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Greifswald Udo Jürgens war Fan: Carl Loewe – der pommersche König der Balladen
Vorpommern Greifswald Udo Jürgens war Fan: Carl Loewe – der pommersche König der Balladen
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18:07 18.04.2019
Udo Jürgens bei einem Auftritt in Löbejün bei der Carl-Loewe-Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er war Quelle: Wolfgang Rathgen
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Pommern

Vor 150 Jahren, am 20. April 1869, starb der „Balladenkönig“ Carl Loewe in Kiel. Die meiste Zeit seines Lebens hat Loewe indes in Pommern verbracht. 46 Jahre, von 1820 bis 1866, wirkte er in Stettin, war Kantor, Musiklehrer, Komponist und Organist, ehe er die Odermetropole nach einem schweren Schlaganfall verlassen musste. Das Herz des großen Musikers wurde in einem Pfeiler der von ihm jahrzehntelang gespielten Orgel der Stettiner Jakobikirche beigesetzt. Dieses galt übrigens nach dem Zweiten Weltkrieg als verschollen, wurde aber bei Restaurierungsarbeiten später wiederentdeckt.

Musiktage erinnern an sein Werk

Loewe hinterließ ein umfangreiches Werk unter anderem mit etwa 500 Balladen, 17 Oratorien, sechs Opern und zwei Sinfonien. Er hat als „als erster und einziger die musikalische Balladenform geschaffen, zur Vollendung geführt und zur gesonderten musikalischen Gattung geformt“. Das meint zumindest die nach dem Komponisten benannte Gesellschaft mit Sitz in Lobejün. In dem Städtchen in Sachsen-Anhalt wurde dieser 1796 geboren. Hier erinnern ein Denkmal und ein Museum an ihn. Carl-Loewe-Festtage finden hier seit 2002 statt. Die Stadt Unkel, in dem Nachkommen von ihm lebten, feiert in diesem Jahr schon die 25. Carl-Loewe-Musiktage. Der 2014 verstorbene Sänger Udo Jürgens war ein gefeierter Interpret der Balladen und Lieder. Er war Ehrenmitglied der Carl-Loewe-Gesellschaft.

Loewe kommentierte Goethes „Faust“

Der pommersche Komponist hat in seinem Leben viele Geistesgrößen seiner Zeit kennengelernt, so auch Johann Wolfgang von Goethe. Loewe hat 51 Lieder und Balladen des Dichterkönigs vertont, zum Beispiel „Wandrers Nachtlied“ und den „Erlkönig“. Goethes Werk hat Loewe fasziniert. 1834 erschien sein „Commentar zum zweiten Theile des Goethe’schen Faust von Dr. C. Loewe“.

Der Stettiner Komponist Carl Loewe Quelle: Wikipedia

Für Pommern schwierige Sprache

Als Loewe 1820 nach Stettin kam, führte sein sächsischer Dialekt zunächst bei den Einheimischen zu Verständnisschwierigkeiten, berichtet Michael Wilfert in einem Aufsatz zum 200. Geburtstag. Die von ihm nun als Organist gespielte Orgel der Jakobikirche habe ihn von Anfang an sehr beeindruckt, er habe sie laut seiner Autobiographie regelrecht geliebt. Loewe war in Pommern auch amtlich bestellter Orgelprüfer.

1821 wurde er Stettiner Musikdirektor. Damit war er gewissermaßen die Nummer eins des Musiklebens in der pommerschen Metropole mit umfangreichen Kompetenzen. Loewe unterrichtete auch am Gymnasium. Nach seinem eigenem Zeugnis interessierte er sich auch für Naturgeschichte, Astronomie und Mathematik. 1826 erschien seine „Gesang-Lehre, theoretisch und praktisch für Gymnasien, Seminarien und Bürgerschulen entworfen“, die fünf Auflagen erlebte. Ein vielseitiger Mann – Loewe hielt auch musikhistorische Vorlesungen. Die Universität Greifswald verlieh ihm 1837 für sein wissenschaftliches Werk die Ehrendoktorwürde. Im gleichen Jahr wurde Loewe Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

Vater von fünf Kindern

Die Familie spielte eine wichtige Rolle im Leben des Künstlers. Seine erste Frau starb 1823 nach nicht einmal zwei Jahren. Mit ihr hatte er einen Sohn. Loewe heiratete 1825 seine Gesangsschülerin Auguste Lange, die häufig bei seinen Oratorien als Sängerin auftrat. Mit ihr hatte er vier Töchter. Loewe wurde bei seinen Konzertreisen nicht nur in Vorpommern, zum Beispiel in Greifswald und Stralsund, gefeiert.

Zahlreiche Reisen führten Loewe in den gesamten deutschsprachigen Raum, nach Frankreich, Norwegen und England kennen. Der Gesang seiner eigenen Lieder am Klavier kam beim Publikum sehr gut an.

Er lernte nicht nur viele bedeutende Künstler, sondern Herrscher, allen voran die englische Königin Victoria und Prinz Albert kennen. Den Royals trug er eigene Balladen vor. Wie Wilfert schreibt, unternahm Loewe alle Reisen in den Schulferien, die damals weit kürzer waren.

Seit 1904 stand ein Denkmal Loewes vor der Stettiner Jakobikirche. Es wurde nach 1945 entfernt Quelle: Wikipedia

„Deutscher Geist und deutsches Gemüth“

Wie es in der Allgemeinen Deutschen Biographie heißt, konnte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. „seine Balladen von ihm selbst nicht oft genug hören, besonders die historischen (Karl IV., Kaiser Max, Kaiser Otto); L. mußte oft Tage, ja Wochen lang bei ihm weilen, um vor ihm zu singen.“ Er galt sogar vielen als der Hohenzollernkomponist schlechthin.

Aber auch die Fachwelt schätzte ihn. So urteilte 1835 der Komponist Robert Schumann im Leipziger Tageblatt: „Sollten wir irgendeinen lebenden Komponisten bezeichnen, der vom Beginn seiner künstlerischen Laufbahn bis zum jetzigen Augenblick deutschen Geist und deutsches Gemüth bekundet und es im Zartesten wie im Wildesten, in der Sprache der ersten Liebe, wie im Ausbruche des tiefsten Zornes ausgesprochen hätte, so müßten wir Loewe nennen. Hinzu kommt noch das seltene Bündnis, das hier Komponist, Sänger und Virtuos in einer Person geschlossen haben."

Die politischen Stürme seiner Zeit wie die Revolution von 1848/49 gingen weitgehend an ihm vorbei, er galt vielen als reaktionärer Royalist. Loewe lebte vor allem für die Musik und die Familie. Er gründete den Pommerschen Chorverband, der ab 1857 Konzerte veranstaltet.

Erinnerungen in vielen Städten

Loewe wurde im 19. Jahrhundert auch in seiner vorpommernschen Heimat, zum Beispiel in Greifswald und Stralsund gefeiert. In der Sundstadt ist Loewe heute Straßenpate, in Greifswald waren seine Konzerte im Saal des Gesellschaftshauses „Zum Greif“ im 21. Jahrhundert Argumente für dessen Erhaltung. Sein Werk wird auch heute bei Konzerten gepflegt. Auch Stettin würdigt Loewe im Stadtmuseum. Das Denkmal Hans Weddo von Glümers für ihn vor der Jakobikirche wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beseitigt.

Carl Loewe, der sicher bedeutendste pommersche Komponist des 19. Jahrhunderts, ist auch noch im Land am Meer populär. So werden Werke von ihm regelmäßig bei der Greifswalder Bachwoche gespielt.

Der Greifswalder Domchor singt auch Loewe-Lieder Quelle: GR

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