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Greifswald Greifswald: Jeder kann Fledermausforscher werden!
Vorpommern Greifswald Greifswald: Jeder kann Fledermausforscher werden!
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18:01 30.09.2019
Von der Fotofalle erwischt! Bei der Fledermaus handelt es sich um ein Großes Mausohr beim Einflug in ein Winterquartier. Quelle: Projekt Fledermaus F.U.N.
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Greifswald

Die Fledermaus auf dem Schwarzweißfoto vor Professor Gerald Kerth schaut nicht gerade begeistert in die Kamera. Kein Wunder, schließlich ist sie gerade „geblitzt“ worden, just beim Einflug in ihr Schlafquartier. Zum Glück für die Fledermaus geht es bei den Aufnahmen auf dem Rechner des Professors nicht um Tempomessung, sondern um die reine Anwesenheit. Die Bilder, die die Fotofalle aus dem Fledermausquartier in Nossentiner/Schwinzer Heide (Mecklenburgische Seenplatte) liefert, können helfen, wichtige Fragen der Wissenschaftler zu beantworten. Wie viele Tiere nutzen das Quartier? Wann fliegen die Tiere ein und aus? Was kann man über das Verhalten der Kleinsäuger herausfinden?

Jeder kann mitmachen

Bei der Beantwortung dieser Fragen setzt das Projekt „Mit F.U.N. in die Wildnis“ der Uni Greifswald auf die Mithilfe von Laien. „Die Idee, dass man Citizen-Science betreibt, ist nicht neu, denken Sie an die Zählung der Gartenvögel, die jedes Jahr mit großem Erfolg stattfindet“, erzählt Gerald Kerth. „Bisher hat sich die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger überwiegend auf den scheinbar spannenderen praktischen Teil in der Natur beschränkt. Vögel oder Schmetterlinge zählen, mit dem Bat-Detektor herumstreifen. Wir möchten die Menschen jetzt überzeugen, dass auch die Auswertung der Daten viel Spaß machen kann.“

Diese Fledermaus ist recht einfach zu bestimmen: das Braune Langohr Quelle: Archiv

Das Besondere dabei: Jeder, der sich für Fledermäuse begeistert, kann mitmachen. Und das sogar von zu Hause aus. „Auf der Internetseite Fledermausfun.de findet man sehr viel Material, was im Projektgebiet Nossentiner/Schwinzer Heide aufgezeichnet wurde“, so Kerth. „Fotos, Zähldaten, Videos. All dies kann als Basis zur Beantwortung vorgegebener Fragen verwendet oder aber zur Entwicklung eigener Fragestellungen genutzt werden.“ Bei Einstiegsaufgaben geht es darum, die Fledermausarten auf den Fotofallenbildern zu erkennen. Gar nicht so einfach, sind doch manche Fotos eher unscharf und für den Anfänger sehen sich die Fledermausarten verflixt ähnlich.

Projekt „Mit F.U.N. in die Wildnis“

Seit 2017 vermittelt das Citizen-Science-Projekt „F.U.N“ einer breiten Öffentlichkeit Spaß an Forschung. Die Abkürzung „F.U.N.“ steht für „Forschung, Umweltbildung und Naturschutz“. Am Beispiel der Fledermäuse können kleine und große Bürgerinnen und Bürger erfahren, was es heißt, Naturforscher zu sein.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt basiert auf zwei Säulen: der Citizen-Science-Station im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide und der Webseite www.fledermausfun.de, die als Informations- und Mitmachplattform dient. Das Projekt ist als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden.

Mops- oder Mückenfledermaus?

Doch es gibt auf der Internetseite Fledermausfun.de viel Wissenswertes zu entdecken: Informationen über die winzigen Zwerg- und Mückenfledermäuse zum Beispiel, die nur rund fünf Gramm auf die Waage bringen.Oder dass sich viele Fledermausarten oft schon anhand ihrer Ohren unterscheiden lassen. So können selbst Laien schnell erkennen, wenn auf dem Foto ein Langohr erscheint oder ob es sich um eine Mopsfledermaus handelt. „Um sicherzustellen, dass die Menschen, die bei unserem Projekt mitmachen, auch etwas von Fledermäusen verstehen, haben wir ein Tutorial entwickelt, was das nötige Grundwissen vermittelt“, beschreibt Doktorand und Projektbetreuer Marcus Fritze. „Auch ein Test, bei dem die Fledermausarten erkannt werden müssen, ist Pflicht.“

Danach können die Forscher loslegen, sich eine der Exceltabellen herunterladen und ihre Auswertung der Fotofallen eintragen. Die Tabelle muss dann per Mail zurückgesandt werden. „Wir kombinieren die Ergebnisse der Einsender“, erzählt Fritze. „Wenn die Ergebnisse übereinstimmen, können wir davon ausgehen, dass die Artbestimmung richtig ist. Trotzdem kontrollieren wir natürlich stichprobenartig nach.“

Hier geht es zur Website Fledermausfun.de

Eigene Forschungsansätze werden unterstützt

Wenn die ersten „Pflichtaufgaben“ erledigt sind, kann man versuchen, eigene Forschungsansätze zu finden. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Man könnte die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit mit den Einflugzeiten der Tiere vergleichen, aber auch anhand von Videos das Sozialverhalten der einzelnen Arten untereinander studieren. „Wir helfen gerne bei der Entwicklung von Themen weiter“, so Professor Gerald Kerth. „Für besonders fleißige Helfer bieten wir auch die Möglichkeit an, ihre Forschungsobjekte bei einem Ausflug in den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide einmal direkt zu beobachten und das dortige Naturparkzentrum kennenzulernen.“ Interessante Themenbearbeitungen können es übrigens sogar bis zur wissenschaftlichen Publikation schaffen, bei der der Laienforscher dann als Co-Autor genannt wird.

Auszeichnung für das Projekt „Mit F.U.N. in die Wildnis“. Im Bild: Professor Gerald Kerth, Oberbürgermeister Stefan Fassbinder und Projektmanager Marcus Fritze. Quelle: Andrea Reimann

Bisher haben sich 22 Citizen-Scientists für die Arbeit mit den Fledermausdaten registriert – von pensionierten Lehrern bis zu einzelnen Schülern und Schulklassen ist das ganze Spektrum dabei. Neben der Bürgerbeteiligung ist ein zweiter Schwerpunkt des Projektes Fledermaus F.U.N. die enge Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen, von Kindergärten über Schulen bis hin zu Universitäten. Auf der Internetseite finden Fledermausfreunde deshalb nicht nur einen Bestimmungsschlüssel für die einzelnen Arten, sondern auch Lehrmaterialien für Schüler jeden Alters.

Lehrmaterialien stehen zum Abruf bereit

„Die Inhalte sind mit den Lehrplänen für Grundschule, Regionalschule und Gymnasium abgestimmt, beinhalten Zusammenfassungen, Material und Aufgabenstellungen“, so Kerth. „Wir würden uns übrigens auch sehr freuen, wenn sich noch mehr Greifswalder Schulen an unserem Forschungsprojekt beteiligen würden.“ Bei den Schülern an der Mecklenburgischen Seenplatte komme die Arbeit als Nachwuchsforscher jedenfalls großartig an. Anfragen an: fun@uni-greifswald.de.

Von Anne Ziebarth

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