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Greifswald Studentenkalender schwer in der Kritik
Vorpommern Greifswald Studentenkalender schwer in der Kritik
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06:33 29.07.2015
Der umstrittene Cartoon von Kai-Uwe Makowski. Er löste nach seiner Veröffentlichung eine intensive Debatte in der Internetgemeinde aus.
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Greifswald

Ein „Tapir“, der als Gentechniker einen steuerzahlenden Griechen schaffen will, scheitert an der selbst gestellten Aufgabe. Die Kunstfigur produziert aber einen arbeitenden Rumänen. Der Cartoon „Respekt“ von Kai-Uwe Makowski mit dieser satirischen Darstellung ist in dem vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) herausgegebenen Kalender Sommermoritz erschienen. Er verschafft der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in diesen Tagen ungewollte Aufmerksamkeit. Im Internet löst die satirische Darstellung deutscher Vorurteile viel Kritik aus.

Der Kalender erscheint unter dem Dach der Moritz-Medien und wurde bereits im April, zu Beginn des Sommersemesters, kostenlos verteilt. Es ist ein unscheinbares Heft im Jackentaschenformat. Der Aufreger-Cartoon ist weit hinten abgebildet und wurde schwarz-weiß gedruckt.

Dennoch wurde er offenbar wahrgenommen und löste eine Empörungswelle in der Netzgemeinde aus. Ein Typ mit dem Pseudonym „MuGo Gonzalez“ twitterte, also zwitscherte, die „Witzseite des Greifswalder Studentenkalenders“ am 26. Juli der Netzgemeinde ins Ohr. Er war offenbar beim Boddencup der studentischen Debattierer aus ganz Deutschland am Wochenende in Greifswald mit dabei.

Und dann brach der Sturm los. Selbst der Vergleich mit dem antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“ wird bemüht. „,Beste Stürmer-Qualität‘ — Studenten lösen Shitstorm aus — mit diesem schockierenden Comic“ griff die Huffington Post das Thema mit dem Zitat eines der Diskutanten auf. Davon gibt es inzwischen jede Menge. Darunter auch viele Verteidiger Makowskis. Satire dürfe alles, heißt es immer wieder.

Auch die Süddeutsche Zeitung griff auf ihren Internetplattform das Thema auf und meint, dass die Darstellung die Grenzen der Satire ausreizen würde. Und bei stern.de lautet die Überschrift gar „Studentenblatt Greifswald druckt rassistischen Cartoon“. Weiter heißt es: „Der Cartoon ist so flach, dass er eigentlich keiner Erwähnung bedürfte — wäre er nicht in einem Kalender für Studenten abgedruckt worden. Weder zeichnerisch noch sprachlich ist der Comic relevant.“

Cartoonist Kai-Uwe Makowski steht zu seinem Werk. Auf der Internetseite des Moritzmagazins sagt er: „Satire darf auch weh tun.“

Der Greifswalder Professor für Religions- und Medienpädagogik Roland Rosenstock bescheinigt Makowski mittelmäßiges Niveau. „Er versucht sich mit mäßigem Erfolg in schwarzem Humor.“ Makowski könne sich als Künstler über so viel unerwartete bundesweite Aufmerksamkeit freuen. Seit 1998 erscheint in jedem Moritzmagazin sowie den Kalendern ein Comic-Strip des Cartoonisten. Schon 2008 sorgten Antisemitismusvorwürfe gegen Makowski für viel Aufsehen.

„Ich habe mir seine Cartoons angeschaut“, sagt Rosenstock. „Für mich ist er ein Zyniker und auf keinen Fall ein Rassist.“ Auch habe der Cartoon keine konkreten Personen dargestellt, erinnert der Professor. Vergleiche mit Mohammed- oder Papst-Karikaturen könne man nicht ziehen. Und: „Für mich ist das Tapir-Cartoon Satire.“

Die Moritz-Medien-Geschäftsführer und Chefredakteure Lisa Klauke-Kerstan, Paul Zimansky und Enzo Petzold rudern zurück. In einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite distanzieren sie sich „ausdrücklich von jeglichem Inhalt, der andere Menschen in ihrer Herkunft diskriminiert, und entschuldigen uns ausdrücklich bei allen, die sich von dem Comic verletzt fühlen“. Künftig wollten sie darauf achten, dass abgedruckte Cartoons „den schmalen Grad zur Geschmacklosigkeit nicht noch einmal überschreiten, ohne die spitze Zunge zu verlieren.“ Bei einer OZ-Umfrage waren die Meinungen zum Cartoon geteilt. Cornelia Kropf(59) aus Greifswald fand die Darstellung grenzwertig. „Der Comic spielt so schön mit den Vorurteilen, die wir alle haben“, findet dagegen Werner Autenrieth (69): „Es ist klasse, dass das Thema so ironisch gebrochen wurde.“ Er sei im Ausland oft als Nazi bezeichnet worden, „damit muss man leben und ironisch umgehen.“

Die studentischen Moritz-Medien
Das moritz.magazin und seine Ableger bieten laut Selbstdarstellung neben hochschulpolitischen Neuigkeiten auch kulturelle Informationen über Greifswald. In jedem Semester erscheinen die kostenlosen Terminkalender sommer.moritz beziehungsweise winter.moritz.
moritz.tv will nicht nur informieren, sondern mit Kurzfilmen und Bildern von Kulturveranstaltungen auch unterhalten.
Der webmoritz hat den Anspruch, das studentische Onlineportal für und von Studenten der Universität Greifswald zu sein.
Alle Produkte der Moritz-Medien werden ehrenamtlich von Greifswalder Studenten erstellt und richten sich vor allem an die Hochschulangehörigen.
Dieser Tapir- Cartoon ist Satire.“Prof. Roland Rosenstock,
Medienpädagoge



Eckhard Oberdörfer

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