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Greifswald Greifswalder „Hoffnung“ wird 100 Jahre alt
Vorpommern Greifswald Greifswalder „Hoffnung“ wird 100 Jahre alt
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06:00 07.05.2019
Reinhard Bach, ehemaliger Eigner der "Hoffnung" und Vorstandsvorsitzender des dazugehörigen gemeinnützigen Vereins, steht auf dem Schiff im Greifswalder Museumshafen. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Sorgen machen müsse man sich um die „Hoffnung“ nicht, findet Reinhard Bach. Wenn sich gut um das Stahlschiff im Greifswalder Museumshafen gekümmert werde, könne es noch 100 Jahre älter werden, so der Erfinder der Greifswalder „Gaffelrigg“ und leidenschaftliche Sammler, Restaurator und Erklärer historischer Schiffe. Dieses Jahr wir die „Hoffnung“ 100 Jahre alt.

Pommersche Jagt lieferte Bier

Sie ist die letzte Pommersche Jagt. Als Bierkutsche fuhr das 1919 in der Eisengießerei Münter in Anklam erbaute Schiff fast täglich seine Ladungen Bier nach Hiddensee. Ohne Alkohol gäbe es heute keine „Hoffnung“ mehr. „Deswegen hat sie überlebt“, sagt Bach. Nach der Wende wurde sie ausrangiert, 1992 von Rolf Reeckmann gekauft, bis schließlich 2004 nur ein schrottreif wirkender Rumpf übrig war.

So kaufte Reinhard Bach sein insgesamt achtes Schiff und ging in die Vollen. Ein Stahlschiff erfordert weniger Instandsetzung als ein Holzschiff. Bach hätte einen Kredit von 65.000 Euro aufgenommen und innerhalb von vier Jahren wieder ein seetaugliches Schiff geschaffen, das bis auf wenige Abweichungen dem historischen Original entspricht. 2008 gründete sich ein dazugehöriger Verein, in dessen Besitz das Schiff im gleichen Jahr überging und noch heute ist.

Traditionsschiff ist 27 Meter lang

27 Meter lang ist der Segelkutter und bietet auf Ausfahrten bis zu 35 Menschen Platz. „Wenn wir zehn Ausfahrten im Jahr haben, ist das schon viel“, sagt Reinhard Bach. Für Erhalt und Betrieb der „Hoffnung“ nutzen die Vereinsmitglieder hauptsächlich Mitgliedsbeiträge. Bach führt in die Geschichte des Schiffes ein, zeigt seinen Fahrtgästen immer einen Ordner mit historischen Fotos der „Hoffnung“ und erklärt, dass der Begriff „Jagt“ die pommersche Variante der heutigen „Yacht“ sei.

Die „Hoffnung“ gehörte zu den schnelleren Schiffen als sie die ersten Male auf See fuhr. Im Innenraum läuft heute ein Motor aus den 1960er Jahren, der deutlich hörbar sei. „In so ein Boot gehört eine Maschine, die man hört“, sagt Bach. Er liebt jedoch vor allem die stillen Momente, wenn das Schiff nur vom Wind in den Segeln vorangetrieben wird.

„Hoffnung“ fährt bei Gaffelrigg und Hanse Sail mit

Ein Satz, der in der Szene der Liebhaber von Traditionsseglern auf Zustimmung stoßen würde: „Ich muss einfach ein Schiff haben“, so Bach. „Diese Schiffe berühren mich“, sagt der ehemalige Professor der Romanistik an der Uni Greifswald. „Es ist Schönheit, wenn die Schiffe in der See kämpfen mit den Elementen, wenn von vorne die See heranrollt.“ Um dieses Gefühl zu vermitteln, kann die „Hoffnung“ zahlende Gäste mitnehmen. Als Traditionsschiff ist sie jedoch im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern besonderen Vorschriften unterworfen. Das eingenommene Geld darf nur für den Erhalt des Schiffes eingesetzt werden.

Die Vorschriften der im Jahr 2018 verabschiedeten Schiffssicherheitsverordnung treffen auch die „Hoffung“. Die Verordnung stellt höhere Anforderungen an die Qualifikation der Mannschaft und Sicherheitsmaßnahmen. Umbauten und Fortbildungen könnten nötig werden. Das kostet Zeit und Geld, Reinhard Bach will sich damit nicht mehr auseinandersetzen. Die Folge: „Das ist einer der Gründe, warum ich mich als Schiffsführer zurück ziehe“, sagt Bach.

Die aktuelle Genehmigung laufe 2022 aus, dann muss eine nach den neuen Vorschriften her. „Dann bin ich 73 Jahre alt und ein Jüngerer soll das Schiff fahren.“ Er bleibe dem Verein erhalten, werde auch an Ausfahrten teilnehmen. Auch dieses Jahr fährt die „Hoffnung“ bei der Gaffelrigg“ mit, seit Jahren ist sie auch auf der Rostocker Hanse Sail unterwegs.

Buch über den Museumshafen Greifswald geplant

Bachs nächstes Schiff ist ein 14 Meter langer Fischkutter, den er alleine fahren werde. Dort wird er auch Zeit finden, an seinem neuen Projekt zu arbeiten: Bach will ein Buch schreiben über die Geschichte und Personen des Greifswalder Museumshafens. Er selbst leitete den Museumshafen bis 2005. Verzichten auf die See kann er auch nach der „Hoffnung“ nicht. Denn dieser Mann muss schließlich ein Schiff haben.

Sehen Sie hier Bilder der „Hoffnung“

Christopher Gottschalk

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