll es sein

das ganze Deutschland soll es sein

Das ganze Deutschland soll es sein!

O Gott vom Himmel, sieh darein!

Und gib uns rechten deutschen Mut

dass wir es lieben treu und gut!

Das soll es sein!

Das soll es sein!

Das ganze Deutschland soll es sein!

OZ

Unmut bei den Greifswalder Kaninchenzüchtern: Das Vereinshaus und 14 Schuppen sollen vermutlich 2019 dem Neubau einer Grundschule weichen. „Bislang hat die Stadt ihr Versprechen noch nicht eingelöst, Ersatzflächen anzubieten. Der Bau ist dringend notwendig, weil die Schülerzahlen steigen.

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