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Greifswald Hubertusmesse: Kirche weist Kritik von Tierschützern zurück
Vorpommern Greifswald Hubertusmesse: Kirche weist Kritik von Tierschützern zurück
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09:45 08.11.2019
Die Usedomer Jagdhornbläser werden am Freitag in der Kirche St. Marien zu hören sein. Quelle: privat
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Usedom/Greifswald

Die grünen Reiterröcke sind ausgebürstet, die Stiefel gewienert, die breite weiße Krawatte (Plastron) gebügelt und der Hut ausgebeult: Am Freitag, 8. November um 19 Uhr, findet die alljährliche Hubertusmesse in der Greifswalder Kirche St. Marien statt, die musikalisch von den Usedomer Jagdhornbläsern und der Jagdhornbläsergruppe Greifswald begleitet wird. Bei der Messe erhalten Jäger den kirchlichen Segen für die Jagd. Doch das ruft Kritiker auf den Plan.

Allen voran die Tierrechtsorganisation „Peta“, mit Hauptsitz in Stuttgart, verurteilt das „Töten mit kirchlichem Segen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Messen seien daher nicht mit der christlichen Ethik der Achtung vor dem Leben vereinbar und würden häufig den Auftakt zu besonders grausamen Drückjagden bilden, so ihre Meinung.

Der Gottesdienst bei der Hubertusmesse stehe im Vordergrund

Während „Peta“ an die Kirchenvertreter appelliert, sich „künftig von den gewaltverherrlichenden Messen zu distanzieren“, sieht Bernd Magedanz, Pastor der Kirche St. Marien, der morgen die Messe leitet, den Hauptaugenmerk vor allem auf dem Gottesdienst. „Diesen machen wir für alle, so auch für die Jäger, die ihren Beruf verstehen und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung haben“, so der Pastor. Bei der Hubertusmesse stehe vor allem die Musik im Vordergrund, so Magedanz weiter.

„Die Pressemitteilung von ’Peta’ lässt wieder einmal tief in die Gedankenwelt der sogenannten Tierschützer blicken. Erst fordern sie Passanten auf, gegen Angler vorzugehen, nun haben sie sich offensichtlich die Jäger als ein neues Feindbild gesucht“, ärgert sich der Kreis-Chef der CDU-Vorpommern-Greifswald Franz-Robert Liskow. Bis zu 180 Pflichtstunden müssen angehende Jäger in Theorie und Praxis absolvieren. Regelmäßige Schießübungen, fachliche Weiterbildungen, Jagdpraxis sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, wie Umwelt und Artenschutz, gehören zum Alltag eines jeden Waidmanns, erklärt Landtagsabgeordnete Liskow weiter. „Jäger sind auch Naturschützer. Die falschen Verdächtigungen von ’Peta’ sind daher unerträglich und zeigen, dass die selbst ernannten Tierschützer aus Stuttgart wohl recht selten mit echten Jägern in Kontakt kommen.“

Hubertus von Lüttich: ein ausschweifender Jäger

Alexander Krüger von den Grünen missfällt vor allem die Art, wie die Kritik geäußert wird: „Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, sich vor Ort die Messen anzuhören und mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen, anstatt standardisierte Briefe zu verschicken.“ Darüber hinaus müsse bei dem Thema Jagd differenziert werden, so Krüger. „Zum einen ist die Jagd ein Handwerk, das eine nachwachsende Ressource nutzt und wichtig ist, um Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft zu verhindern.“ Auf der anderen Seite, so Krüger, seien viele Praktiken hinsichtlich des Tierschutzaspektes sehr kritisch zu bewerten. „Dies gilt beispielsweise für die Jagd auf Füchse mit Fallen oder mit Hunden, die in Bauten auf die Füchse gehetzt werden.“

Die Hubertusmesse wird zur Erinnerung an den Heiligen Hubertus von Lüttich durchgeführt. Der Überlieferung nach war Hubertus als junger Mann ein ausschweifender Jäger. Später erkannte Hubertus in allen Wesen Geschöpfe Gottes. „Die Hubertusmesse verkennt, dass der heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde“, sagt Nadja Michler von „Peta“. Pastor Bernd Magedanz weist hingegen drauf hin, dass es verschiedene Überlieferungen gab.

Über die Hubertusmesse

Die Hubertusmesse findet traditionell um den 3. November, dem Hubertustag, statt. Sie kann unter freiem Himmel im herbstlichen Wald abgehalten werden, aber auch in einer herbstlich geschmückten Kirche stattfinden. Die Hubertusmesse gilt heute als eine Art Kirchenkonzert, bei dem vor allem Horninstrumente eingesetzt werden, um die Feier zu musikalisch zu begleiten. Die Jäger erhalten bei der Hubertusmesse den Segen für die Jagd. In Greifswaldfindet die Hubertusmesse am 8. November um 19 Uhrin der Kirche St. Marien statt. Nach der Messe gibt es Glühwein und einen kleinen Imbiss. Am 9. November um 16 Uhr findet in der Kirche Hoppenrade die Messe statt und am 10. November um 16 Uhr in der Kirche St. Nicolai Gützkow.

Die Hubertusmesse auf der Insel Usedom fand am 3. November zum Abschluss der Wildwochen statt, an der die Usedomer Jagdhornbläser beteiligt waren. Die Bläser bereiten sich immer mit großer Akribie auf diese Messen vor, um den hohen Erwartungen der Besucher auch gerecht zu werden und ihre Herzen auf ganz besondere Weise zu berühren. Frank Iffert, ein „Frischling“ der Usedomer Jagdhornbläser betont, „das Tolle am Hornblasen ist die Tatsache, dass unser Körper das eigentliche Instrument ist, das Horn verstärkt nur, was wir mit unserer Luft und unseren Lippen zusammenbringen.“ Für ihn sei es absolut überraschend gewesen, welch’ fantastische Harmonien innerhalb der Naturtonreihen herauskommen. „Es ist einfach ein großartiges Gefühl, ein Teil von diesem Klang sein zu können“, versichert er.

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