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Greifswald Unangemeldete Demo: Polizei in der Kritik
Vorpommern Greifswald Unangemeldete Demo: Polizei in der Kritik
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14:04 23.09.2015
Greifswald: Auf der Europakreuzung standen beide Demonstrantenblöcke (die Linken links, die Rechten rechts) nur wenige Meter voneinander entfernt. Dazwischen versuchte eine Handvoll Polizisten für Ruhe zu sorgen. Kleinere Scharmützel konnten sie nicht verhindern. Quelle: Kai Lachmann
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Greifswald

Hat die Polizei die Lage am Montagabend in Greifswald falsch eingeschätzt? Circa 150 Protestler überwiegend aus dem rechten und ebenso viele Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum stießen in der Innenstadt mehrfach aufeinander.

Die Polizei ging in einer Pressemitteilung von insgesamt etwa 140 Teilnehmern aus. Über eine Dreiviertelstunde waren lediglich vier Einsatzkräfte vor Ort, um beide Protestzüge davon abzuhalten, aufeinander loszugehen. Zum Teil standen sich Rechte und Linke nur einen Meter gegenüber und skandierten ihre Parolen. Es kam zu einigen Scharmützeln. Mehrfach wurde der Hitlergruß gezeigt, Demonstranten warfen mit Flaschen und Blumenerde aufeinander. Die Lage wirkte brenzlig, eskalierte aber nicht. Zudem wurde der Verkehr auf der Europakreuzung gefährdet.

Mehrere Lokalpolitiker kritisieren nun das Verhalten der Polizei (siehe Lokalteil). Die Beamten hätten nachweislich Stunden vorher von dem Aufmarsch der Rechten gewusst und nicht angemessen reagiert.

Über soziale Netzwerke verbreitete sich zuvor die Ankündigung einer „unangemeldeten Protestaktion“. Offenbar sollte Unmut über die Flüchtlingspolitik geäußert werden. Allerdings blieb es bei stumpfen Parolen. Polizeisprecher Axel Falkenberg: „Außer dieser Ankündigung hatten wir keine weiteren Informationen. Daraufhin wurde eine Gefahrenprognose erstellt.“ Ergebnis: Die Beamten wollten zuerst mit „Aufklärungsmaßnahmen“ vorgehen. Das heißt: Eine geringe Anzahl von Polizisten schaut sich die Lage an und ordert Verstärkung, falls nötig.

Wie nötig diese war, lässt sich daran erkennen, dass nicht nur Beamte aus Wolgast, Stralsund, Neubrandenburg und Rostock, sondern laut Falkenberg auch die Bereitschaftspolizei aus dem 260 Kilometer entfernten Boizenburg (Kreis Ludwigslust-Parchim) hinzugerufen wurden, wo zeitgleich 150 Personen im Namen des Bündnisses MVgida marschierten. Auch auf Usedom demonstrierten 70 Rechte.

Die Situation, dass immer mehr Flüchtlinge in den Nordosten kommen, belastet die Polizei gleich doppelt. Zum einen müssten sie die Unterkünfte vor Übergriffen schützen. Zum anderen würden immer mehr Kundgebungen und Demonstrationen mit Bezug zur Flüchtlingspolitik stattfinden, die die Polizei abzusichern habe. „Wir müssen davon ausgehen, dass diese Situation für eine längere Zeit anhalten wird“, so Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums. Wird die Polizei deshalb aufgestockt? „Die Landesregierung ist zur personellen Gesamtsituation im Gespräch.“


Video: Ausnahmezustand in Greifswald



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