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Greifswald Tierkadaver und Fässer landen im Wald
Vorpommern Greifswald Tierkadaver und Fässer landen im Wald
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00:13 03.03.2018
Das Fass liegt zwischen Koserow und Loddin im Erlenbruch – Anzeige wurde im Mai 2017 erstattet. Passiert ist noch nichts. Quelle: Foto: Hartmut Herrgott
Vorpommern-Greifswald

„Das alte Ölfass liegt fast ein Dreivierteljahr in der Natur. Ich habe Anzeige erstattet, doch passiert ist bis heute nichts. Das ist eine große Sauerei“, kritisiert Hartmut Herrgott aus Kölpinsee aus der Insel Usedom. Den Fund im Erlenbruch zwischen Koserow und Loddin hat er im Mai 2017 dem Amt Usedom Süd gemeldet. „Zuständigkeitshalber wurde das Verfahren zur weiteren Bearbeitung an den Landkreis Vorpommern-Greifswald übergeben“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Sven Wellnitz vom Südamt.

Über 1000 Verstöße gab es vergangenes Jahr in Vorpommern. Dauerthema: in die Natur geworfene Altreifen.

Kein Einzelfall – die ungezügelte und vor allem illegale Müllentsorgung wird immer mehr zu einem Problem im Landkreis. „Im vergangenen Jahr wurden rund 450 illegale Müllablagerungen zur Anzeige gebracht. In vielen Fällen konnten die Verursacher ermittelt werden“, sagt Achim Froitzheim, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Die Anzeige aus dem Südamt liege beim Kreis vor, der Verursacher wurde in dem Fall nicht gefunden. „Umweltgefahren gehen von dem Fass nicht aus, weil es nicht mit Flüssigkeiten gefüllt ist. Der Auftrag zur Beräumung wurde in den Tourenplan aufgenommen“, so Froitzheim.

Altreifen türmen sich in der Natur

Wenn es um die illegale Müllentsorgung geht, sind es häufig auch Altreifen, die in der Natur abgekippt werden. „Das kommt mehrmals im Jahr vor, besonders in alten Siloanlagen. Zum Abdecken der Silage werden diese Reifen benutzt. Alte Siloanlagen haben wir am Plattenweg zwischen Zinnowitz und Bannemin sowie in den Wiesen zwischen Zinnowitz und Trassenheide“, sagt Bernd Meyer vom Ordnungsamt des Amtes Usedom Nord.

Im Sommer 2016 gab es einen besonders unverschämten Fall in Mölschow: Unbekannte hatten an der Kreisstraße zwischen Mölschow und Zecherin 60 Altreifen auf illegale Weise entsorgt. Die Leidtragende war damals die Grundstückseigentümerin, die vom Kreis aufgefordert wurde, die Beräumung vorzunehmen.

Von illegal entsorgten Tierkadaver berichtet Erik Plötz, Chef des Ordnungsamtes vom Amt Lubmin. „Dabei handelte es sich um Kaninchen, Hühner und Fischabfälle.“ Wenn es um große Müllverkippungen geht, taucht immer wieder die Gemeinde Brünzow auf, wie Plötz betont. „Wiederkehrende Standorte sind die Verbindungswege von Brünzow nach Loissin, von Klein Ernsthof nach Stilow und der Wald in Kräpelin.

In der Gemeinde Lubmin wird sehr viel Müll im Wald nahe der ehemaligen Einfahrt Energiewerke Nord abgelegt. Häufig werden Grünschnitt, Bauschutt, Farbeimer, Sperrmüll, Reifen, Hausmüll und Verpackungsmaterial verkippt“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Mitunter machen sich die Umweltfrevler auch große Mühe, das abgekippte Material zu verstecken. „Wir hatten so einen Fall in der Nähe von Ribnitz-Damgarten. Dort wurden ganze Asbestplatten verbuddelt“, sagt Olaf Manzke, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen. Um die 600 Anzeigen registrierte er im vergangenen Jahr. „In den meisten Fällen werden die Verursacher nicht gefunden. Jedes Jahr hält der Landkreis mehrere 10000 Euro im Haushalt bereit, um im Notfall den Unrat abzutransportieren.“

Warum nicht zum Wertstoffhof?

„Die Leute haben es doch gar nicht nötig. Sie können ihr Zeug zu den Wertstoffhöfen bringen. Außerdem haben wir in den Müllgebühren auch die Sperrmüllabholung inklusive. Ich rate jedem, sich über den korrekten Umgang mit Abfällen zu informieren“, so Sprecher Manzke.

Damit spricht er Hartmut Herrgott aus Kölpinsee aus dem Herzen. „Ich verstehe die Leute nicht, die Müll in die Natur schmeißen.“ Seine nächste Anzeige beim Südamt dürfte nicht lange auf sich warten lassen. „Zwischen Krienke und Morgenitz wurde an einer Böschung nahe der Kurve Müll abgekippt – Planen, Folien, Dachpappe. Da hat doch bestimmt jemand seinen Schuppen abgerissen.“

„Geldbußen schrecken nicht ab“

In wie vielen Fällen konnten die Verursacher ermittelt werden?

Olaf Manzke: Bezogen auf die Fälle im Landkreis zu wenige. Da scheinen auch die Geldbußen von bis zu einhunderttausend Euro, die sich aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ergeben, keine ausreichend abschreckende Wirkung zu entfalten. Wir freuen uns über jede Anzeige, bei der es die Bereitschaft gibt, als Zeuge zur Verfügung zu stehen.

In welcher Region gibt es besonders viele illegale Müllentsorgungen?

Es tut sich keine Region hervor. Wobei es unsere Aufgabe ist, abfallrechtswidrige Tatbestände zu verfolgen, die bewusst oder fahrlässig verursacht werden. Dabei grenzen wir uns vom sogenannten Littering ab, der achtlosen Verschmutzung öffentlicher Flächen, meist durch achtloses Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen – angefangen bei der Zigarettenkippe über Hundekot bis hin zu Getränkeverpackungen und ähnlichen Abfällen. Dabei handelt es sich mehr um ein Problem der Ordnung und Sauberkeit in Städten und Gemeinden.

Was war bisher der spektakulärste Fund?

Spektakulär sind immer wieder Fälle, in denen Gebäude, die leerstehen, bis unter die Decke mit Müll gefüllt werden. Hier findet man so praktisch alles, was Haushalt und Gewerbe hergeben. Das kann auch ein Familienfotoalbum sein.

Wie wird bei einer Feststellung die Beräumung organisiert?

Hier trifft es überwiegend die Flächeneigentümer, die von uns in ordnungsrechtlichen Verfahren zur Beräumung herangezogen werden. Handelt es sich um Sachverhalte, in denen der Landkreis für die Entsorgung aufkommen muss, werden Angebote von ortsansässigen Entsorgungsunternehmen eingeholt und die Beräumung und Entsorgung beauftragt. Eigene Beräumungstrupps besitzt der Landkreis nicht. Den wesentliche Kostenpunkt stellen gegenüber den eigentlichen Entsorgungskosten die Kosten dar, die für die Beräumung anfallen.

Wie ist die Entwicklung im Landkreis? Nimmt die illegale Entsorgung zu oder ist die Tendenz abnehmend?

Tendenzen zeichnen sich nicht ab. Mitunter verlagern sich Schwerpunkte auf Grund abfallpolitischer Veränderungen.

Interview: Henrik Nitzsche Henrik Nitzsche

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