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Greifswald Ungetrübter Badespaß – Fachleute steigen dafür in den Greifswalder Bodden
Vorpommern Greifswald Ungetrübter Badespaß – Fachleute steigen dafür in den Greifswalder Bodden
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14:00 09.08.2019
Überprüfung der Badewasserqualität im Greifswalder Bodden mit Hygieneinspektorin Kerstin Ebert. Quelle: Martina Rathke
Ludwigsburg/Greifswald

Die Morgensonne kitzelt auf der Haut, der Strand in Ludwigsburg ist bis auf einen Mann mit Hund noch menschenleer. Es riecht nach Urlaub. Doch Kerstin Ebert ist an diesem Tag nicht in privater, sondern in beruflicher Mission am Strand. Die Hygieneinspektorin streift sich die Wathose über, bestückt die Tasche mit Thermometer, Messbecher, sterilen Flaschen und greift zur Sichtscheibe. In dieser Montur watet Ebert in die dänische Wieck, um eine Badewasserprobe zu entnehmen.

Jede Badestelle an der Ostsee, jeder Badesee im Landkreis Vorpommern-Greifswald – etwa 60 von Pasewalk bis zum Riems – werden von Mai bis zum Ende der Badesaison durch Ebert und ihre Kollegen alle vier Wochen auf die Wasserqualität untersucht. Die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen sollen dafür sorgen, dass der Badespaß möglichst ungetrübt bleibt. Die Eigentümer – in diesem Falle die Gemeinde Loissin – haben die Kosten der Untersuchungen zu tragen.

Schon nach wenigen Metern stockt Ebert. Ihrem kritischen Auge entgeht nichts. Die Fachfrau senkt die Sichtscheibe ab. „Das Wasser ist deutlich getrübt. Das könnten Zersetzungsprodukte von Blaualgen sein“, sagt Ebert und zieht eine Wasserprobe. Dann steigt die 50-Jährige tiefer in das Boddengewässer, bis ihr das Wasser bis zur Hüfte reicht. Mit der Sichtscheibe misst sie erneut die Trübung, nimmt eine Probe für den pH-Wert, checkt die Wassertemperatur und zieht ein weiteres Fläschchen für eine mikrobiologische Untersuchung auf Enterokokken und E.-coli-Bakterien durch das Wasser. Die Proben gehen gekühlt ans Labor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Neustrelitz. Die Untersuchungsergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung liegen nach etwa 48 Stunden vor, die auf Blaualgen nach 24 Stunden.

In hiesigen Gewässern stellen Cyanobakterien, wie Blaualgen in der Fachsprache heißen, neben den Vibrionen die größte Gefahr dar. Blaualgen vermehren sich in langanhaltenden Hitzeperioden, scheiden giftige Stoffe aus, die zu Durchfall, Erbrechen und im seltenen, aber schlimmsten Fall zum Tod führen können. „Wassertemperaturen von über 20 Grad beschleunigen das Wachstum von Blaualgen“, sagt Ebert. Im Ludwigsburg liegt die Wassertemperatur bei 21,2 Grad Celsius. Dennoch untersuchen die Kreisgesundheitsämter die Proben standardmäßig nicht auf diese Bakterien, sondern nur – wie hier – im Verdachtsfall oder wenn Bürger Hinweise auf Blaualgen geben. Die Entwicklung von Blaualgen sei stark wetter- und windabhängig, die Situation ändere sich schnell. Deshalb sei eine Untersuchung im Standardprogramm zu unflexibel, hieß es von der Kreisverwaltung zur Begründung.

Ähnliches gilt bei Vibrionen, auf die die Küstengewässer nur in Zusatzkontrollen untersucht werden, wenn die Wassertemperaturen über 20 Grad steigen und sich die gefährlichen Bakterien stärker vermehren. Mit dem Klimawandel könnte das immer häufiger passieren. In diesem Jahr infizierten sich in Mecklenburg-Vorpommern bereits fünf Menschen mit dem Keim, der in offene Wunden eindringt und bei immungeschwächten Menschen als schwer behandelbar gilt. Eine ältere Dame starb an einer Infektion durch Vibrionen, wie Martina Littmann, Leiterin der Abteilung Gesundheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales sagte. An welchem Abschnitt der Küste von Mecklenburg-Vorpommern sich die Frau infizierte, will das LAGuS aus Datenschutzgründen nicht mitteilen. „Alle Betroffenen gehörten laut Amt zur Risikogruppe der älteren immungeschwächten Personen.“

Die Europa-Vibrio-Warnkarte weist vor allem die küstennahen Gewässer Vorpommerns als Verbreitungsgebiet der Bakterien aus. Die gefährlichen Keime kommen aber auch an der mecklenburgischen Küste vor. Das bestehende Untersuchungsnetz – landesweit wurden seit Ende Juni 16 Proben genommen – sehen die Behörden dennoch als ausreichend an. Aus der Anzahl der Vibrionen oder dem Standort könne kein konkretes Risiko für Erkrankungen abgeleitet werden, hieß es vom LAGuS.

Für wen sind Vibrionen gefährlich?

Vibrionen sind stäbchenförmige Bakterien, die vorwiegend im Meerwasser leben und sich vor allem bei einem Salzgehalt ab 0,5 Prozent und ab einer Temperatur von etwa 20 Grad Celsius stark vermehren. Die Keime können beim Baden oder Wasserwaten in Hautverletzungen eindringen und rufen in seltenen Fällen schwere Wundinfektionen hervor. Als besonders anfällig gelten Menschen mit chronischen Grundleiden wie Lebererkrankungen oder Diabetes sowie Menschen mit einer bestehenden Immunschwäche. Bei geringsten Anzeichen einer Wundinfektion sollte sofort ein Arzt konsultiert werden und dieser auf Kontakt mit Meerwasser hingewiesen werden. Eine rechtzeitig eingeleitete Therapie sei gegebenenfalls lebensrettend, hieß es vom LAGuS.

Zurück nach Ludwigsburg: Während Kerstin Ebert ihr Untersuchungsprogramm im Wasser fortsetzt, misst ihre Kollegin Marga Wegener am Strand Windstärke und Lufttemperatur. „Im vergangenen Jahr standen die Telefone nicht still, als ein Blaualgenfilm in Lubmin an den Strand trieb“, erinnert sich die Hygieneingenieurin. Nicht nur dort, sondern auch in Ludwigsburg und Eldena wurden damals Cyanobakterien nachgewiesen. In diesem Sommer blieb es trotz eines großen Blaualgenteppichs in der zentralen Ostsee an den Küsten des Kreises weitgehend ruhig. „Massenansammlungen von Cyanobakterien sind uns bisher nicht bekannt geworden, so dass auch noch keine Badeverbote in unserem Bereich ausgesprochen wurden“, sagte Kreissprecherin Anke Radlof. Ursache für die zum Vorjahr entspanntere Lage könnten die deutlich wechselhafteren Windbedingungen und häufigeren Regenfälle sein. Ein Badeverbot empfahl das Kreis-Gesundheitsamt in diesem Jahr bislang nur für eine Badestelle am Stettiner Haff, unter anderem wegen eines bedenklich hohen pH-Wertes, der zu Hautreizungen bei Kindern und Erwachsenen führen kann.

In Ludwigsburg, Gahlkow, Loissin und Eldena messen Kerstin Ebert und Marga Wegener an diesem Tag einen pH-Wert zwischen 8,5 und 8,9. Dieser Wert gilt nach Angaben der Fachleute als unbedenklich. Für die unter Blaualgen-Verdacht stehende Badestelle in Ludwigsburg gab das Amt nach der Laboruntersuchung Entwarnung. Es seien zwar Cyanobakterien nachgewiesen worden, allerdings in so geringer Dichte, dass sie keine Gesundheitsgefahr darstellen, sagte Radlof. Auch gab es in diesem Sommer am Greifswalder Bodden laut Kreis bislang keine Beanstandungen wegen anderer Keime.

Erster Todesfall durch Vibrionen an der Ostsee

Von Martina Rathke

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