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Greifswald Uni Greifswald droht Hetzern im Netz mit Sanktionen – und hilft den Opfern
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17:56 29.09.2019
Viele junge Menschen werden im Internet gemobbt. Die Universität Greifswald hat sich mit einer Resolution klar gegen den oft aggressiven Ton im Netz gestellt. Quelle: Oliver Berg/dpa
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Greifswald

Bildmontagen von Greta Thunberg als Schwein, Hetze gegen Flüchtlinge, aber auch Beschimpfungen von Einzelpersonen als Nazi. Wer sich durch die Kommentarspalten von Greifswalder Facebook-Seiten oder durch die Nachrichten der anonymen Plattform Jodel scrollt, bekommt nicht nur lebhafte Diskussionen zu sehen, sondern auch eine Menge Aggressionen und Hass.

Universität will Mobbingopfer unterstützen

Auch die Universität Greifswald hat in der Vergangenheit solche Erfahrungen gemacht und jetzt mit einer Resolution reagiert. Der Senat und das Rektorat würden nicht dulden, dass Uniangehörige in den Sozialen Medien „angegriffen, verunglimpft, bedroht oder in sonstiger Weise beeinträchtigt“ würden oder selbst solches Verhalten im Netz zeigen, heißt es in dem Papier. In solchen Fällen seien arbeitsrechtliche Sanktionen möglich, Mobbingopfer würden bei juristischen Schritten unterstützt.

„Der Ton im Internet wird zunehmend rauer, selbst in Kontaktformularen wird sofort losgepoltert“ hat Pressesprecher Jan Meßerschmidt beobachtet. „Unfreundliche, unsachliche, beleidigende Kommentare sollten wir nicht als Alltag hinnehmen, erst recht nicht Gehässigkeit, herabwürdigende Äußerungen oder Beschimpfungen.“ Kurz nach der ersten Entscheidung zur Namensänderung der Universität 2017 habe es hasserfüllte, beleidigende und sehr abwertende Kommentare auf Social-Media-Kanälen gegeben, so Meßerschmidt. Auch heute gebe es schwere Fälle zu unterschiedlichen Themen, die aber auf Wunsch der Betroffenen vertraulich behandelt würden.

Zahl der Beiträge steigt – auch der problematischen

Auch Erik von Malottki (SPD) kennt das Thema Mobbing im Internet. Er ist einer der Administratoren der Facebook-Gruppe „Greifswald für alle“ und somit für die Moderation der Themen zuständig. „Aus meiner Sicht ist die Anzahl der Beiträge, auch die der problematischen, in den letzten Jahren gestiegen“, so von Malottki. Auf „Greifswald für alle“ gelinge es in den meisten Fällen, eine gute, sachliche Atmosphäre zu erhalten, auf anderen Greifswalder Seiten wäre das anders. „Die meisten Beiträge werden wegen fehlendem Greifswaldbezug gelöscht, diese kommen meist aus der rechten Ecke. In wenigen Fällen müssen wir auch Beschimpfungen und persönliche Angriffe löschen.“ Er würde jedem von Cybermobbing Betroffenen raten, sich, falls nötig, auch an einen Anwalt zu wenden. „Die sozialen Medien sind kein rechtsfreier Raum“, stellt er klar. „Auf der anderen Seite bieten die sozialen Medien eine einzigartige Möglichkeit zum Austausch und zur Information über lokale Ereignisse oder Themen.“

Das soziale Phänomen „Mobbing“ an sich sei uralt, schon immer hätten Menschen Außenseiter gemieden und gemeinsam gehänselt, erzählt Konstanze Marx, Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft. „Neu sind aber die Reichweite und die Dimensionen, die das Cybermobbing annehmen kann“, so Marx. „Und es fehlt häufig jede Möglichkeit der Kontrolle. In der Schule gibt es noch Lehrer, die bei direktem Mobbing einschreiten können.“ Das sei bei Gruppen auf Kanälen wie WhatsApp schlicht nicht möglich.

Umfrage: Fast zehn Prozent der Schüler wurden schon im Netz gemobbt

Eine nicht repräsentative Umfrage der Professorin unter 100 Schülern hat ergeben, dass Cybermobbing heute für viele junge Menschen zum Alltag gehört. Von 100 befragten Schülern, seien neun bereits selbst von Mobbing betroffen gewesen, 32 kennen jemanden, der gemobbt wurde. Drei gaben an, auch selbst mitgemacht zu haben, insgesamt acht fanden die Aktionen witzig oder haben zumindest zugesehen. Hoffnung machen die fünfzehn Schüler und Schülerinnen, die angaben, interveniert zu haben.

„Diese solidarische Reaktion der Menschen, die Zeuge des Mobbings werden, ist wichtig“, so die Expertin. „Man sollte klar sagen, dass man das nicht in Ordnung findet.“ Von einem verbalen Gegenangriff rät die Professorin ab. „Damit facht man die Anfeindungen erst richtig an.“ Oftmals würde hinter dem aggressiven Mobbing einer Person übrigens ein ganz anderes Problem des Mobbers stehen, der sich auf diese Art und Weise Luft machen würde. Um Cybermobbing zukünftig einzudämmen, müsse man früh mit präventiver Bildungsarbeit beginnen und den Kindern vermitteln, dass Gewalt nicht funktioniere.

Cybermobbing – was tun?

Unter Cybermobbingversteht man psychische Gewalt im Netz gegen Personen oder Gruppen, häufig handelt es sich dabei um junge Menschen. Mit Hilfe von Bildern, Filmen und Sprache werden Menschen vor allem in Sozialen Medien und Nachrichtenplattformen beleidigt, verleumdet oder genötigt. Cybermobbing an sich ist keine definierte Straftat, kann allerdings Straftatbestände, z. B. Verleumdung, Volksverhetzung, Nötigung, erfüllen.

Betroffene sollten die Vorfälle dokumentieren (Bildschirmfoto) und sich an die Netzwerkbetreiber wenden (Facebook hat ein Formular im Hilfebereich). Auch eine Anzeige bei der Polizei ist in schweren Fällen sinnvoll. Hilfe für Eltern und Kinder bieten auch die bundeweiten Beratungshotlines Nummer gegen Kummer (Kinder wählen die 0800/1110333, Eltern die 0800/1110550). Eine empfehlenswerte Internetseite ist www.klicksafe.de der Landeszentrale für Medienkommunikation Rheinland-Pfalz, auf der über viele Medienthemen informiert wird. Klick-safe hat sogar eine eigene App entwickelt, in der es Verhaltenstipps und Videos gibt.

Angehörige der Universitätkönnen sich an die Antidiskriminierungsbeauftragte als Beratungsstelle oder an das Justiziariat und das Personalreferat als Beschwerdestellen wenden. Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ruth Terodde (03834/ 420 1108)berät und ermutigt Betroffene beim Vorgehen gegen unangemessene und verletzende Äußerungen. Die Beschwerdestellen überprüfen gegebenenfalls mögliche arbeits- und dienstrechtliche Sanktionen oder unterstützen Betroffene beim Verdacht strafrechtlich relevanter Äußerungen darin, Anzeige zu erstatten.

Von Anne Ziebarth

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