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Greifswald Studenten legen Veto ein
Vorpommern Greifswald Studenten legen Veto ein
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07:00 27.07.2015
Prof. StammKuhlman
Greifswald

Heute legen die Studenten der Geistes- und Sozialwissenschaften schriftlich ihr Veto gegen den Beschluss des Rates der Philosophischen Fakultät zu Neustrukturierungen und Einsparungen ein. Er war am Mittwoch letzter Woche mit 17 zu fünf Stimmen verabschiedet worden (die OZ berichtete). Nach Lesart der Studenten haben sie als Statusgruppe ein Vetorecht. Die Folge: Der Fakultätsrat müsste im Oktober erneut beraten und beschließen.

´Die Studenten wollen keine weiteren Abstriche in Lehre und Forschung an der durch das Landespersonalkonzept von 2004 um etwa ein Drittel geschrumpften Fakultät hinnehmen. Sie fordern neue Stellen, die beispielsweise über die Wohnsitzprämie (zahlt Schwerin, wenn sich Studenten aus anderen Bundesländern in MV anmelden) bezahlt werden könnten. Mittel des strategischen Fonds des Bildungsministers sowie Umschichtungen innerhalb der Hochschule gehören auch zum Wunschkatalog. Als wichtigste Ursache der Probleme gilt der 2010/11 entgegen den ursprünglichen Vorgaben beschlossene Erhalt der Lehrerbildung. Dafür sind Stellen nötig.

Um ein Defizit in den kommenden Jahren zu vermeiden, muss die Fakultät neun Vollzeitstellen abbauen. Das ist im öffentlichen Dienst kurzfristig nicht machbar, da niemand entlassen wird. Alternativ zum Stellenabbau können auch Mittel im Haushalt umgeschichtet oder extern Geld eingeworben werden.

Das ist wohl eine Chance für die Baltistik, deren Bachelorstudiengang laut Beschluss spätestens zum Wintersemester 2016/17 eingestellt wird. Im Masterstudium soll es das Fach weiter geben. Eine Bitte der Universität um Unterstützung für die Ukrainistik durch den Bund ist schon unterwegs. Entgegen früheren Vorschlägen erfolgt bei den Musikwissenschaftlern zwar ein Abbau, aber Professur und Studiengang bleiben. Insgesamt geht es laut Prodekanin Prof. Monika Unzeitig um ein künftig drohendes Minus von etwa 650000 Euro. Sofort wirksam zur Verringerung des Finanzlochs werden die 150

000 Euro, die laut Beschluss aus dem Sachmittel- in den Personaletat überführt werden. Indem jede frei werdende Stelle ein halbes Jahr nicht besetzt wird, will die Fakultät aktuell Geld für die Finanzierung von 0,6 und ab 2019 für 1,5 Stellen sparen.

„Die Einschnitte sind schmerzhaft. In den Diskussionen wurden Sparziele, Einsparpotenziale und fachliche Überlegungen gegeneinander abgewogen, und so bleiben Arbeitsfähigkeit und Vielfalt der Fakultät erhalten“, kommentiert der Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Thomas Stamm-Kuhlmann.

Das sieht der Slawistikprofessor Bernhard Brehmer anders, an dessen Institut 2,5 Stellen (die es laut Personalkonzept von 2006 nicht mehr geben dürfte, so der Fakultätsgeschäftsführer) abgebaut werden. Außerdem ist geplant, eine Professur zeitweise nicht zu besetzen. Brehmer ist überzeugt, dass damit das Studium der Ukrainistik in Greifswald gefährdet ist.

Prof. Micha Werner appellierte auf der Sitzung vergeblich, nicht durch ein Veto die Arbeit der Fakultät für Monate zu lähmen. Damit drohten Haushaltssperren, was ungerechter sei. Prof. Hubertus Buchstein bat die Studenten, nicht immer „wie ein Kaninchen auf die Schlange Sparmaßnahmen“ zu schauen. Nur wenn es freie Mittel im Haushalt gebe, könne man den von den Studenten gewünschten Lehramtsstudiengang Sozialkunde in Greifswald etablieren. Auch benötige die Fakultät Spielräume, um exzellente Wissenschaftler nach Greifswald zu ziehen und hier zu halten, erinnerte Buchstein.

Fakultät plant Sprachenzentrum
Um die Internationalisierung der Universität voranzubringen, plant die Philosophische Fakultät in ihrem Strukturkonzept ein Sprachenzentrum. Hier wird auch Deutsch als Fremdsprache integriert. Das Zentrum soll als zentraler Koordinator der vorhandenen Kapazitäten aktiv werden. Einsparungen werden nicht erwartet. Die Lektoren bleiben an ihren Instituten.



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