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Greifswald Theaterstreit: Gewerkschaften zögern Verhandlungen hinaus
Vorpommern Greifswald Theaterstreit: Gewerkschaften zögern Verhandlungen hinaus
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00:00 31.03.2017
Zu den aktuellen Produktionen des Theaters Vorpommern gehört „Friday Night“ – mit Anne Greis, Chiaretta Schörnig, Katja Hirsch, Marvin Rehbock und Claudia Lüftenegger. Die nächste Vorstellung steht in Greifswald am 11. April auf dem Spielplan. Quelle: Foto: Vincent Leifer
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Stralsund/Greifswald. Der Tarifstreit am Theater Vorpommern spitzt sich zu. Eine Einigung vor dem 1. April ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaften kündigten an, das am Mittwochabend vorgelegte Angebot der Arbeitgeberseite zunächst mit den Theaterbeschäftigten diskutieren und dann mit den Tarifkommissionen abstimmen zu wollen. „Wir werden jetzt einen Termin mit den Mitarbeitern suchen. In dieser Woche wird das aber nichts mehr“, sagte die Landesvorsitzende der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Sabine Nolde.

Bis zum 1. April keine Entscheidung über das Arbeitgeberangebot

Die Verhandlungen über einen neuen Haustarif waren am Mittwochabend trotz eines verbesserten Arbeitgeberangebots ohne Ergebnis zu Ende gegangen (die OZ berichtete). Die Gewerkschaften bezeichneten das Angebot als „sehr, sehr schwierig“ und kündigten eine Prüfung an. „Wir sind nicht unwillig“, sagte Nolde. Aber die Situation für die Beschäftigten, die seit 20 Jahren auf Gehalt verzichten, sei schwer zu ertragen.

Kommt es im April zu keiner Einigung, müsste das Theater seinen 276 Beschäftigten nach dem Flächentarif 17 Prozent mehr Gehalt zahlen. Das Theater befürchtet dann eine Insolvenz. „Die Zukunft unseres Theaters steht in wenigen Tagen an einem Scheideweg“, sagte der Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). „Mehr Geld klingt erst mal gut, heißt aber, dass unmittelbar Zahlungsunfähigkeit und damit Überschuldung drohen, was wiederum die Insolvenzanmeldung zwingend erforderlich macht.“

Der Konflikt müsse im April gelöst werden, sodass die Löhne gezahlt werden können, sagte er. Badrow hatte am Mittwoch gemeinsam mit seinem Greifswalder Amtskollegen Stefan Fassbinder (Grüne) die Verhandlungen geführt.

Gewerkschafterin Nolde kritisierte den vonseiten der kommunalen Theaterträger aufgebauten Zeitdruck: „Die Gehälter werden erst zum Monatsende gezahlt. Damit muss das Theater nicht zum 1. April Insolvenz anmelden.“ Die Abstimmungen benötigten Zeit.

Gesellschafter des Theaters Vorpommern sind die Hansestädte Stralsund und Greifswald sowie zu einem deutlich geringeren Anteil der Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Trägerkommunen und das Land hatten den Gewerkschaften ein Angebot vorgelegt, das bis zur Fusion zum „Staatstheater Nordost“ eine Steigerung um 9,5 Prozent vorsieht. Die beiden Oberbürgermeister hatten den Gewerkschaften ursprünglich nur ein Angebot über eine Steigerung von 4,75 Prozent in Aussicht gestellt, den Betrag aber in den Verhandlungen überraschend verdoppelt. Die Steigerung soll stufenweise erfolgen und im Jahr 2018 abgeschlossen sein. Die letzte Stufe in Höhe von 2,25 Prozent trägt das Land allein, an den vorherigen Lohnerhöhungen beteiligt es sich mit einem Anteil von jeweils 55 Prozent. Den Rest müssen die kommunalen Theatergesellschafter tragen. Kommunen und Theaterleitung sehen darin ein Signal, dass es das Land mit der Beteiligung am Staatstheater ernst meine.

Allerdings steht das von Badrow und Fassbinder deutlich erhöhte Angebot noch unter einem Haushaltsvorbehalt. Sowohl in Stralsund als auch in Greifswald müssen die Bürgerschaften noch zustimmen, weil beide Stadtkassen damit deutlich stärker belastet werden als geplant. Die zusätzlich angebotenen Tariferhöhungen in 2018 würden den Greifswalder Haushalt erneut mit rund 140000 Euro belasten, sagte die Sprecherin der Greifswalder Stadtverwaltung, Andrea Reimann. In Stralsund ist die Situation ähnlich.

Für dieses Jahr beläuft sich die Erhöhung der Zuschüsse, sollten die Gewerkschaften dem Angebot zustimmen, für jede der beiden Hansestädte auf rund 100000 Euro. Dieser Summe hatten die Bürgerschaftsfraktionen am Ryck und am Sund zugestimmt. In Stralsund sollen sich die Fraktionen nach übereinstimmenden Angaben allerdings intern dagegen ausgesprochen haben, zusätzliche Mittel darüber hinaus für den Erhalt des Theaters bereitzustellen.

Badrow als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung hofft zunächst auf die Zustimmung durch die Gewerkschaften. Er sei zuversichtlich, sagte er. Eine Insolvenz und damit Schließung der Theaterhäuser wäre für alle Kulturliebhaber in der Region ein Fiasko.

Martina Rathke und Benjamin Fischer

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