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Greifswald Syrer in Greifswald: Der Traum vom eigenen Laden
Vorpommern Greifswald Syrer in Greifswald: Der Traum vom eigenen Laden
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10:12 30.09.2019
Der Kosovo-Albaner Perparim Osmani und der Syrer Imad Almahmoud (v.l.) eröffnen am Sonnabend ihren Laden im Schuhhagen. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Mit nichts floh Imad Almahmoud 2015 aus seinem Heimatland Syrien. Wie viele Tausend andere wollte er dem Krieg entkommen. Dafür ließ er sein kleines Geschäft zurück. Den Laden in Syrien, so erzählt der 31-Jährige, existiert nun nicht mehr.

Heute blickt der Syrer auf die vergangenen vier Jahre seit seiner Flucht zurück. Bereits im ersten Monat nach seiner Ankunft in Deutschland kümmerte er sich um einen Job. Bei einem Greifswalder Barbier fing er wie in Syrien als Friseur an. Deutsch sprach er nicht. Nach und nach eignete er sich die Sprache an.

„Ich wollte mich wieder selbstständig machen“

Nach einem Jahr Anstellung lernte er Perparim Osmani kennen. Der Friseurmeister, der selbst vor 21 Jahren aus dem Kosovo floh, hatte bereits einen Laden in der Langen Reihe. Der ebenfalls 31-jährige Friseur stellte den Syrer ein. Doch Almahmoud wollte da weitermachen, wo er in seinem Heimatland aufgehört hat: „Ich wollte mich wieder selbstständig machen.“ Am Sonnabend eröffnen die beiden Geschäftspartner mit einer großen Feier ab 18 Uhr nun einen weiteren Laden im Schuhhagen.

Imad Almahmoud hat es geschafft, Arbeit in einem fremden Land gefunden und sich nun selbstständig gemacht. Doch ist der Syrer damit eine Ausnahme? Im Landkreis Vorpommern-Greifswald gibt es über 2300 gemeldete Geflüchtete einschließlich Kinder und Jugendlichen. (Stand 30. Juni 2019). 218 Personen befinden sich in einer Anstellung. Weitere 63 Personen gehen einer geringfügigen Beschäftigung nach (Stand Dezember 2018). Hinzu kommen 34 Geflüchtete, die 2018 eine Ausbildung begonnen haben.

Geflüchtete junge Menschen haben ähnliche Ausbildungswünsche wie deutsche Jugendliche

Es sei ein langer Prozess, sagt Anna Gatzke, Integrationsbeauftragte der Stadt, Geflüchtete in Arbeit zu integrieren. Eine großes Hindernis sind Sprachkenntnisse. Deutsch sei oft unabdingbar für Unternehmen. Die Zahl der Geflüchteten in festen Anstellungen und auch auf Minijob-Basis sieht sie positiv. „Größenteils sind die Unternehmen offen. Eine Grundoffenheit ist auf jeden Fall da.“ Ein positives Beispiel dafür ist die Hotel- und Gastronomiebranche. Dennoch gebe es in verschiedenen Branchen Betriebe, die es konsequent ablehnen, mit Geflüchteten zu arbeiten, so Gatzke.

Über die Hälfte der Flüchtlinge im Landkreis leben in Greifswald. „Ein Drittel davon sind im Alter von 0 bis 18 Jahren. Weitere rund 35 Prozent sind im Alter von 14 bis 27 Jahren“, klärt Gatzke auf. Die Ausbildungswünsche der Jugendlichen würden sich kaum von den hiesigen jungen Leuten unterscheiden. Ausbildungen beispielsweise zum Bürokaufmann und – kauffrau stehen hoch im Kurs. Doch auch hier sind für die Berufsschule gute Sprachkenntnisse entscheidend.

„Größenteils sind die Unternehmen offen“, sagt Anna Gatzke, Integrationsbeauftragte der Stadt. Quelle: Pressestelle der Stadt

Zusammenarbeit funktioniere auch ohne große Sprachkenntnisse

Der Geschäftsführer Ingo Cziollek des Industrie- und Werkzeugbautechnik-Unternehmens Cziotec beschäftigt über 100 Mitarbeiter. Darunter auch vier Flüchtlinge. „Drei von ihnen, zwei Ukrainer und ein Albaner, machen derzeit eine Ausbildung zum Metallbauer bei uns. Dann beschäftigen wir noch einen Syrer“, so der Unternehmer. Vor allem für die Berufsschule sei die deutsche Sprache unabdingbar, so Cziollek weiter. „Dafür nehmen sie auch noch Nachhilfe.“

Auch ohne große Sprachkenntnisse funktioniere die Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern, sagt Cziollek. Seine Entscheidung für die Flüchtlinge bereut er nicht. „Auch bei uns ist es schwierig, neue Lehrlinge zu finden, und mit ihnen passt es.“

Geflüchtete beschäftigen Geflüchtete

Auf das Jobcenter wollte der Syrer Imad Almahmoud von Beginn an verzichten. „Ich wollte lieber arbeiten.“ So wie viele andere Flüchtlinge auch, sagt sein Geschäftspartner Perparim Osmani. Allerdings seit damit sehr viel Bürokratie verbunden und erschwere die Zusammenarbeit. Doch auch hier gibt es Unterstützung, wie die Integrationsbeauftragte weiß. Eine Stelle ist beispielsweise der Integrationsfachdienst Migration für die Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald. Sie helfen sowohl Unternehmen als auch Geflüchteten, um eine Zusammenarbeit zu erleichtern und zu ermöglichen.

Die Mitarbeiter von Perparim Osmani und Imad Almahmoud haben ein ähnliches Schicksal hinter sich und mussten ihre Heimat verlassen: „Ihnen wollen wir eine Chance geben. Das ist uns sehr wichtig“, sagt Osmani. Sein Geschäftspartner Imad Almahmoud wünscht sich vor allem eines für die Zukunft: „Dass alle eine Arbeit haben.“

Über die Autorin

„Tag des Flüchtlings“ in Greifswald

Am Freitag, 27. September, findet bundesweit der „Tag des Flüchtlings“ statt, an dem sich auch die Hansestadt beteiligt. Von 13 bis 16 Uhr informieren verschiedene Einrichtungen und Projekte auf dem Fischmarkt über das Thema Flucht und Asyl. Dies soll Greifswaldern die Möglichkeit geben, mehr über die Situation von Greifswalder Geflüchteten zu erfahren. Mit dabei sind unter anderem die Migrationsberatung der Caritas, das Patenschaftsprojekt des Bürgerhafens, das Psychosoziale Zentrum für Asylsuchende und MigrantInnen, das Begegnungszentrum Mole oder der Zora Kinder- und Jugendhilfe. Um 18 Uhr findet im Jacobiturm (An der Jacobikirche 6A) die Filmvorführung von„The Remains - Nach der Odysee“ statt. In der preisgekrönten Doku werden zwei Brüder begleitet, die auf dem Meer vor Lesbos ihre Familie verloren haben.

Von Christin Lachmann

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