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Greifswald Greifswalder Traditionsschiff wird 100 Jahre alt
Vorpommern Greifswald Greifswalder Traditionsschiff wird 100 Jahre alt
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Die „Hanne Marie“ ist ein 1919 gebautes Traditionsschiff aus Dänemark, das seinen Heimathafen heute in Greifswald hat und vom Verein "Hanne Marie Segeln" betrieben wird. Quelle: Hanne Marie Segeln
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Greifswald

Ein runder Geburtstag erwartet die Mitglieder vom Verein „Hanne Marie Segeln“. Das namensgebende Traditionsschiff im Greifswalder Museumshafen wird 100 Jahre alt. Viel erlebt hat es schon, doch für den Fortbestand könnten die nächsten fünf Jahre entscheidend sein. So sieht es Matthias Bertram (28), Vereinsmitglied. Hintergrund ist eine 2018 in Kraft getretene Verordnung, die auf dem Traditionsschiff Umbauten erfordert. Viele Greifswalder kennen das Schiff, das jedes Jahr den Weihnachtsmann an Land bringt.

Verein besitzt „Hanne Marie“ seit 2008

Die Gaffelketsch mit zwei Masten besteht fast nur aus Holz, ist rund 20 Meter lang und vier Meter breit. 1919 wurde sie im dänischen Fanø gebaut und diente dann bis in die 1970er Jahre hinein als Fischfänger. In dieser Zeit erhielt sie den Spitznamen „Haikutter“. Oder „Schimpfnamen“, wie Matthias Bertram mit einem Lächeln erzählt. „Die Hanne gehörte zu den Booten mit einem guten Motor. So waren Schiffe dieser Art schneller unterwegs als andere Fischereiboote. Die anderen Fischer haben diese Boote als „Haie“ bezeichnet.“ Unmengen der Haikutter seien gebaut worden. Die „Hanne Marie“ gehört zu denen, die heute als Traditionsschiff (einem von 120 deutschlandweit) für die Öffentlichkeit weiter existieren. Aus dem Besitz dreier Bielefelder Studenten und anderer Zwischenstationen ging die „Hanne“ 2004 nach Greifswald, 2008 gründete sich der Betreiberverein. Ein Steinbock am Bug erinnere an das gemeinsame Sternzeichen der Bielefelder Ex-Besitzer, sagt Bertram.

Jährliche Kosten bis zu 10.000 Euro

Der Betreiberverein zählt heute rund 30 Mitglieder. In Greifswald seien fünf Personen aktiv in der Vereinsarbeit, zwei weitere würden woanders in Vorpommern wohnen, wieder andere stammen aus Berlin. Die Kosten von rund 8000 bis 10.000 Euro im Jahr spielt der Verein über Mitgliedsbeiträge und Tickets für Ausflüge ein. Das Geld fließt in Lackierungen, Instandsetzungen oder größere Umbauten wie einen neuen Kiel im Jahr 2013. Im vergangenen Jahr hätte es jedoch zu wenige Fahrgäste zu den Törns gezogen, so Bertram. Die Tagesausflüge, die auch auf der Kieler Woche oder der Hansesail angeboten werden, wurden hingegen gut angenommen. 20 Personen sind dann dabei. Acht sind es bei Ausflügen (10 Kojen stehen bereit), die den Gästen Seefahrtstradition und Gemeinschaftsgefühl vermitteln sollen. „Auf den Fahrten sollen alle mitmachen“, sagt Matthias Bertram. Am Ende eines langen Tages könne man dann entspannt im Hafen liegen mit dem Wissen, dass man etwas aus eigener Kraft und im Team geschafft hätte.

Damit die Hanne dieses Gefühl weiter vermitteln kann, muss es die neuen Auflagen für Traditionsschiffe einhalten, die im März 2018 in Kraft getreten sind. Die Schiffssicherheitsverordnung stellt besondere Anforderungen etwa an Brandschutz, Rettungsmittel und die Seediensttauglichkeit der Besatzung. Ausgehandelt wurde sie vom Bundesverkehrsministerium und Traditionsschiffsverbänden.

Neues Fünf Jahre Zeit für Umbauten

Die „Hanne Marie“ sei kaum bedroht, sagt Bertram. Der Verein hat dank einer noch fünf Jahre gültigen Genehmigung nach den alten Regeln Zeit, alle Umbauten in Angriff zu nehmen. „Wir müssen mehrere Leitungen fest verrohren, wo momentan noch Schläuche liegen. Im Maschinenraum müssen wir eine von außen bedienbare Feuerschutzanlage installieren. Das kann schnell ans Geld gehen, wenn wir dafür jemanden beauftragen müssen.“ Bekäme die Hanne keine neue Zulassung, müsste sie entweder an einen Privatbesitzer verkauft oder umgeflaggt werden, um nicht mehr unter die in Deutschland gültigen Regulierungen zu fallen, sagt Bertram. „Es wird schwer. Aber wir haben fünf Jahre Zeit.“ Das Verkehrsministerium würde zudem einen Fonds einrichten, um betroffene Vereine finanziell zu unterstützen.

Sehen Sie hier eindrucksvolle Bilder des Traditionsschiffes

Bootsbauer Matthias Bertram glaubt fest, dass die „Hanne“ weitersegelt. Er genießt vor allem einen Moment auf den Ausfahrten, die er mehrmals jährlich als Bootsmann absolviert. „Wenn der Skipper den Motor ausschaltet, nur das plätschernde Wasser und die knarrenden Segeln zuhören sind, ist das ein dankbarer Moment. Es ist eine Art zu entschleunigen.“

Ein Termin für ein Fest anlässlich des 100-jährigen Jubiläums stehe noch nicht fest. Aber ein promintenter Gast ist gewünscht:„Vielleicht kommt ja der Oberbürgermeister“, sagt Bertram verschmitzt.

Christopher Gottschalk

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