Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswald: Buche aus dem Baumarkt sucht neue Heimat
Vorpommern Greifswald Greifswald: Buche aus dem Baumarkt sucht neue Heimat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:00 23.10.2019
Aus dem Topf in die freie Wildbahn: Uni-Pressesprecher Jan Meßerschmidt, Tobias Scharnweber vom Institut für Botanik und Anne Ziebarth (v.l.), kommissarische Leiterin der Greifswalder OZ, graben die Buche ein. Quelle: Christin Lachmann
Anzeige
Greifswald

Klimanotstand, Plastikmüll, CO2-Neutralität: Das Thema Umwelt ist in der Hansestadt so präsent wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Jeder möchte etwas tun, am liebsten jetzt sofort – nur was? Vor Kurzem versuchte auch eine Supermarktkette auf den Zug aufzuspringen. „Einheitsbuddeln. Jeder pflanzt einen Baum! Jedes Jahr. So entsteht ein neuer Wald“, stand auf dem Plakat, dahinter warteten heimische Bäumchen in Pappboxen auf neue Besitzer.

Doch wo entsteht denn jetzt der Wald und wo kann die kleine Supermarkt-Buche Wurzeln schlagen? Darf man überhaupt einfach losgehen und einen Baum pflanzen? Die OZ wollte es wissen: Die freundliche Verkäuferin legte den Kopf schief. „Na ja. Im Prospekt steht, alle Menschen pflanzen aus, also wahrscheinlich schon.“ Doch eine gewisse Skepsis bleibt – zu Recht, wie sich nach den ersten Anfragen herausstellt. Prinzipiell braucht es immer die Erlaubnis des Grundstückseigentümers oder der Kommune, auf deren Land der Baum gepflanzt werden soll, sonst ist im Zweifelsfall der Ursprungsstatus wieder herzustellen. Trotzdem. Müssten sich die Kommunen nicht freuen über ein kleines Bäumchen – beispielsweise an einer Allee?

Landkreis: Platz am Straßenrand ist besetzt

Die Buche der OZ muss nicht länger ein Dasein im Topf fristen. Quelle: Christin Lachmann

Freundliche, aber klare Absage vom Landkreis. Die Flächen an den Kreisstraßen sind „besetzt“, sie werden benötigt, um eigene Ersatzmaßnahmen des Kreises oder Neupflanzungen zu realisieren. Anfragen von Unternehmen zum Beispiel, die auf der Suche nach Pflanzstandorten für Ausgleichsmaßnahmen sind, müssten daher in der Regel ablehnt werden. „Niemand würde es verstehen, wenn unsere ,Baumschulden‘ weiter wachsen, weil wir geeignete Flächen Dritten zur Verfügung stellen“, sagte Kreissprecherin Anke Radlof.

Einzelpersonen würden sich so gut wie nie an den Landkreis wenden, wenn es um Baumpatenschaften oder Schenkungen von Pflanzungen ginge, Einzelbaumpflanzungen wären hier auch wenig hilfreich. „Eine Allee sollte innerhalb kurzer Zeiträume gepflanzt werden, damit sie ihr typisches gleichartiges Erscheinungsbild erhält“, so Radlof. „Auch sind an Straßen relativ große Hochstämme als Ballenware sinnvoll, die ein einzelner im Rahmen einer Patenschaft kaum bewältigen kann.“ Außerdem müssten die Pflegemaßnahmen berücksichtigt werden, die bei Einzelbäumen aufwendiger zu realisieren seien. Tipp von Anke Radloff: „Über die AktionWaldaktie kann man unkompliziert Bäume pflanzen.“

Greifswald: Forst nur mit Herkunftsnachweis

Also wird die Buche kein Alleebaum. Aber vielleicht ein Greifswalder Stadtbaum? Doch auch die Stadt dämpft die Hoffnungen. „Auf öffentlichen Flächen, die das Tiefbau- und Grünflächenamt verwaltet, sind Baumpflanzstandorte knapp“, so Sprecherin Andrea Reimann. „Entlang der öffentlichen Straßen bietet sich eine solche Baumpflanzung aufgrund unterirdischer Leitungen sowie bestimmter Anforderungen an Wurzeltiefe und Baumkrone nicht an.“ Anträge von Kitas und Schulen zum Beispiel seien aber bereits realisiert worden.

Eine weitere Möglichkeit sei die Pflanzung von Bäumen im Greifswalder – Überraschung – Forst. „Für solche Pflanzungen bin ich grundsätzlich offen“, sagte Stadtförster Bent Knoll. „Allerdings müssen bestimmte Bedingungen eingehalten werden.“ So gelte für den Wald das Saatgutherkunftsgesetz – man könne nicht irgendwas im Wald pflanzen, sondern man benötigt für die Pflanzen einen Herkunftsnachweis. „Damit fallen Bäume aus den Baumärkten eher aus. Anders verhält es sich bei Bäumen, die in Baumschulen gekauft werden. Diese besitzen einen solchen Herkunftsnachweis.“ Ein Blick unter den kleinen Topf der Buche bestätigt die Befürchtungen. 3,99 Euro. Kein Herkunftsnachweis.

Gibt es bald einen Fonds für Baumspender?

Der Botaniker Tobias Scharnweber hat Erfahrung im Bäumepflanzen: Er betreut das Projekt „Ein Baum für meine Uni“. Quelle: Christin Lachmann

Doch in der Stadt wird eine neue Möglichkeit diskutiert. „Eine denkbare Variante wäre eine Art Konto, auf das die Leute einzahlen könnten; dann würden die Forstleute entsprechend passende Bäume mit Herkunftsnachweis kaufen und pflanzen und sich anschließend auch noch um die Pflege kümmern“, so Andrea Reimann. „Auf diese Art und Weise würden die gesetzlichen Vorschriften eingehalten und der Einkauf gebündelt. Sollte sich also zeigen, dass der Bedarf entsprechend groß ist, könnte man die Einführung eines solchen Kontos prüfen.“ So ein Projekt könnte nach der Beschlussfassung zu einer aktuellen CDU-Vorlage ins Rollen kommen, in der gefordert wird, weitere Flächen aufzuforsten.

Ein neues Zuhause auf dem Range-Sportplatz

Doch wohin nun mit der Nachwuchsbuche? Die Wohnungsverwaltungsgesellschaft (WVG) bot ihre Hilfe an und organisierte „ausnahmsweise“ einen Pflanzstandort neben dem Pflegedienst Sophi, die Wohnungsbaugenossenschaft (WGG) bot an, Kontakt zu den Vereinsmitgliedern der „Bunten Flora“ aufzubauen und dort einen Standort zu suchen. Am schnellsten aber reagierte die Universität auf unsere Anfrage und stellte einen Platz auf dem Range-Sportplatz in der Falladastraße in Aussicht. „Ein Einzelfall!“, betonte Pressesprecher Jan Meßerschmidt. „Das kann nicht zur Regel werden.“ Für potenzielle Baumspender hat die Universität bereits vor Jahren die Aktion„Ein Baum für meine Uni“ ins Leben gerufen, bei der Studenten aber auch Externe die Pflanzung von Streuobstbäumen, heimischen Laubhölzern zum Waldumbau, oder Unterschutzstellung eines älteren Baumes finanzieren können.

Hier kann man pflanzen (Auswahl)

Wer über kein eigenes Grundstück zum Bäumepflanzen verfügt, kann sich Projekten anschließen. Eine gute Möglichkeit bietet zum Beispiel die Waldaktie MV, wo für 10 Euro eine Fläche von 5 m² Wald bepflanzt und gepflegt werden kann. Die nächste Pflanzaktion findet am 26. Oktober in Sehlen auf Rügen statt (Kontakt: 38393 436 531)

Die WGG pflanzt ihre Bäume in Kooperation mit den Stadtwerken. Wer aber generell gern pflanzt, kann sich beim Urban Gardening Projekt der Nachbarschaftshilfe WGG beteiligen.

Die Spendenaktion „Ein Baum für meine Uni “hat viel Geld gesammelt und pflanzt am Freitag auf der Streuobstwiese in Greifswald-Eldena wieder Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Quitten. Um sie gut in die Erde zu bringen, sind helfende Hände gefragt. Treffpunkt ist um 13 Uhr in Greifswald-Eldena in der Hainstraße zwischen Sportplatz und Kurzem Weg. Spaten und Handwerkszeug sind vorhanden.

Auch der Nabu Greifswald bewirtschaftet eine Streuobstwiese am Heizkraftwerk, auf der regelmäßig Pflanz- und Pflegeeinsätze stattfinden (Email: streuobst@nabu-greifswald.de).

Anfragen für größere Pflanzaktionen (Schulen, Klassen, Vereine) in der Hansestadt Greifswald bitte an den Klimaschutzbeauftragten bzw. das Umweltamt der Hansestadt (Email: umwelt@greifswald.de) stellen.

Regelmäßiges Gießen ist Pflicht!

Beim Pflanztermin am Rangesportplatz bekam „unser“ Baum die erste fachmännische Begutachtung. „Eine kleine Rotbuche“, stellte der Landschaftsökologe Tobias Scharnweber fest. „Ich schätze sie auf drei bis vier Jahre.“ Bis zu 360 Jahre alt können diese Bäume werden, erzählt der Experte für Dendrochronologie, Buchen seien der natürlich vorherrschende Gehölztyp in diesen Breiten. Die Chancen für den kleinen Baum stünden nicht schlecht, zumal er trotz des kleinen Topfes in bemerkenswert gutem Zustand sei. „Der Standort ist gut ausgesucht, lehmiger Boden und keine pralle Sonne“, lobt Scharnweber die Auswahl von Christian Tambach vom Baudezernat der Universität.

Nachbarbäume in Aussicht

Noch eine Pappscheibe, damit das Gras nicht den Aufwuchs behindert. Quelle: Christin Lachmann

Auch die kleine Krümmung des Hauptastes wäre kein Problem, beruhigt er. „Das wächst sich normalerweise aus, da müssen wir jetzt nicht eingreifen.“ Wichtig sei es allerdings, die Wasserversorgung für den Jungbaum sicherzustellen, einmal in der Woche müsse man einen Baum ruhig wässern, je nach Witterung. Wenn alles gut geht, kann die Buche im kommenden Jahr den Beginn der geplanten Sanierungsmaßnahmen auf dem Rangesportplatz verfolgen. Aus sicherem Abstand. „Saniert wird in diesem Bereich nur bis zur Kante der Bahn, dem Baum passiert nichts“, beruhigt Jan Meßerschmidt. „Wahrscheinlich bekommt die Buche auch noch zwei Nachbarbäume an die Seite gestellt.“

Lesen Sie weiter:

Der Wald braucht Hilfe: Was vom Waldgipfel gefordert wird

Erhält Greifswald künftig mehr Wald?

Mitmachprojekte im Raum MV zum Thema Streuobst

Informationen zum Thema Waldaktie MV

Spendenaktion für Baumpflanzungen in Schleswig-Holstein

Einheitsbuddeln: Wenn das ganze Land plötzlich Bäume pflanzt

Uni Greifswald saniert Range-Sportplatz

Von Anne Ziebarth

Nach langem Tauziehen gibt es jetzt grünes Licht für die Finanzierung des Straßenbauprojektes. Doch die Ausschreibung der Leistungen muss noch warten.

23.10.2019
Greifswald Land fördert Sanierung in Greifswald 4,2 Millionen Euro für neuen Hansering

Die Hansestadt Greifswald plant den Umbau einer Hauptverkehrsstraße. Baustart soll im Frühjahr 2020 sein.

23.10.2019

Verkehrsteppich, Malbuch mit Biene Maja, eine Minibäckerei: Familien legen Wert auf Kinderfreundlichkeit. Die OSTSEE-ZEITUNG verrät, wie es darum in Greifswalder Geschäften und Restaurants steht.

23.10.2019